Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 12 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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betreffenden Antrag Heiger'j» ignoriren sie. Jeder ist berechtigt, seinen Standpunkt zur Geltung zu bringen. Wiener trat darum in einech für die „Allg. Zeitung" d. I. bestimmten Artikel für die Geiger'sche Ansicht auf, welche alle ReminiÄcenzen au thierische und Menschen- Opfer (Akeda) aus unserem Gebete, gestrichen wisse» will. Der lRedakteur jener Zeitung verweigerte indes; diesem Artikel, als seiner persönlichen Ansicht widersprechend, die Ausnahme und zwang hierdurch den Verfasser, denselben als Brochüre zu verösientlichen. Damit den darin niedergelegtcn Ansichten an Verbreitung nichts dbgehe, machen wir hier auf die bei Skutsch (Schletter'schen Buchhandlung» in Breslau erschienenen Brdschüre aufmerksam. Versäumen wellen wir auch nicht, die Aufmerksamkeit des Publikums darauf zu lenken, wie PH. die "„Unparteilichkeit" seines Organs versteht. Er macht sein Blatt zum Sprechsaal für die Cultusfragc und die Angelegenheiten der Synode; was aber seiner persönlichen Ansicht widerspricht, schließt er trotz der Wissenschaitlichkeit in derDgrlegung entgegensiebender Ansichten aus. Er glaubt auf diese Weise seine Ansicht zur Geltung und Herrschaft zu bringen, denn er bildet fick ein, die Welt holte die Weisheit nur bei ihm und seinem Blatte. Wir machen dieHH. Lehrer, welche Ph. so gerne alü Sctelliten seiner Ordonanzen für Schule, Synagoge, Gcldsammlungen .'c. braucht, auf ihren Patron aufmerk'am und geben ihnen anheim, PH. und sein Blatt-lei ihren Vorständen, Gemeinden, Collegeu und Freunden zu charaklcrisiren. Wir glauben dagegen nicht zu irren, wenn wir dieses Blatt als ein freisinniges ur d unparteiliches bezeichnen, uud darum allseitig, wie l amentlich auch für die in Redl stehenden Erörterungci über EultnS und Synode, empfehlen. Paris, 14. Mär;. Ihre deutsche Synode wird frage sehr lebhaft ventilirt bei uns disknssionsfähig ist Blüthe erwachte Mißwoth den, als das „Angebot," augenblicklich auch auf Haus Jur Vorbereitung für bei Ihnen die Resorm- Wie wenig die Frage beweist der zur neuen -Handel in der hiesigen ynagoge. Die „Nachfrage" ist setzt größer gewormanner der Synagoge haben deßhalb dem Consistorium Herathen, die Thora-Vorlesu igrn (Sidra) in mehr als t oder 8 Abtheilungen iPuraschath) zu zerlegen und die Waare nicht en gros, sondern en ciotnil abzugeben. Da die Kunden sich drängen und, wie man kaufmännisch sagt, um die Waare sich reißen, würden dennoch Lnxruo-Preise erzielt werden. Die religiösen Interessen würden jedenfalls in dieser Weise vermehrt werden, — ob auch daS religiöse Interesse? Die CnltuSbeiträge mögen freilich hierdurch vermindert wodurch die Synagoge c spekulirt. Die Börsenwerden können, — ob auch der Gottesdienst hierdurch kürzer uud erbaulicher gemacht wird? Wie verschieden doch die Reform-Bestrebungen sind! In Deutschland will man die Thora-Vorlesungen zersplittern, um sie kürzer und interessanter, in Frankreich, um sie länger und langweiliger zu machen. Vom Elsaß, 1l. März. DaS Pariser Eoniistorium hat den Verkauf deS Koscher-Fleisches geordnet und dafür einen Aufseher bestelli. ES handelt sich dabei nicht bloS um das religiöse, sondern auch pekuniäre Interesse der Gemeinde. Obgleich indeß der Verkauf bedeutende Jntraden für die Gememdekasse abwirft, hat eS für das "Consistorium, als einer ReligionS- Behvrdc, dennoch den Anschein, daß damit nur religiösen Zwecken gedient werde. Wenn dagegen in Deutschland ein Vorstand, dessen Personen'gegen das Koscher-Fleisch indifferent sind, die Schechita überwachtem so macht er kein Hehl daraus, daß eS sich dabei nur um die Geldintereffen handle. Da die Vorstände in Deutschland nun keine Religionsbehörden bilden und das Gewerbe fteigegeben ist: so hat man auch ausgehört; den Verkauf deSKoscher-Fleisches und die Ausübung der Schechita zu überwachen. Dennoch hat sich diese Frage in neuerer Zeit wieder hervorgedrängt. Im Pesler Kongreß wurde beantragt, die Ordnung der Schechita als ein Requisit der jüd. Gemeinden aufzustellen; in Stuttgart wehrt die jüd. Kirchenbehörde, und zwar den Christen gegenüber, den Vorwurf ab, daß sie gegen die streng rituelle Schechita gleichgültig geworden sei. Auch in England und der Schweiz 4at man christlicherseits erhobenen Anschuldigungen gegenüber d'ie Schechita in Schutz nehmen müssen. In Berlin werden die Schochtim zur Zeit einer Wiederholungsprüfung unterworfen, obgleich die Vertreter oeö Rabbinats und des Vorstandes reformatorisch gesinnt sind. Auch diese Erscheinungen geboren zu den auffälligen Zeichen der Zeit und zeugen dafür, daß man an die. Macht der Orthodoxie glaubt. Wir wissen zwar sehr gut die Hnmanitäts- und Sanitätszwecken der Schechita zu würdigen. Wenn man aber glaubt, mit diesem Mantel alle scrupulösen und minutiösen Anordnungen der orthodoxen Tradition über die Schechita decken zu können, so irrt 111311 sehr und heuchelt, wenn man sich damit selbst zum Scheine den Mantel der Orthodoxie umhängen will, oder entwürdigt die Religion, wenn man sie benutzen läßt, um» den Säckel der Gemeinde zu füllen. Es ist recht, daß wir die Frucht nicht abwerfen, denn sie hat einen guten Kern; aber die Schale muß abgelöst werden. Die Wissenschaft hat gar viele rabbinsche Anordnungen auf diesem Gebiete als falsch und sogar schädlich nachgewicsen. Reform thut auck da Roth. Mögen Rabbiner, Vorstände