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Der israelitische Lehrer · 1869-03-10 · 10 (10.3.1869) · p. Seite 76

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
10 (10.3.1869)
Date
1869-03-10
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 bisher unbeantwortet gelassen habe! Aber seien Sie so freundlich, mich zu hören, und Sie werden vielleicht nachsichtig über mich urtheilen. Ich hatte nämlich vor Weihnachten entschieden die Absicht, wveder einmal nach Merzig zn kommen, und hatte mir porgenommen,. alsdann mit Ihnen über den von Ihnen angeregten.Gegenstand Rücksprache;u nehmen. Lsidcr bin ich durch meine hiesigen Geschäfte verhindert Worden, jene beabsichtigte Besuchsreise auözuführcn^ ich habe sie vertagt, aber nicht aufgegeben, dg es mein lebbafter Wunsch ist. wieder einmal mit meinen Wählern in persönliche Beziehung A» treten. Aber ich kann die Beantwortung Ihres freundlichen SchreiftnS nicht bis. auf jene vielleicht noch fern liegende Aeit verschieben; ich hätte mich ihr im Gegentheil schon längst unterzogen, wenn ich nicht gehofft hätte, Ihnen noch bessere Auskunft zu geben, als ich's jetzt lkidcr im Stande. bin. Ich kenne die traurige Lage der jüdischen Lehrer-und bin sehr bereit, derselben Abhülfe zu verschaffen; die Regierung ist jedock njeuig dazu geneigt. Sie hat in ihrem Gesetzentwurf über Einrichtung'und Unterhaltung der Volksschule bestiinmt, daß diese christliche sein müssen, entweder evanzeasche oder katholische; sie hat nur dazu die Hand geböten, daß 'bei ausreichender Kinderzahl öffentliche jüdische Elementar-Sch ulen errichtet' werden können. Damit ist Ihnen natürlich nicht geholfen; denn das ästdcrt in dem. jetzigen Anstande nichts. Ich habe lange gehofft, daß die Unterrichts-Kommission zu einer! Umarbeitung deS sogenannten Dotationsgesetzes und zu einer C Weiterung desselben;» einem vollständigen Unterrichtsgesel) kommen und dann auch die von Ihnen angeregte Frage lösen würde; jetzt habe ich diese Hoffnung, da der Schluß der Sitzung nabe bevorsteht, ausgeben müssen, und darum schreibe ich Ihnen nun endlich. um Sic meiner lebhaftesten Theilnahme für Sie und Ihre jüdischen Kollegen zu verffchern. Möge der -Tag nicht ferne sein, der Ihnen di, Erfüllung Ihrer Wünsche bringt! Mit diesen Worten schließe ich; ich füge nur noch die Bitte'hinzu, mich dort denjenigen Herren zu empfehlen, die sich ineiner fteundlicb erinnern, und werde ich mich freuen, we in ick Sie bei meiner dortigen Anwesenheit, die ich, wenn es nach meiner Abnckt und Hoffnung gebt, nicht allzu weil hinauSsetz«, ganz wohl und in Ihrem Berufe thätig finde: In größter Hochachtung ' Ihr ergebenster :c. j Teckow. , Berlin, 20. Februar 1869. Berlin,-25. Febr. ' Das Herrenhasts virhanoeltc heute über den von dem Abgeorhneteilhause beschlossenen Gesetzentwurf wegen der Ei i v e der Juden. Ter Referent, Graf Rittberg, befürrwriet, unter Hinweis auf die verschiedenen Stadien, welche die Angelegenheit bereits durchlaufen, die Unveränderte -, Annahme der Vorlage. Herr v. Senfft-Pilsach ist entschieden gegen die Vorlage, welche die Juden zn einem verstümmelten Christencid zwingen wolle. Die Vorlage verletze den ernsten Juden nicht minder, als die gesanimte christliche Welt. Der Präsident: Ich setze voraus, daß der Redner dies nicht in einem Gegensätze zu den leichtsinnigen Juden gesagt haben will, welchen Gegensatz ich in dieser Sache nicht würde dulden können, llebrigens wird der stenographische Bericht das Nähere ja ergeben, v. Bernuth: Lassen wir doch die alten, verrotteten Voruriheile schwinden und machen wir der Sachlage, wie sie jetzt leider noch immer ist, endlich ein Ende; thun wir das im Interesse der Toleranz, der Gerechtigkeit,, der ganzen menschlichen Gesellschaft. Der Regierungskommissär weist hin auf die von fast allen Svnagozen-Gemeinden des Staats eingelaufenen Petitionen um Abschaffung deS Jnveneides; in jüdisch-theologischer Beziehung stehe dem auch nichts entgegen, und die Behauptungen ccs Herrn v. Sensit seien in jeder Beziehung unbegründet. llebrigens komme beim Pcrfassungseid, beim Geschworneneid:c. der Iukeneid auch gar nicht mehr in Betracht. Alle größeren Kulturstaaten seien uns in der Abschaffung des Indeneides vorangeganzen, und mit Rücksicht auf alle diese Verhältnisse bitte er dringend, dem Gesetzentwurf zuzustimmen. Der Prä- Iident ertheilt Herrn v. Senffi-P lsach abermals das Wort. v. Senfft-Pilsach fnach einer Pause»: Nein, ich werde lieber noch etwas warten bis zum § l; ich habe einige thatsächliche Berichtigungen zu machen. Der Iustizminister empfiehlt dir Vorlage ebenfalls zur Annahme. Damit ist die Generaldiskussion geschlossen. Aum *. 1 bemerkt Hr. v. Senfft-Pilsach: Man hat mich nicht widerlegt. Die Herren haben sich wohl weniger mit jüdischen Sacken beschäftigt. ^Heiterkeit.) In Berlin sieht man es häufig genug, daß man am Schabbes nickt reitet, auch am Schabbes nicht auf die Börse gebt *). lind nun will man jetzt die armen Juden zwingen, einen nichtjüdischen Eid zu schwören. Den jüdischen Frauen auib Jungfrauen will man einen andern Eid aufzwingcn — das ist nicht chevaleresgue. Wenn wir Christen schwören, so erheben wir die drei Sckwurfinger als ein Ieichen unseres Glaubens an die Trinität, die den Juden bekanntlich sehr zuwider ist; vermischen wir dieses rLerhältniß nickt. Der Iustizminister: Davon, daß der Jude die Sckwurfinger erheben solle, steht nichts *» Schade, daß Purim vorüber. Wir häueu die stenographisch aufgenom neue Rede des hohen Herrn zur Erheiterung unser geschälten L.ser ausführlich mitgetheilt. Der Herr ist übrigens als nicht gerade genialer Possenreißer bekannt. Hört sein .Geschäft" einnial auf, läßt sich vielleicht auch mit Posien- ' reißen Etwas verdienen. Da geht-, doch noch untern „Krämern", Juden und Postsckrctären, über welche ein Herr aus derselben Gesellschaft sich unlängst ein wenig ereile; te, noch anständiger zu. Red.

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