Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 12 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 unc wir mögen die Gründe wohl würdigen, die so vorzugehen veranlagten. Nun kommen wir aber an einen anderen Punkt, den wir im Namen Vieler hier besprechen dürfen und müssen. Der Aufruf ist erschienen. Nach demselben sind beruieu: die Rabbiner, die jüdischen Gelehrten, die Vertreter der Gemeinden Wir wollen die Unbestimmtheit, die Vagheit dieser Ausdrücke, die Gefahri ljchkeit derselben, für die Synode selbst, da eigentlich keine feste Norm-gegeben ist, was man unter „jiibi scheu Gelehrten" ju versteben hat, nur nebenbei berühren. Eigemhümlicher ist, dass nicht genau bestimmt ist, wie viele Vertreter eiiw Gemeinde zu schicken hat. . WLbrend die Gemeinden Berlin und Frankfurt a. M. ' vielleicht je einen Vertreter schicken, könnte einer kleinen Gemeinde einfallcn, alle ihre Mitglieder zu deputiren. Ja, cS könnte der Fall Vorkommen, daß der Rabbiner vr. Hirsch in Frankfurt sein ganzes ) Heer aufbete und alle anderen Deputieren züm Tempel! hinausstimmre. Doch das haben die Veranstalter der; Versammlung unter sich zu ordnen und zu vertreten. I UuS war nur ausgefallen, daß sowobl im Aufrufe i selbst, als audi in den verschiedenen erläuternden Artikeln in der „Allg. Ztg. des JudenthumS" das Wörtchen „Lehrer," das doch sotlst bei Aufrufen zu Sammlungen,;. B. für die Bibelanstalt oder für; Abonnements zum Institut und sofort mit einem ge- , wissen Eclat stets an die Spitze gestellt wird, hier i ängstlich vermieden wurde. Wir haben dieses winzige Wörtchen vergeblich gesucht und wir gestehen, j daß uns das höchst unangenehm berührte. Wir > können verstchern, daß es bei vielen andern, für die! Sache begeisterten Lehrern in ähnlicher Weise der : Fall war. Die Lehrer,, insbesondere die ReligicnSlebrer, und die. Vertreter der ' religiösen Interessen, sie sind, wir möchten sagen: die religiöse Intelligenz in den kleinen Gemeinde»- Wir machen für diesen Verstoß ' nicht die HH. Dr. Aub und Adler verantwortlich, die wir zu kennen das Vergnügen haben unfrvon ’ deren freundliche Gesinnung für den Lehrerstand wir; überzeugt sind. ES ist daS ganz allein die Sache . des Herrn De. Ludwig Philippson. Wir sind über- . zeugt, da er ja .die erläuternden Artikel in der „Allg.; Ztg. des Judenthums" selbstständig schrieb, daß die I einmalige Nennung, eines so kleinen Wörtchens von > nub sechs Buchstaben möglich gewesen wäre-und daß die Druckerei und Verlagshandlung der „Allg. Ztg. j de« Judenth." nichts dagegen einzuwenren gehabt'! hätte. Es wäre dies Wörtchen vielleicht ganz passend i und zweckdienlich gewesen. Wäre es aber auch un- \ nöthig, nun. es wird Jahr auS Jahr ein in der j „Allg. Ztg. d. Judenthums" so manches Wörtchen,! ja fc mancke Seite, gedruckt, es werden so manche ' „alte Erinnertlngen" zu Taae gefördert und aufgefrifcht, die füglich nngedruckt bleiben dürsten, daß man sich auch dieses kleinen famosen Wörtlein« hätte erinnern dürfen. Matr kann in speciellen Fällen sich den Anschein eines Lehrersreundes geben, indem man Sammlungen veranstaltet: aber in der That ist das nicht einmal Lehrersteundlichkeit; denn es ist leider nur zu wahr, daß man dadurch die Achtung vor dem gesammten Lehrerstand und die Bestrebungen der Lehrergesammtheitcn schädigt und diöcreditirt. Gehören die Lehrer in die Synode? Wir glauben nicht, daß irgend Jemand daran zweifeln kann, daß sic ebensogut als Rabbinen und Vorstände hineingehören. Um nur eines zu berühren: die Synode hat Schule und Religionsunterricht in das Bereich ihrer Besprechung gezogen: gehören dazu nicht die berufenen Fachmänner? Und wer sind da die Fachmänner, wenn nicht die Lehrer? Und wenn mau auch nicht alle Lehrer, selbst nicht die Masse derselben brauchen kanil, weil sonst die Versammlung zu einer Massenvcrsainmlung würde — daü dies doch geschehen iönnte, haben wir oben gezeigt — so läßt sich immer noch voraussetzen, daß diejenige», welche gekommen wären, Jnteresie und Verständniß genug mitgebracht hätten, um wenigstens kein störender Bcsiandtheil der Synode zu werden. Wer sind übrigens die jüdischen „Gelehrten," die da eingeladen sind und kommen sollen? Wir wären begierig über diese Species Genaueres zu erfahren. Welches Recht hat wohl die Versammlung, zu entscheiden, wer ein jüdischer Gelehrter ist und wer nicht? Jeder Lehrer will wohl so ein Stück jüdischer Gelehrter sein, und da ja hier nicht die talmudische Gelehrsamkeit entscheidet, so wäre es leicht, durch eine Hintcrthürc eingeführt zu werden. Aber wir glauben, daß dies für die Lehrer nicht ihrer Würde gemäß wäre. Wenn die Synode für kleine Gemeinden, für Schule und Synagoge, für die ^wichtige Frage der Lehrerbildung etwas thun will, so waren die Lehrer vor Allen die Berufenen und die ängstliche Sorge, ihren so oft ge- und mißbrauchten Namen zu vermeiden, lag nickt im Interesse des Werkes und wie wir Ursache haben, zu glauben, auch nicht im-Sinne der großen Majorität der Veranstalter der Synode, — der Rabbinerversammlung. Wir sehen: die richtige Würdigung de» Lehrerstandes, auch von. Seite der zumeist Berufenen, ist immer noch eine Frage der Zeit. Und daß man hier und dort gegen die Hebung des Lehrerstandes nach Innen und Außen, gegen würdige und sachgemäße Regelung aller einschlägigen Vcrhältnisie in kleinlicher Weise agitirt, ist ein „Zeichen der Z e i t," daS die Lehrer und diejenigen Männer, welche im ä