Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1869-03-31 · 13 (31.3.1869) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
13 (31.3.1869)
Date
1869-03-31
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4896751-5428712-5432002--2362-4898723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

98 sterwegs der Idee der konfessionslosest Schule kreu und glaubt an die Möglichkeit eines sittlich-religiösen Unterrichts ohne konfessionelle Färbung. Wir erkennen in der Verkörperung dieser Ideen das Eldorado der Volksschule her Zukunft, wonach alle Pädagogen zu streben haben. Konfessioneller Un erricht gehört nicht in die.Volksschule. Wer Ausschliessliches aui allgemeine Gebiete zu verpflanz:,: strebt, ist intolerant. Uns bleibt der katholische, 1er protestantische wie der jüdische und selbst der freireligiöse Fanatiker immerbin doch ein Fanatiker Nickt derjenige ist wahrbast freisinnig;u nennen, der sich auf den wirklich oder vermeintlich freisinniger Gehalt seines Bekenntnisses oder seiner Gläubensrichtr ug Etwas zu Gute lhul, und darüm von dort ans di, anderen Religionsgesellscbasten. die Bekenner eines nndere» Glaubens oder auch nur die Vertreter einer anderen religiösen Richtung zu böbnen, zu verspotten oder auch als in 'Finsternis; wandelnd zu bezeichn in das Recht zu haben glaubt. . steinigt sie, ist hier wie dort der Refrain! Unduldsamkeit und Fanatismus sind gleicherweise verwerflich, ob sie' sich in Wocien oder in Tbaten äußern, ob sie von -einem 'Kettel >r, Hengstenberg, Stabt, ^'ec, Papst Pins IX. > der — von Buiuen, Vircbow - und Herold berrührei. U-n duldsam kei-t in aber, beut zu Tage jee akmaßlicke Rechthaberei, jedwedes Bramarbanren m t der eigenen Glaubensrichtung, jedwede Ueberhebung des eigenen Bekenntnisses, jedwede Behauptung, als sei eben nur in diesem und in keinem anderen Bekenntnis das Licht, das Heil.eer Welk möglich, als schlösse jedes andere Bekenntnis; die Möglichkeit eines Anschlusses oder Ausgehend in der Weltanschauung der Gegenwart aus.. Jeder, der sein so geartetes Bekenntnis; nickt im eigenen Busen behält) — allwc es. unter gewissen Voraussetzungen seine Berechtigung haben mag; oder-es nicht nur in der eigenen Kirche ausspricht, — wo eine solches Aussprechen unter denselben Bedingungen Pflicht sein kann,I>enn diese Stätte ist .diesem Bktenntniß gegründet; sondern eS hinausiragen will auf den Markt des Lebens'— und öffentliche' konfessionslose pädagogische Zeitschriften sind ein solcher -Markt, — der verwundet die Angehörigen anderer Bekenntnisse und ist unduldsam, intolerant, fanatisch. . Und spricht er das, waS er als seine Ueberzeugung für unumsrös;lich hält, in einem Tone aus, der als selbstverständliche Folgerung ergibt, daß alle andereu-.ReligionSgesellsckaften in der Finsterniß wandeln, so daß sie, weil, und insofern ne in diesem Bekenntnisse beharren,. nickt Tbeil haben können an der liebe- und lichtvollen Weltanschauung der Gegenwart, nicht Mitwirken können an der Entwicklung der Prinzipien, die den freien Menschengeist bewegen und leiten', so'ist tomeauent nur sein Bekenntniß das alleinseligmachende, und also so ausschließlich. so'unfehlbar und darum so fanatisch wie Encnclica und SyllabuS. Wir erkennen an, was der Protestantismus für die neue Zeit war und ist. Wir wissen, wie sehr wir dem protestantischen, d. b. dem Reformationsprin zipe den Fortschritt der Wissenschaft, die geistige Wiedergeburt unseres Zeitalters zu verdanken haben. Wir bekennen mit Stolz als Deutsche, das; die Reformation, eine der größten Heldenthaten der Menschheit. zugleich eine That des denkenden deutschen Geistes ist, eine jener Tbaten, die der deutschen Nation ihren hoben Rang unter den civilisirten Völkern sickern. In welchem Maaße — in unserer Zeit — auch Katholiken und selbst Juden sich am Fortschreiten der Menschheit in allen Lebensbeziehungen betheiligen, wollen wir hier nickt erörtern. Aber konstatiren müssen wir, daß die erleuchteten Geister unserer und aller Zeiten eben dock das Höchste und Edelste nickt schufen als Protestanten, ja nickt einmal als Christen, sondern, als human gebildete Menschen: und das; diese Humanität ihre Wurzeln hat im Indentbum, tbeilweiie selbst im Heidentbume, in der griechischen Wissenschaft. Das freie Menfchenthum ist das Höchste, es war das. Erste und wird das Letzte sein in der Entwicklung der Menschheit. Dies vorausgeschickt, kommen wir endlich zu der Behauptung des Herrn Herold, der hier — kein Herold des Friedens ist. Er bedauert in genanntem Aufsätze, daß, obwohl die evangelischen Lehrer mit Recht auf die vielfachen Satzungen und Einrichtungen »er-katholischen Kirche als auf jüdische Erbschaften vermahnend Hinweisen, und obwohl anerkannt ist. das; das charakteristische Merkmal der Lehre deö Heilands die Verkündigung eines Vaters aller Menschen, das Evastgelium von dem Bruderblind der Völker, die Tendenz der geistigen Universalität, welcke eine neue Aera in dem religiösen Bewußtsein der Menschen schufen; obwohl die protestantischen Lebrer all dies und nock mehr anerkennen, dieses eigentliche Lebens princip in der Schule doch nicht verwirklicht ist. Und warum nicht? weil man wohl den antiken heidnischen Vorstellungen entgegentrat, aber nicht — dem Mosaismus! denn die vieltausendzählige deutsche Jugend kennt weit besser jüdische Erzväter und Regenten, als die Gestalten seiner Heldenkaiser, viel eher hebräische *) Prophetenmystik, als sie an deutscher Dichtung nippen dürfen. Ictz noch mehr; die Kirche verdammt als ketzerisch die sonnenklaren Resultate der *) Seit wann und in welchen deutschen Volksschulen lernen die Kinver hebräisch? Hebräische Propheten? hebräisch ist nur vie Sprache der Propheten. Ihr Inhalt ist jüdisch und human im edelsten Sinne des Wortes.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.