Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 9 (3.3.1869)
- Date
- 1869-03-03
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vorgelegt, welcher über eine der wichtigsten Gemeindeanstalten Bestimmungen trifft. Den Vertretern einer Stadtgemeinde, die ca. " 5000 schulpflichtige Kinder zählt, mag e< daher wohl gestattet sein, ihre Bedenken gegen den Gesetzentwurf einem Hohen Hause zur geneigten Erwägung vorzutragen."' Es folgt dann eine Kritik des Gesetzentwurfs, in welcher gezeigt wird, „daß der Entwurf auf einem Boden gewachsen ist, in dem das Gemeindeleben nicht wurzelt. Wie daher derselbe auf der einen Seite der Idee kommunaler Selbstthätigkett feindlich ist, so ist er auf der andern Seite auch geeignet, das Wohl der Volksschule zu gefährden, da er den Gemeinden die Freudigkeit und Opferwilligkeit. benimmt, für die Anstalten, denen ihre erste Fürsorge gewidmet sein sollte, aus freien Stücken etwas zu leisten und zu wirken. Da» hohe Haus der Abgeordneten hat es in der Hand, den richtigen. Weg,.welchen die Staatsregierung bezüglich der Ünierhaltungspflicht dcp' Volksschulen eingeschlagen , weiter zu verfolgen, dadurch, daß es die Gemeinden au.ch in. ihre Rechte über, die Volksschulen einsetzt. Wir bitten daher, den Gesetzenttvurf dahin zu amendiren, daß die öffentliche Volksschule für eine Gemeinde-Anstalt erklärt, und ihre Organisation, Leitung und Verwaltung der bürgerlicben Gemeinde. überwiesen werde." Wenn das Abgeordnetenhaus selbst auch noch im Zweifel sein könnte über die den Entwürfen gebührende Aufnahme, diese und hundert andere vom äußersten Osten bis zum fernsten Westen des Landes in demselben Geiste 'wiederhallenden Variationen müßten es unzweideutig über deren Werth belehren und die darauf bezügliche Discussion im Hause wird darum sicher noch weit drastischer als bei den Budgetdebatten die Mängel deS obwaltenden Systems aufdecken. Frankfurt a.' Q., 27-. Jan. Dr. M. Ster n. Wochenbericht. Odernheim, 18. Februar. Der „Mainzer Israelit" brachte vor einiger Zeit die Sensationsnachricht, daß in Laupheim in Württemberg am neuen israelitischen Schulhause die Büste Mendelsohns > als monumentale Zierde angebracht worden, daß aber > der dortige Rabbiner dagegen proteflirt, die Oberi kirchenbebörde jedoch . den Protest abgewiesen habe. , Der „Mainzer Israelit" machte den Apolegeren für den Rabbinen und beschuldig'te.die israelitische Obierkirckenbebörte. als hätte ne die jüdischen Religionsgesetze satsck interprerirt. — Wir nahmen von dieser Macbricht keine Notiz, destn es erschien das als eine; Zeitungsente, daß^in Rabbine der Jetztzeit gegen ' die Anbringung einer Mendelsohn-Büste an einem israelitischen Schulhause protestire und daß erst durch Anrufung der israelitischen Oberkirchenbehörde solches ermöglicht wurde. — Wir glaubten es schon deßhalb nicht, weil der Stifter des Kunstwerkes, unser Freund und ■ Mitarbeiter Herr Oberlehrer Alexander E l s ä st e r, uns ohne Nachricht ließ, die wir von ihm sichdr erwartet hätten. Da kam un» der„Schw. Merkurs Nr. 10 vom 13. Januar d. Z. zu, der die gleiche Nachricht brachte. Wir nahmen wieder Anstand, dzn Artikel nachzudrucken und suchten den betreffendest Erlaß der König!. iSr. Oberkirchenbehörde zu bekommen, den wir nun von befreundeter Hand erhalten i haben und ihn unseren geschätzten Lesern unterbreiten. Unserem Mitarbeiter Herrn E l s ä ß e r müssen wir aber im Namen aller College» einen gelinden Verweis iertheilen, daß er diese Thatsache uns vorenthalten! hat. Besonders verdient der Künstler Herr Albert gülden st ein rühmende Anerkennung, der dem Antenken MendelsohnS seine kunstteiche Hand geliehen und mit dem edlen Denker und Weltweisen die Volksschule verherrlicht hat, und er würde durch eine Vervielfältigung gewiß viele Schulen und Lehrer verpflichten, die sich eine solche Zierde für die Schule sicher geyne beschaffen möchten. Die israelit. Volksschule kann sich kein schöneres Ideal als Moses Mendelsohn vor Augen stellen. Die Mittheilung des „Sckw. Merkur" lautet: Laupherm, den 11. Januar. Am 4. d. Mts, am Todestage! des Moses Mendelsohn, ist ein plastisches Kunstwerk: eine bedeutende künstlerische Schöpfung, in der Stille und in bescheidenster Weise hier ausgestellt worden. Da« neue israelitische Schulhaus, von terrn Amtsbaumeister Werkmann entworfen und im enaissanoestyle auSgeführt, hat im Giebelfeld deS Avanlkorps eine Oeffnung in Medaillonform. Zn dieselbe wurde die Büste Mendelsohns in Hautrelief eingefügt. Der Verfasser des Phädon, der deutsche SokrateS, ist portraitähnlich ausgeführt und seine Physiognomie läßt den tiefen Denker, den edlen Freund, den Regenerator seines Glaubens erkennen. Das Kunstwerk ist von Herrn Bildhauer Albert Güldenstein in Stuttgart mit liebevoller Meisterhand gefertigt, und derselbe hat eS mit freundschaftlicher Munifizenz dem Nutznießer des Hauses, Herrn Oberlehrer Elsäßer, zum Hausgeschenk gemacht, und dieser hat eS der Gemeinde stiftungsweise als Eigenthum überlassen. Dieses Kunstwerk hat seine Geschickte schon vor der Einsegnung. Das > Rabbinat nämlich hat bei der königl. israelit. Oberkirchenbehörde gegen die Anbringung einer portraitlicken Sculptur als antijüdisch und religiös verboten protestirt, allein diese hat in einem, durck den Talmud begründeten Aus- >