Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 12 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tiven, au» wahrer Besorgniß für das Gedeihen des M. Lehrerseminars hervorgeganqen, sondern mehr auS kleinlichen Beziehungen und Verhältnissen, die auch die Waffen der Angreifer zu kleinlichen, geistlosen und plumpen machten. Wären dieselben edle gewesen, so . hätte ich es für meine Pflicht gehalten, ihre Einwände mit der gebühreiiden Achtung zu bekämpfen. Wenn aber der Gegner hinter der Schutzmatter der Anonymität muthig ist, wenn er in hämifchcr, tactloser Weise die Spuren seiner noch nicht ganz über-wundenen Bachurcultur ohne deren Geist vcrräth, wenn die Forderung kennen. Gebete zu verstehen k., als hyperorthodoxes Verlangen gebrandmarkt wird, wenn man Nachrichten über Dinge, die in einer geschloffenen Sitzung verhandelt wurden^ ungenau oder gefälscht gibt und ein lächerliches Spiel mit Namen die schärfste Waffe sein soll, dann wär es eine Herabwürdigung, mit einem solchen Kämpfer den Kampf aufzunehmen. Ihm werde ich von nun an schweigen. Mein Eifer kann durch bösnillige Angriffe nur noch mehr angefacht werden, un mit desto größerer Gewiffenhaftigkeit und Besonnenhe r das mir anvertraute Werk zu vollenden. Ich werde mick nicht scheuen, wirklich von mir begangene Jrrthümer einzugestehen und sie zu beseitigen, denn daS Eingesi indniß und das Ablegen erkannter Mängel fördert intell 'ctuell und moralisch nach vielen Seiten hin. Doch diesen Mangel pädagogischer Bildung, welchen einer Ihrer Herren Korrespondenten mir'vorwarf, indem ich 3t i Stunden für den hebräischen Unterricht festgesetzt hä te, diesen Mangel habe ich nicht nöthig einzuzestehen, da er gar nicht vorhanden ist. Ich staunte nur über t i e naive Glaubseligkeit dieses Herrn^ der mraussetZen konnte, daß ich mir 36 Stunden wöchentlich Unterricht zu ertheilen vorgenymmen hätte. Ich hab< den Gesammtunterricht für die beiden unteren Eurse ans 36 Stunden, den des oberen Coursus auf 18r* **)) Stunden festgesetzt. Jener Herr mußte also doch nicht so ganz authentische Mittheilungeu haben. Dpß meine Worte mit Angaben aber auf Wahrheit beruhen, wird Herr Curator Blumenfeld, der jener Sitzung beiwohnte,' gern bezeugen. Ebensowenig ist der Argwohn gegründet, daß ich meinen Herren College« am Seminar eine gerade nicht rosige Slellunc bereiten würde. Ich hoffe, daß gerade diese Herr n später vor solchen Angriffen mich schützen-werden, weil, sie in mir einen Freund erwerben, der nur gemeinschaftlich mit ihnen heilsam zu.wirken glaubt. Zum Schlüsse nur noch das Eine. Nichts wird mich bewegest können in meiner Pflichterfüllung zu ermatten? je ijiehr An griffe ich erfahren sollte, desto sorgsamer, eifriger werde *) Schulchan Aruch, Nascht, Nalchbam, Mischnab, Piutim, Kinos rc. Redstction. **) Dabei 11 Hebräisch? Redaction.. ich werden und meine ganze Kraft und, wenn die Verhältnissecs gestalten werden, meine Lebenszeit dem edlen Berufe zu widmen. Ich will Lehrer heränbilden, die mittiefempfundener Religiosität, genügendem religiösem Wissen allgemeine und pädagogische Bildung verbinden, die da wissen, was, wie und warum sie so und nicht anders unterrichten sollen. Dieses Ziel hoffe ich durch Gottes Hilfe in dem harmonischen kollegialen Verbände mit ineine» Mitarbeitern zu erreichen und der schönste Lohn wird für mich die Achtung meiner Kollegen und die Liebe meiner Schüler sein. Dies das einzige und letzte Wort. Von nun an sollen Thaten sprechen. Hochachtungsvoll vr. Theodor Kroncr, Seminardirector. (Nachschrift der Redactions. Obwohl wir selbsi Partei in dieser Angelegenheit ergriffen haben, die j» sehr weittragend ist, baß der persönliche Charakter der Angriffe verschwindet, können wir doch nicht umhin, diese Verthcidigung hier aufzunebmen. Wir zweifeln nicht an dem guten Willen des geehrten Herrn. Vielleicht nützen diese Angriffe. indem sie Herrn I)r. Kroner von seinen falschen Principien abbringen und in Gemeinschaft mik erfahrenen Lehrern seine Schritte auf den Pfad der Pädagogik leiten. Wir halten darum vorläufig den eingehenden Protest mehrerer westfälischen Lehrer zurück. Wir wollen nur Hrn. Dr. Kroner zu seinem Eintritte ins heilige Amt einen neuen piDS geben, der ibn geleiten möge. „Die Kindesseelc — Jünglingssecle — ist nicht ein Gefäß, daS gefüllt, sondern ein Brennstoff, der entzündet sein will." — Und nun genug. Aus Schlesien, >1'. März. Unser würdiger Rabbiner Dr Wiener in Oppeln hat eine kleine Brochüre als Beitrag zur Orientirung in der CultuSfrage über die Opfer- und Akedagebete veröffentlicht, worin er sich mit Recht gegen Pyjlippfon und Joel ausfpricl't und entschieden , auf Seiten Geiger'S tritt. Die Ersteren halten, wie Geiger, den Opferdienst für antiauirt, schließen .aber darum doch Opfergebete, wenn auch in inodiffckkter Form, nicht aus, ja Philippson hält, ausdrücklich die Avoda-Gebete im Mufsaf deS Jom-Kippur, eine Beschreibung von Schlachten, Abziehen und Masten des Versöhnungsopfers, als einen Glanzpunkt im vormaligen Gottesdienste .dieses Tages, immer noch jebr hoch und für unentbehrlich. *) Von den Akedagebeten sprechen diese Herren gar nicht, den 'I Auch uns ist dieser Theil des Zonikippur-Gottesdienste» lieb und stets als höchst bedeutungsvoll erschienen, und wir zweifeln, daß viele Stimmen für dessen Abschaffung oder auch nur Reformirung sprechen möchten. Er hat einen mystischen Reiz, der mit der Stimmung des Tages und der Tageszeit übercinstimnt, enthält neben diesen Schlachterinnerungen doch auch den hehren Gedanken der Te.nüthigung des Mensche» vor Gott und bietet glanzvolle Erinnerungen aus dem immerhin großartigen Iom-Kippurritus im Tempel, die doch nicht ganz verloren gchen sollen Red.