Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 9 (3.3.1869)
- Date
- 1869-03-03
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Der Einstuß,, den unsere Gesellschaft auf das (beschick unsrer Religion ausüben wird, ist einer ihrer inächtigsten Reize für ans, für alle Israeliten, und demgcmäß-wäre jedes Jahr, ■ bei der Geschichte ihres Fortgangs, die ein Theil der jüdischen Geschichte ist. unser Geist geneigt, diese Geschichte in ihrer- Gelamimbeit auszufassen und sie besonders in denjenigen Ländern näher zu betrachten, wo die Israeliten frei sind. Da böte sich uns der Anblick einer fruchtbaren Tbätig' keit dar; da würden wir die Israeliten durchdrungen sehen von dem Geiste der Völker, mit denen sie durch die Wvhlthat der Gesetze ein gemeinschaftliches Leben führen; wir würden seben, wie sie ihren eignen Geist aus die Entwicklung der Künste, der Wmensckane», der Gewerbe, auf all das legen, waS das Glück und Gedeihen der . Menschen fördert: da würden wir auch seben, wie sie ihre religiöse Sonderheit wahren, wie sie inmitten des Judenthums schätzbare Forschungen über dessen Lehrgebäude, Geschickte, Literatur anstellen, und >vie sie durch die fortwährende Einwirkung unsrer- Religion auf die Ideen der Zeit, die Eroberung der Welt durch die Wahrheit anstreben- Dieser Anblick, belehrend sür die Völker, welche die Israeliten nock immer von sich stoßen, würde ■ auH den Bortbeil haben, unser Vertrauen auf den Erfolg unsrer Anstrengungen zu Gunsten unsrer nock unterdrückten Glaubensgenossen zu stärken. Allein wir müssen ibn uns versagen und nur von den JSraelilen sprechen, dessen unsere Gesellschaft zu Hülfe kommt- Die Israeliten in den freien Ländern brauchen uns nicht; ihr eigner Antrieb,- ihre persönliche Kraft reichen zum Fortschritt völlig aus unp in ihrer Mitte beschränkt sich die Thärigkeit - unsrer Gesellschaft darauf, die dev Judenchum nützlichen literarischen Erzeugnisse zu fördern- Unsere Gesellschaft ist für die Israeliten bestimmt, welche durch Unduldsamkeit, Druck, Unwissenheit, Armuth leiden: für alle die, deren Leben, Freiheit, Recht bedroht sind; für alle die, welche weder Schulen habe« um zu lernen, nock Mittel zur Arbeit, um einen, tief eingewurzelten Elend;n entgehen; für alle die, denen eine aus langjährigen Leiden entspringende Murblosigkeit die Kraft zur eignen Erhebung raubt. Von diesen wollen wir mit Ihnen reden und wenn ihre Lage reichlichen Stoff zur Trauer bietet, so ist es dennoch ein Trost, auf all' das hinzublicken, was wir zur Verbesserung ibres Geschickes zu thun im Stande sind. Nock sind, sie in sehr vielen (^egenden gedrückt; aber um diesen Druck zu überwinden, bedarf es nur einer mutbigen Geduld. Wohl reizt der Widerstand zuweilen-die Unterdrücker und vermehrt ibre Gewaltthaten; aber eS genügt, beharrlich zu sein, um sie zu entmuthigen. Jedes Jabr werden unsere Vorstellungen bei den civilisirten Regierungen zu Gunsten unsrer Glaubensgenossen mit vermehrter Gunst ausgenommen, und | die Zahl derer, die, Dank einem stetS wachsamen Sckutze, dem Tode oder Untergang entgehen, derer, die in rohen ungebildeten Ländern ruhig leben, befindet sich in stetem Zunehmen. 'Noch glücklicherin unsern Anstrengungen stir die geistige und sittliche Wiedergeburt unsrer-Glaubensgenossen, die niemals so unwissend, so elend sind, um nicht auS der Unwissenheit, auS dem Llend berauskommcn zu wollen, sehen wir die Anstalter gedeihen, die wir errichten, um Unterricht zu ertheilen, die Arbeit zn Ebren zu bringen, die Woblthaten der Bildung zu verbreiten. Hinsichtlich dieser Bestrebungen dürfet, wir wohl sagen, daß der Erfolg genau der- Größe unsr, Anstrengungen entsprechend ist. H. - öevor wir jedoch mit Ihnen von diesen Anstalten sprechen, wollen wir die Ereignisse vor uns vorüberzieben lassest, an welchen wir durch Bertbeidigung unsrer Glaubensgenossen in Europa, Afrika, Asien berheiligt waren. In Europa hat die Religionsfreiheit dieses Jahr eine größt Eroberung gemacht, Spanien. Seine siegreiche Revolution bat dieses den Protestanten und Juden so lange verschlossene Gebiet geöffnet. Das Recht der freien 'Niederlassung ist unfern Glaubensgenossen numnehr gesickert in einei^ Lande, wo ihr Schicksal ein so sehr veränderliches war^ wo sie aus eine unbeschränkte Freiheit schonungslose Aechnmg und Verbannung folgen sahen. Durch die Juden und Mauren besaß Spanien eine blühtnde Eivilisation, als Europa noch in der Barbarei des Mittelalters versunken war. Die Juden in's Besondere lieferten dem Lände Gelehrte, Philosophen, Dichter, Staatsmänner; ihre Hochschulen waren Brennpunkte, von wo ein glänzendes Licht über dies schöne Land hinstrahlte; frei und unbeschränkt war dort der Gedanke, der im ganzen übrigen Europa geknechtet war. Zn welcher Größe hätten die Judfn Spanien erhoben, wenn das Land die Inden behalwn hätte! Da aber erhob sich plötzlich die religiöse Unduldsamkeit wider sie: das Judenthum wurde vom spanischen Boden verbannt, und die Bildung versank in den Abgrund an einem Tage, der einer der düstersten in unsrer Geschichte ist. Die Juden, gezwungen zwischen Verbannung oder Taufe zu wählen, »änderten in's. Exil ohne zu wissen, wo sie eine Zuflucht finden sollten, irrten im ungastlichen Europa herum, trafen in Afrika auf die wilden Thiere und auf Menschen, noch wilder als die Tbiere, und ließen ihre Leicken aus allen Straßen der Welt- <Fortsetzung folgt.) , Aeuitteton. (Etymologisches.) Die etymologische Erklärung des Worts „Schlemiel" ist schon vielfach versucht worden. Neu ist der Versuch eines Correspondeuten des „Hamaggid" (Nr. 3), der darauf hinweist, daß in der Kabbalah der Engel und Patron de»