Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 12 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er Ismelitiselle Aekrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und ins bestände re des israelitischen Lehrer st andes. Orga» für de» Verein „Achawa." .*12 Wöchentlich 1 Rümmer Viert Den 24. Mär; 186S. 9. Jahrgang. i ^jährlicher Abonnementspreis 40 111,2 Lgr. An,eigen ,« l Sgr. die ^titzeil«. Bestellungen nehnien alle Postämter und Buchhandlungen an. \ Teichen < der Aeit. ii.il , (iyovtjfl^nsj.) Die rn Aussicht genommene Synodal -Versammlung ist dine Angelegenheit! von hoher Bedeutung : sie kann von den segensreichsten Folgen für das gesammte Ittdenthnm werden und es ist die Aufgabe einer jüdischen Zeitschrift! eine solche Angelegenheit in den Kreis ihrer Besprechung zu ziehen. Wir haben dabei die Gcuuglhuung, zu bemerken, dass eigentlich unsere Zeitschrift es war die die Initiative in d i e4 e r Nick'»«"«, »'gr>'»N ' Wi> >,„d insbesondere unser geehrter Herr Berichterstattei für die Rabbinerversamm lung haben gleich Anfang« die Angelegenheit in diese Bahn zu leisten-gesucht, uou der wir allein , Erfolg zu erwarten haben. . Es vird den Lesern der Al lg. Ztg. des Zndrnthumu und unseres Blattes wohl erinnerlich sein, daß Herr Di'. Ludwig Philippson ursprünglich gegen eine Synode und nur für eine Rabbinerversammlung plaioirte und durch die Herren Dr Geiäer, Rothschild uni> Genossen überstimmt, sich erst später auf die Seite der Synode neigte. Wir glauben übrigen«, dast die Snnode teines Herolds bedurft hätte. Die Sachlage drängt mit Entschiedenheit: das Gefüh, daß es mit dem Zudcn- Ihum so!nicht mehr fortgchen kann, ist allgemein; die Ratlosigkeit vieler in i >ie Enge getriebener Rab dinen und Synagogenvorstünde, die nicht^wisseil, wohin sie sich neigen sollen, riußte über kurz oder lang •uf diesen Ausweg führen. Allerdings, die Synod« ist im eminentesten Sinne Jine Angelegenheit der Rl sorm. Es Hilst nichts, Dies vertuschen zu wolle», sie ist der bewußte AuShruck derselben: dies zu bemänteln kann nichi zum «eile führen. Die Synode sagd mit dürren Worten: Das taltnudisch-rabbinifche Zudenthum hat sich überlebt, es war eine geschichtliche Phase, die auf änderen JebenSbedingungen basirte, als unsere heutigen sind. Wir müssen für die ewigen Ideen eine andere, eine zeitgemäße Form schaffen, die jedoch ihren geschichtlichen Ursprung nicht verläugneu darf. Da das Zudenthum keine Priesteckaste kennt; da eben das talmudisch-rabbinische Zudenthum nicht di« Basis dieser nur auf dem reindn Mosaismns sich auferbauenden LebenSgestaltungen sein kann, so kann anch nur dieGesammlheit zu Gericht sitzen und sich neue Formen und Normen schaffen, die ihrem religiösen Bedürfnisse entsprechen. Um hier mitzusprechen, ist die Kenntniß des Talmud nicht unumgänglich nöthig; wohl aber die. Kenntniß des JudenthumS, seiner Lehren und seiner Gebote, seiner Geschichte. Wenn man oeu. „Laien" dieses Recht, in seinen heiligsten Angelegenheiten mitzusprechen, nimmt, wie eS^ sogar voll orthodoxer Seite geschehen ist, so vergißt man eben, daß man sich hier ganz auf. einen fremden unjüdischen Boden begibt. Im Zudenthum gibts keine Laien und keine Priester in diesem Sinne. Zeder ist „berufen und anserwählt." Der Rabbinerberuf ist nichtsdestoweniger ein heiliger und erhabener. Kenner des JudenthumS in allen seinen Phasen, müssen sie di.e Wächter der Lehre sein, die Lehrer, «eiche durch ihr Wort wirken und wachen, daß das Zudenthum sich nicht von seiner gottgegebenen Grundlage entferne. Wir hatten schon früher angedentet, daß die Rabbinervrrsammlung zu Cassel darin fehlte, daß sie sich nicht strenge auf dem Boden der' Borberathung bewegte. War einmal der Beschluß gefaßt, daß eine Synode berufen werden soll, so hatte sie nur die Auigabe, die Vorbereitungen für diese zu macken, geeignete und klare Bestimmungen über Wahl und Vertretung bei der ersten Snnode zu treffen und höchstens noch eine provisorische Geschäfts- und Tagesordnung zu entwerfen und — was sie übrigens auch gethan hat — Sektionen oder Commissionen für Beschaffung von Vorlagen zu wählen. Sie durfte diese Vorlagen nicht besprechen, um der Synode nicht vorzngreifen, nickt präjudiciren. Dock, das ist einmal geschehen