Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 11 (17.3.1869)
- Date
- 1869-03-17
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5431998--2347-4898710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 nicht bloS, wo er die Personen redend und handelnd austreten lägt. Selbst deutsche Sprachunrichtigkeiten glaubt er, für sich acceptiven zu müssen. — Obgleich die Juden deutsch geworden sind, so bietet doch ihr Ghetto-Leben Material fßr spezielle ethnographische Studien. D>e „Gasse" hat ihren Ernst und Spaß, ihre Romantik, und Poltik. Jahrhunderte haben diese Eigenthümlichkeite» iii der Gasse aus- und durchgebildet. Um so auffallender ist es, daß mit der Oeffnung und Aufhebung! der „Gasse" solche Eigenthümlichkeiten schnell verlören gehen konnten. Dies zeugt von der geistigen Lebhaftigkeit und Energie der Juden, ihrer Anlage, zur! physischen Acclimatisation, wie geistigen, politischen Mid socialen Assimilirung. Der X. Band enthalt zwei neue Erzählungen Kulke's: 1) Ein Schnorrerkind und 2) die Juden- Christel. Beide zeugen vom Fortschritte in der Anlage, wie Charakterisirüna. Man findet sogar feine psychologische Bemerkungen. Die Ausführung einzelner Episoden ist nur oft etwa« zu breit gehalten, und diese Breite drängt dann am Ende zu Uebereilungen und Abkürzungen, wo größere Ausführlichkeit am Platze gewesen wärei! Die Tendenz beider Erzählungen ist, ein innigeres sociales Berhältniß zwischen Juden und Christen zn rechtfertigen;, das entgegenstehende Vori urtbeil der Christen ist nicht begründet, und nicht, daß erst der akademisch gebildete, oder seiner Religion untreu gewordene, oder auch nur sich gleichgültig dagegen verhallende Jude dem Christen nahe genug stände, auch daö auf der Landstraße und beim Bettel aufgezogene Ächnorrerkind, wie der orthodoxe Jude der „Gasse" sind ebenbürtig und an Geist, ivie sittlichem Charaktqr und felbverleugnender Hingebung und Aufopferung oft überlegen. Daß dies keine Uebertreibung ist, sondern auf Wahrheit beruht, wird dadurch gezeigt, daß auch schlechte Charaktere unter den Juden vorgeführt werden. Es entspinnen sich, wie von selbst, auf innerer Herzensneigung ruhende Liebesverhältnisse zwischen Juden und Christen. . Um darznthun, daß Juden und Christen als Menschen sich ganz gleich und nahe stehen, erscheint das Schnorrerkind, dessen Herkunft indeß bis zum Ende der Entwickelung unbekannt bleibt, und wird für einen französischen Offizier gehalten. Die Tochter des christlichen Jäger-, in dessen Haus dieser einkehrte, weiß jedoch weder h-ervon, noch dsiß er Jude ist, und verliebt sich in die Schönheit seines > AnUitzeS und seiner Seele. Ale seine Religion und Hernlöstt bekannt wird, bleiben Tochter und Vater dennoch »m Verhältnisse treu. DaS Liebespaar zieht ncich Amerika, um heirathen zu können. Zur Eingehung einer Civilehe wäre es nicht einmal nothig gewesen, eine so ferne Heimath zu, suchen, aber abgesehen von der theologischen Bedeutung und dem sittlichen Einflüsse der religiösen Trauung hätten wir nicht gerathen, der Civilehe da» Wort zu reden, weil die Verschiedenheit-des religiösen Bekenntnisses niemals für die Ehe von einem heilsamen Einflüsse sein kann. Erwähnen wollen wir noch, daß sowohl die Bauern, wie die Inden in ihren respektiven Idiotismen reden, bis die Leser erfahren, mit welchen Juden sie zu thun haben. Aber gerade für diese erscheint es weniger angemessen, hebräische Ausdrücke zu häufen, die ja doch einer Erklärung in Paranthese bedürfen. JR. Adolf Diesterweg. Sein Leben und seine Schriften. Herausgegeben von E. Langenberg. 2. und 3. Theil. Mit dem Bildnisse Diesterweg's. Frankfurt a. M. Joh. Chr. Hermann'sche Buchhandlung (Moriz Diesterweg.) Der erste Theil dieses Buches wurde bereits in Nr. 49 vom Jahrgang 1867 in diesen Blättern besprochen. Diese zwei Theile behandeln: Diesterweg in Berlin und Diesterweg außer Diensten. Wir erachten die Anschaffung dieses ausgezeichneten Buches als eine - Pflicht für jeden Schüler dieses Meisters — und dasind alle zeitgemäßen Lehrer, — als ein Zeichen der Pietät. DerVerfaffer hat es verstanden, im Geiste und im Sinne des Verstorbenen ein Lebensbild zu zeichnen, so treffend, so lebensvoll, daß wir unS gehoben fühlen, in dem Gedanken, an den Kämpfen und Leiden diese» Manncs mitfühlend Theil zu haben. Ueberall tritt unS sein Wort, treten uns seine Ideen entgegen. Möge sich die deutsche Lehrerwelt spiegeln in diesem Bilde und sich fragen, auf welche Weise sie würdig fortarbeitet in seinem Geiste. Von d e r S a m m l u n g gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, herausgegeben von Rudolph Virchow und Fr. v. Holzendorf Hl. Serie find neuerdings einige Hefte sehr interessanten Inhalts erschienen und bietet diese Sammlung fortwährend Ausgeichnetes. Wir erwähnen: I Heft 67. Die Sternwarte zu Greenwich von vr. j Meibauer. 68. Die Riesen des Pflanzenreichs von vr. Göppert. ', 69 u. 70. Die neuesten Entdeckungen in Afrik» von vr. Konen. „ 71. lieber den Ursprung und das Wesen des Feudalismus von vr. Kühns. 72. Ueber Hospitäler und Lazarethe von vr. Rudolph Virchow. i Auch für die nächste Serie — 1869 — sind bereits wieder ausgezeichnete Vorträge angezeigt. Das Heft kostet im Abonnement 5 Sgr.; die Serie (24 Hefte) 4 Thalcr. Vosen, vr., C. H. Kurze der hebräischen Sprache. Anleitung zum Erlernen Zehnte verbesserte Auf-