Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 13 (31.3.1869)
- Date
- 1869-03-31
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 Begriffen. Der geneigte L^ser wolle uns jedock aüch eine Erzählung aus der Tradition, auS dem Talmud erlauben; sie wird ihm einen klareren Begriff von den Ansickten des Juden) bums aus einer anderen Heit geben. Zu Hillel, dem eigentlichen Begründer deS Talmud, kam einst ein Heide und sagte, wohl spottweise: „Willst Du, Rabbi, mick Deine Religion lebren, so lange ich auf einem Fuße stehe; dann will ick mich zu derselben bekehren;" und der Weise antwortete: „Was Du rickt willsi.das man Dir thue, das tnuc au b einem Airdetn nicht. DaS ist die -ganze Religion; alles Andere Kommentar." Dieser .Hillel ist einer der- Grundpfeiler der jüdischen Tradition, seine gesetzlichen Euscheidungeu haben für daS religiöse Leben theilweiie nock heute Giltigkeit. Wir I önnten von diesem Manne, seiner Jugendgeichickte, seiiun Tugenden, seiner Sanstmuth und Geduld, ^seinem Lehr- und Lerneifer vi!el lernen. (?r ist einender erhabensten Gestalten in der Geschickte der Mensckbeit, und verdiente auck von Richtjuden gekannt zu seit. Wer die Religion eines Anderen von dem Boden der eigenen aus bekämpfen will, müßte sich dock aus unumstößliche, von den ther logischen Autoritäten und Behörden anerkannte, Grurdsätze und Lehren stützen. Sind aber Transsubstantiau onslehre :c. wirklich in der ganzen p r o t e st n t i s ck e n Kirche überwundene Standpunkte? Wollen Sie ernstlich die Gebrechen Ihrer kirchlichen Berfasinng, die der Glauben-Zwang verschuldet, einem anderen Bckenntnisse zur Last legend <?ind Ihnen Wantrup, Hengstenberg, Stiehl und Stahl und deren Genossen nicht — Protestanten? Rein, Herr Herold. DaS Christentkum ist nicht die Quelle, aus der die Perkündigung von „Gott als Pater aller Menschen," dieHeilslebr? vom Bruderbund der Böller fließt. DaS sind „MoseS und die Propheten." Soll ick Ihnen das beweisen!? Lesen Sie die Bibel, schlagen §ie die Propheten aus! Ick führe nur einige Beispiele an.! So Maleachi' lO: „Haben wir nicht alle Einen Baker? Hat uns nickt Ein Gott -gesch asten? treu handeln Einer gegen den Andern, Bund unserer Pater?" der Moses, einmal sagt: „Ihr seid wie cher Fremdling:" oder: „Ihr sollt lieben den Ire mdli wäret Ihr im Lanke Egyp en" u. s. f. Wir leugnen nicht, "laß es die Senvung un: Aufgabe des Ehristentbum? war, diese Lebren un : Ideen über beiji Erdball :u verbreiten. Jede Heit, jede Ration hat ihre besondere Aufgabe in der 'sitt licken Weltordnung, in der Mensckbeit. Ist die Aufgabe des IudentbumS erfüllt? Rein, sonst müßte es als fallen! Ist die Aufgabe des Cbristenthums erfüllt^? Warum wsllten wir ii’r entweihen de r der mehr alsing, denn Fremdlinge geistigen Entwicklung der todt dem Untergange ver- Wir überlasten die Beantwortung dieser Frage Herrn Herold. » Mit dem andern, Theile des Aufsatzes oeS Herrn Herold können wir kürzer sein. Wir. misten nicht, welche Beziehungen die biblische Geschichte deS alte« Testaments zu den deutschen Klassikern und den deutschen Heldenkaisern haben könnte. Wir wissen nicht, wie hier daS Eine das Andere ersetzen, oder ob wirklich das Eine das Andere verdrängen könnte. Und wenn auS diesen Gründen die Bibel aus der Schule verbannt werden sollte, wie soll es dann in Frankreich, in England, in Dänemark oder in Australien gehalten werden, wo man dock füglich nicht die deutschen Klassiker an, die Stelle der Propheten und die deutsche Geschichtean die Stelle der biblischen Geschichte, und meinetwegen „hebräischen" oder „jüdiscken Propheten" setzen könnte? Dann wäre das Ebristenthum erst recht keine Weltreligion, dann gäbe es eine französische, italienische, englische, griechische und — spanische Religion. Soll auch das neue Testament auS den christlichen Lehranstalten ver- ' bannt werden? Und wenn nickt, wie wollen Sie. ■ demselben einen Anfang, eine Begründung geben? „Und ist denn nicht daS ganze Ehristentbum auf's Iudenthum gebaut?" (Lesung). Wir lebren die - bibliscken Geschichten um der sittlichen Ideen willen, um des kindlich anspreckenden, unübertreffliche« Inhalts mancher — nicht aller — Geschichten. Freilich, nicht alles eignet sich für die Kinder. Das,'-was nicht für diele ist. lassen wir eben stehen. Die bibl. Geschichten sind schon darum eine vorzügliche Geistesnabrung für die Kinder, weil sie dem KindeSalter der! Menschheit entstammen, darum ein kindlich - einfaches, religiöses Ansckauungsmittel sind, und ein wahres i zulrestendes Bild der Entwicklung der Menschheit j geben, die nock nickt abg esckl offen ist, und! nie abgeschlossen werden wirb. Die Bibel zeichnet zilerst das Leben und Tbuu Einzelner, dann j das der Familie, dann einer kleinen Ration und so fort, um als Endziel die allunnassenden MenschheitS-! idcen hervortreten zu lassen in den Messiasbildern und Berbeißungen der Propheten, ^istd wir bereits in diese Phase der menscklichen Entwicklung eingetreten? Ick glaube,, wir stecken noch tief in der Periode des nationalen SondergeisteS. Die Entwicklung, die Q f i e n b u n g G o t t e S ist nock lange nicht abgeschlossen. Sie wird nie abgeschlossen werden. WaS Herr Herold distinktiv vom Pabsttbume und Protestantismus u. s. f sagt, istzu unklar und inkonseauent, um eine Besprechung möglich zu machen. - Er leugnet, daß^chaS Ehristentbum mir dem Judenlbume prinzipiell auf gleichem Loden stehe. Er leugnet, daß der Protestantismus 'eine Wurzeln im Katholi-