Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 8 (24.2.1869)
- Date
- 1869-02-24
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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59 lichen Abscheu vor christlichen Schulen voraussetzen, der wird folgerichtig Klostrrschulen und Jesuiten-Unterricht als eine bcrecbtigte Eiaenthümlichkeit geltend lasten. Wenn Lesen, Schreiben und Rechnen und die übrigen Lehrfächer nur Hilfödisciplinen im Dienste der Hierarchie sind und von der Kirche ihr besonderes Gepräge erhalten, so darf keinem frommen Anhänger eines Bekenntnisses zngemuthet werden, seine Kinder in andersgläubige Lehranstalten zu senden. Dann darf man aber auch nur die Kirchengcmeinde^ nickt die bürgerliche Gesammtgemeinde zur Uebernahme der EinricktungS- und Unterhaltungölast verpflichten. Wir halten die bisherige Verbindung zwischen Kirche und Schule für einen Irrtbum, der gew.ohnheitSmästig sicb herül'ergesckleppt auS alten Zeiten, ans überwundenen Zuständen. Die Schule ist kein Anhängsel kirchlicher Einrichtungen, sie ist eine selbstständige Anstalt, nolhweridig,' um tüchtige Bürger zu bilden, notbwendig um die wichtigsten Staatszwecke tu erreichen, nothwendig auch, um den menschlichen Geist für die Ausnahme und daS Verstäudnist der hohen Lehren der Religion geschickt zu machen. Unterricht und Wissenschaft lassen sich nicht in die engen Schranken ernes religiösen Bekenntnisses bannen, eines BekenntnssseS, das, so lange es sticht in die starre Buckstabensprm dogmatischer Unwandelbarkcit gekleidet wird, ohnehin Gefahr läuft, je nach der Persönlichkeit deS Lehrenden mannigfach schattig zu werde». VorurlhcilSsrcie Belehrung und wissenschaftliche Bildung stärken den religiösen Sinn, mahnen! zur Gotteeverebrung. führen zu äckter Menschenliebe find zu christlicher Duldsamkeit. Wissenschast und Sckule werden desthalb allezeit die wirksamsten Beförderer der Religiosität sein, wenn man sie in nngefrsselter Thäligkcit walten läfck, nickt aber, wenn sie als hörige Diener unter der Fahne der Confessio» kämpfen j ollen. Völlige Trennt ng der Schule von der Kirche also wünschen wir. Auch besorgen wir nicht, indem wir dies offen afissprechcn, mistverstanden zu -werden, als beabsichtigten wir damit Zeinen Angriff auf Religion und Kirchp. Wir sind weit entfernt, den Unterricht in der Religion gänzlich aus der Schule verbannen, feine Nothweildigkeit bestreiten zu wollen. Kirche und Schule sind gleichberechtigte Facroren. So wenig wir den Diener, der Kirche die Mathematik oder Erdkunde überantw >rten wollen, ebensowenig den Religionsunterricht eineni dazu nickt befähigten Facklehrer. Dieser Unterricht wird in den Lehrplan jeder Schule hineinzufügen sein, so dah'dabei alle Rückfickt auf die Unterschiede^des Bekenntnisses genommen wird. Die Aufsicht über Lckulrn jeder Ordnung, wird ferner zwar nicht mehr den Geistlichen, sondern Schulmännern anzuvertrauen sein, auch die Ausbildung der Lthrer nicht in kirchlich geleitetem Instituten, sondern in unabhängigen Schulanstalten erfolgen müssen. Aber das hindert nickt, dem Geistlichen, welcher den Schulunterricht «n der Religion ertheilt, gleich anderen Lehrern eine der Würde deS Gegenstandes wie dem Gewichte der Person entsprechende beirathrnde Stimme zu gewähren.. Eine solche Trennung wird der Sckule wie der Kirche, den Lehrern wie den Schülern und der Gemeinde gleichmäst'g zum Segen gereichen, und wir sind überzeugt, dastl die Gemeinden alsdann für ihre UnterrichtSanftalten bereitwilligem als jemals Opfer bringen werden." (Schlust folgt.) W o ch e n b e r i ch t. AuS Westphalen. Die Wahl eines Dirigenten der Lehrerbildungs-Ansthlt (MarkS-Haindors'sche Stiftung^ ist nun endlich erfolgt. Hr. T. Krön er, aus dem Breslauer Seminar hkrvorgegangen, hat über eine Reihe höchst würdiger Eändidalen den Sieg davon getragen. Wir. hcsien vo» ganzem Herzen, daß das Euratorium den rechten Mann getrosten haben möge!—Irren wir nicht, weyn wir in dem Gewählten den Herrn T. K. wiedersinden, welcher einen Lehrplan -für jüdische Seminaricn in diesen Blätterst veröffentlichte, so erübrigt uns nur der Wunsch, Vast eö ihist gelingen möge, das sehr doch gesteckte Aiel wirklichst« erreichen — wenngleich wir selbst l^ie Erreichung desselben weder für nothwendig. noch! für möglich halten. Uns fällt dabei nur folgende i Änekdote bei, die nian entschuldigen möge. Man dient oft den ernstesten Angelegenheiten durch solche Beleuchtungen! Ein polnischer Lanidan. kam auf seinen .Geschäftsreisen, einst zu einem reichen Juden, welcher, wie Jener gehört batte, einen Hauslehrer für seine Kinder suchte, um fick für dieses Amt anzubieten. Der Mann schien nicht abgeneigt, den Fremdling als Lehrer in fein HauS zu nehmen und befragte ihn näher über die zu unterrichtenden Gegenstände. .Diec>Aussicht aber, ein gutes Engagement zu finden, steigerte! den Pflichteifer deS Polen so austerordentlich, dast er bei der geläusige» Aufzählung der einzelnen Discipliucn und der darauf täglich zu verwendenden Zeit nickt merkte, dast er — wie t er künftige Prinzipal ihm mit1 der Kreide auf dem Tische lächelnd nackgerecknet hatte —25 Stunden täglich zu unterrichten übernehmen wollte. Als er. hierauf aufmerksam geniackr und befragt wurde, wie tr es ansangen wolle, 25 Sninden täglich zu unterrichten, da der Tag dock nur 24 Stunden habe — stutzte er eine Weile, wnstle sich aber bald zit helfest und meinte: „Rstn, dann stehe ick eine Stunde vor Tag auf!" | -Diese Anekdote )jel uns uruMkürlick ein, als wir den Artikel „Uebev Leitung einSö jüdischen Lehrerseminars", von Herrn T. K in Ihrem gefch. Blatte