Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 13 (31.3.1869)
- Date
- 1869-03-31
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r i — 100 — Darum und weil das Judenthum jene ewige Grnndwabrheit und die chöchfien Gesetze der Sittlichkeit auf sein Panier geschrieben, weil es das unveräußerliche Vorrecht genießt, den reinen Monotheismus in die Welt eingefübrt unk «rbalten zu haben, darum bat sich auch das Judenthum und das jüdische Volk, wenn auch in Atome zerstreut-, erbakten, trotz aller der unl säzlichen Joltevn, Leiden,' Martern und Perfolgungen. die wohl ihres Gleichen nickt mebr in der Gesckichte der Menschheit haben. Ungebeure Reiche, große nnd mächtige Nationen sanken neben ibm und es selbst schien oft mit vericküttel. Aber immer wieder erbeb fick daö kleine gemarterte, zertretene Völkchen anS dem Sckuite, sein Geisteswerk, 'eine Laufbahn nach dem ewigen Lichte von Neuem beginnend. Zersneui — war es geeinigt im. Geine durch seine Einbeitsleb'e. — Soll ick dem christlichen Manne, der das Judenthum als Barbarismus, als etwas TodteS und Todteswürdigcs fcorüeür , ein st kuck aus der Geschichte erzählen, wie die christliche Tochter gegen die jüdische Mutter gehandelt? Etwa von jenem Glaubensbeere sim 1l. Jahrhundert) nnd seinem Handeln gegen ein fast, verschwindend kleines Völklein, dessen Glieder rubig inder Mitte der Völker als Fremdlinge zerstreut wohnten — und ob da sich die Religion des großen Glaubensbeere-, an dessen Spitze die edlen Heldenkaiser-, Könige, Fürsten und Diener Gottes standen, als eine Religion der Liebe und der Duldung erivieien bat? Soll ick dann den vergleich zieben mit dem Nationalgotte Israels, dessen -Bekenner, als z. B. der Glaubensfürst von Salzburg seine Unterlbanen verjagte, mit menschlicher Tbeilnahme sich der unglücklichen Vertriebenen annahmen,*) während die eigenen Glaubensbrüder oft theilnahmlos zusckauten? Doch nein, nein! Genug von diesen Bildern! Die Liebe ist ein Geschenk Gottes, leas-er cem Menschen inS Her; gegeben. Do bl dem, der hie Anlage a ws b e u t c r. i i Die Satzungen und Einrichtungen «r katholjschchi Kirche sind jüdische Erbsihaften? ' Ist wobl auck die Trinirätslehre eine Erfindung des!Jueentbums? Und nun gar die Transsubstantiationslfbre, die Heilizenverehrung, die Lehre von den guten Werken rc., lauter Dinge, Namen und Begriffe, die dem Judenrhume völlig fremd nnd und stets fremd waren, für die sich in den jüdischen Schriften, in der ganzen jüdischen Lehre auck nicht der geringste.Anknüpfungs- Juden nick: gleichstehen.' Rein , Herr Herold, umere Bildung und Geittksireiheil, unsere Duldung und Mildthätigkeit nnd Er,eugnifie unterer jüditch-religiösen Erziehung, entstammen dem Riosaismus und-sind daher jüdische Tugenden, oder, meinetwegen, wenn Li« das wollen — reinmenichliche. -*i Ziehe Geschichte von Preußen. 1 punkt findet. Nie und nimmer gab es im Judenthume eine Lehre oder einen Lebrer, welche behaupteten, daß Wein und Brod zu Ilei sch und Blut werden könnte sTransubstantiafionSlebrej. Nun und nimmer gab es im Jndentbume Heilige im katho- ' liscken Sinne. Das Judenthum bedarf keiner Mittler! „Bor dem Ewigen Eurem Gott sollt Ihr rein sein, ihm allein dienen." „Heilig sollt Jbr sein, denn heilig bin i ch, der Ewige Euer Gott." Das Jndentbum feiert im Bersö bnungslag e den Triumph seiner Lebre von dem unmittelbare» Verhältnisse zwischen Gott und dem Menschen. Das Wort, das »ack dem Pentakeuck Gott zu Moses sprach: „Nur wer gegen mick sündigte, den will ich ans meinem Buche '.öicken," in mancker späten Verquickung der Versöbnungslebre vorzuzieben. Nack dem hebräischen Sprachgebrauch nennen die Juden Heilige diejenigen/ welche die Treue für ihren Glauben mit dem Tode lenegelten. Und daß an solcken Heiligen kein Mangel in, dazu haben die fromme Mönche und Geistlichen des Mittelalters getreulich mitgebolfen Aber der Jure betet diese Heilige nickt an, er ruft >ie nicht als Vermittler an, er kennt nur die Anbetung Gottes; dem Märtvrer weifet er nur webmuthsovlle Erinnerung „Nur durch das eigene Leben, die eigene Tbat kannst du geheiligt werden und rein dastehen vor Gott." , „Gott ist unser. Barer, wir find seine Kinder'" Wer wagt es, zwischen Varer und Sohn fick zu stellen? : „Kinder seid Ihr des Ewigen, Eures Gottes." I Die Lehre von den guten Werken? wir wissen! nickt, wie daö Ehrinentbum diese' anfiaßt und was ' Herr Herold darunter versteht. Wenn Herr Herold i fick aber die Mühe nehmen wollte, das zu prüfen,! was er verurtbeilt^'o würde er vielleicht ganz andere! Begriffe von dem Religionsgebäude bekommen, das ■ dock unbestritten den Urgrund des CbriskenthumS bildet. Die Satzungen, Eeremonien. Gebräuche und Einrichtungen sind „Zäune um die Thora." veranstaltet, um den sittlichen Gehalt derselben vor Verunftaltung zu sickern; Symbole — Sinnbilder, um dein Menicken das Geistige näher zu bringen; Erinnerungsmittel. Die f. g. guten Werke sind nie das Wesen der Religion Israels gewesen, das stets nur in der Erkennlniß und im iittlicken Leben gefnnven l wurde. Wollte doch Herr Herold das 19. Kapital! des 3. BncheS Moses lesen, das mit den oben ge-! nannten Worten: .Heilig sollt ibr fein" rc. beginnt,! er würde vielleicht staunend den ganzen Inhalt der i erhabenen Bergpredigt wieder erkennen. Diese Rcoe! Moses, die in dem erhabenen, unübertrofienen, weil! unübertrefflichen Satze:• „Und Du sollst lieben Deinen! Nächsten wie Dich selbst, denn ich bin der Ewige Drin Gott" gipfelt, würde ihn lehren, welches die Mittel zur Heiligung des Menscken find nach jüdischen I