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Der israelitische Lehrer · 1869-02-24 · 8 (24.2.1869) · p. Seite 60

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
8 (24.2.1869)
Date
1869-02-24
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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lasen. Die Herren Lehrer einer solchen Anstalt wer-, den, wenn sie den daselbst gestellten Forderungen genügen wollen, wohl auch — eine Stunde vor Tag aussteben müssen. Tie Wahl deS Dirigenten hatte unmittelbar die Kündigung der bisherigen Lehrer zur Folge. Einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Akten ist uns indessen aufzusinden unmöglich: denn schwerlich wird! man die Ursache des nickt zu läugnendcn Verfalls der Anstalt in den Lehrern sucken wollen und das Curatorium, das döck durckauS nicht aus Fachmännern zusammengesetzt ist, hätte eS, unserer unmaßgeblichen Meinung nach, immerhin mit den früheren Lehrern versuchen sollen: Mid würde sich dann herausgesiellt haben , daß bei den gesteigerten Ansprüchen an die Leistungen der Anstalt diese Lehrer nicht mehr genügen, oder auck, daß ihr Standpunkt in pädagogischer, methodischer oder anderer Hinstcht mit dem des Dirigenten derart collidirc, daß ein einheitliches segensreiches Wirken nicht zw erwarten wäre —. so war es immer noch Zeit, die Lehrer zu entlassen. Daß aber vielleicht Herr St. die Annahme seiner Berufung von dieser : Entlastung der Lehrer als einer „oonäitin sine czua non“ sollte abhängig geinackt haben, ist wohl nicht anzunehmrn. Bei»« Lebrer haben, dem Bernebinen nach, sich,! einem Anbeimgkben des Euratoriums in dem betr. Kündigungsschreiben zufolge, von neuem um ihre Stellen beworben. — (Hoffentlich werden die Leser dieses Blattes und alle würdigen Lebrer Deutschlands j so viel Takt und so viel Selbst-, Standes-und Ehrgefühl, so viel Collegialität besitzen und sich zu keinerjder ausgesckriebeiten Stellen melden: abgesehehen davon, daß — allen Voraussetzungen zufolge —. die Seminar- . lebrer in Münster auch ferner nickt auf Rosen ge- , beitet sein werden. Red.) .; Brvdy, 26. Fanuar. Das Auftreten der Ehas-! sidini mlersssirt augenblicklich durch ihr Auftreten im Pesther Eongveß auch außerhalb der jüdischen Kreise. Der Ungar. Llcnd charaklerisirt ihren geistigen Standpunkt und ihre religiöse Richtung durch Erzählung eines Vorgangs, wie deren in jüdischen Kreisen durch das Benehmen der. wundertbätigen Rabbis und das Verhalten des jüdischen Volks zu ihnen längst bekannt . sind. Diese Rabbis stehen im Gerüche der Heiligkeit: man traut ihnen einen direkten Verkehr mit den guten Geistern des Himmels und eine unbeschränkte Macht über die bösen Geister der Hölle zu. Sie umhüllen sich mit dem-Rimbus des Geheimnisses und gerathen beim öffentlichen . Gebete in nervöse Verzuckungen. Sie. heilenKranke, beschwöre« eingebrochenes Familienunglück, bewirkenunerwartete eheliche Verbindungen, verschaffen Liufgegebenen Kindersegen u. s. w. - Ratür- ' lieh nicht blos für gute Worte, sondern auch für vieles Geld. So sind diese Rabbis durchgängig reiche Leute, — und zwar in dieser Art nicht zum Erstaunen der Welt. Dergleichen wird nun auch von einem Rabbi Srulsche in Sadagara bei Czernowitz erzählt. Der Mann starb und seine beiden Söhne setzten da» wuuderthätige und einträgliche Geschäft des Vater» zur Zufriedenheit der Gemeinde fort. Plötzlich glaubte sich indeß der eine Sohn reich genug; er entsagte dem Geschäfte und chassidäischer Entbehrung und warf sich dem Genussesleben der modernen Welt in die Arme; er wurde sogar flüchtig und wollte sich taufen lassen. Seine Anhänger sind bestürzt und. holen ihn zurück. Er erklärt ein Mensch zu sein wie jeder andere und nickt mehr zu vermögen als diese. Umsonst! man weint, fastet, betet, um den Heiligen wieder zu-gewinnen , der sich endlich mit.Hülfe der Staatsgewalt die Freiheit des Handelns erzwingt. Paris, 6. Febr. Wir haben Ihnen bereits von den unglücklichen Vorfällen in Tunis berichtet. „La presse librc“ von heut; enthält folgenden Brief, welchen die Glieder - des Localcomite'S der Alliance isr universelle an die Repräsentanten der Mächte -richteten, welche bei der tunesischen Regierung accreditirt sind: A» die Herren Eonsliln der bei der tunesischen Regierung accrcdilirten Machte! Hockgeebrte Herren! Vorgestern wurde in Mitte der Stadt, in einem der belebtesten Quartiere, ein abscheuliches Verbrechen verübt. Beim Eintritt der stacht gingen vier tunesische Israeliten, welche in einem Eaf6 in Souk Trouck beschäftigt sind, vor der großen Moschee (Gemaa Zeitoun) vorüber, »in sich zu ibren gewohnten Beschäftigungen zu begeben, als sie von einein wntlzenden Haufen überfallen, geschlagen, mißhandelt und »or den Douletli* gezogen wurden, unter der Anschuldigung, daß sie in die Moschee hätten eindringen wollen. Während sie sich vor dein Doulerli vertheidigen wollten, wurde Einer von ihnen, RamcnS Iosiiah sietouffi, ohiimäcktig. Man bemerkte alsbald, daß das Blut von ihm strömte; man öffnete seine Kleider und erkannte eine große Wunde in der Sckamleiste, von wo die Eingeweide' herausgingcn. Der Unglückliche war von einem schneidenden Instrumente getroffen worden, ohne daß er es bemerkte Die Wunde war tödtlich; der Unglückliche starb andren Tags. Sein Väter, ein Greis, besten einzige Stühe sein einziger Solin war, wollte sich dem Bey vorstellen, und flehte um Gerechtigkeit. Man verhinderte ihn, vor dem Fürsten zu dringen; aber der' Bachbainba**) erklärt il»n, ausBesehl seiner Hoheit, daß der Mörder unbekannt sei; und fermcr-hin: warnin sein Sohn in die Moschee habe eindringen wollen! daß er bei dem Douletli reclamiren solle u. s. f. Aus einer ofsiciksen Untersuchung — denn die Behörde hat keine solche veranlaßt — ergibt sich, daß der unglückgeistliches Oberhaupt **) Palastaufseher.

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