Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 8 (24.2.1869)
- Date
- 1869-02-24
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 sicnalismus' und strenge BüreaukratismuS, der jene Entwürfe durchweht uns sie wie ein Product der guten, alten, absoluten Zeit erscheinen lägt, widerstrebt dem ganzen Volksgeist unserer Tage allzusehr, um nicht über kurz oder lang im 'Kampfe mit ihm die Waffen strecken zu müssen. Documente nun, in welchen jener sich mir ausgeschlagenem Visir manifestirt, sind den Mauerbrechern "der Alten zu vergleichen, vor denen die alten morsch gewordenen Principicn in sich Zusammenfällen müssen und ich darf daher wohl glauben, den Lesern dieser Blätter, deren linnerster Lebensnerv jaf Schule - und Erziehung auöstiacken, ein^ wahre Herzensfreude zu bereiten, indem ich mehrere derartige, von Behörden ausgegangene Schriftstücke, die mir zu Gesichte gekommen, hier mitthelle. Es sind Petitionen gegen die gemachten „Entwürfe" oder Motivirungen jener. Hören wip zuvörderst einen Bericht aus Königsberg, 5. Januar: Der Magistrat und die Stadtoeroddneten-Vcrsammlungx haben eint Petition an das Abgeordnetenhaus gerichtet, in welcher dasselbe ausgefortert wird, .die Nothwendigkeit einer durchgreifenden Trennung der Schule von d!er Kirche anzuerkennen und demgemäss die vorgelegfen Gesetz Entwürfe über das Volksschulwesen zu verwerfen." In den Motiven dafür heißt es:, „fragen wir nach den Gründen solcher, slrcyg confessiouellen Scheidung.(wie sie die Gesetzesvorlazc durchführen will), so viel wir auch forschen, wir können deren keine haltbaren entdecken. Denn davon dürfen wir doch nicht ausgehen, das; die Schule mit Bewußtsein dem orthosoren Glaubenscifer überantwortet werden solle, der danach trachtet, von Anfang an .sich der einfältigen Kiudergemüiher zu bemächtigen und deren Widerstandslosigkeit zu benutzen, -um sie mit Vorstellungen anzufüllen, welche dem erwachten Nachdenken und dem reifenden Urtheile sich nicht Preis geben dürfen. Sehen wir also davon ab, was haben dann Lesen, Schreiben und Rechnen mit confessioneklen -Unterschieden zu thun? Bedient etwa der evangelische Christ sich einer anderen Lautirmetbodx als der katholische? Hat etwa der katholis.be Lebrer andere Schriftlichen vorzuschreiben als sein andersgläubiger. College? Oder ist er etwa vom dekadischen Zadlensvstem abzuleiten, um schon durch das Einmaleins die Verschiedenheit des Bekenntnisses kundzutbun? Und in den höheren Schulen: die deutsche Sprache, die Geschichte, die Erdbeschoeibung, die Naturkunde, das. Zeichnen, die Geometrie, alle diese im 3 aufgezählten' Lehrfächer, sind sie verschieden geartet je nach der Mannigfaltigkeit christlicher GlaubenSbclenn:ni,'se? oder bei den Juden anders als bei den Christen?. Als ob wir uns nur diejenigen Forschungen und Entdeckungen in der Wissenschaft zu Nutze machten, die uns von einem Glaubensgenossen kommen? Und die Befähigung, iie Kenntniß der Lebrer, mißt sie sich verschieden ab je nach dem Stande seines Bekenntnisses? 'Nun, eS' wäre uns originell, dem jüdischen Mathematiker ersten Ranges einen christlichen Pfuscher, dein eminenten katholischen Naturforscher einen evangelischen Ignoranten vorznziehen, lediglich zur Ehre confessioneller Beharrlichkeit! Wollte wirklich in Lehre und Wissenschaft sich ein kirchlicher Unterschied geltend machen, wollte der Einfluß des Bekenntnisses in der That die Wahrheiten der Geschichte und der Wissenschaft nach Belieben zu färben unternehmen, nun, so müßte eS alsbald ein Gegenstand der ernstesten Erwägung wer-, den, wie einem solchen Zustande verderblicher Verwirrung am schnellsten ein Ende zu machen, denn diese Wahrheiten^vollen wir ungetrübt und unverfälscht gelehrt wissen. Von zwei Dingen eines. Entweder daS Glaubensbekenntnis; entbehrt des Einflusses auf die Gestaltung weltlicher Lehrfächer: nun, wozu denn dieses Rüstzeug ohne Nutzen und begleitet von dem offenbcn-en Nachtbeil, daß schon der unmüudige Nachwuchs auf religiöse Unterscheidung hingcwiesen wird, welche jeder Einsichtsvolle nirgends anders als im Gotteshause und bei religiöser Feier gellend macht? Oder daS Glanbensbekenntniß prägt dein Unterrichte seinen einseitigen Stempel auf, zwingt schon iin frühen KindeSalter die gefügig bildsame Seele, eine unverrückbare Scheidewand gegen andersgläubige Scküler und Schulen aufznrichten; dann wird die Confessionsschule zur Pflanzstätte blinden ElaubenSeifcrs und einsichtsloser Unduldsamkeit, dann erzieht sie nicht gebildete Staatsbürger sondern streitsüchtige Frömmler und Sektirer. Wir meinen, eS sei endlich Zeit anzuerkennen, daß die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichte n u n z b b ä n g i g ist vom religiösen Bekennt n i s s e. Wir halten also die Trennung der UntcrrichlSanitalten, welcher Ordnung sie auch sein mögen, nach dem religiösen Bekenntnisse, für verwerflich. Wir hegen diese Ucberzcugung, weil wir eine solche Trennung als die nothwcndigc Conscquen; der Verbindung zwischen Kirche u id Schule, der Vermischung des geistig-bildenden Unterrichts mit der Belehrung über kirchliche Satzungen erkennen. Wer behaupten will, daß die Schule eine christliche Institution ist, eine Vorbereitungsanstalt für dogmatische Einübungen, eine Hilssanstalt für die Einwirkung der Geistlichkeit auf die Jugend, der muß auch zu dem Schlüsse kommen, daß die Schule vom Anfang bis zu dem Ende sich dem religiösen Bekenntnisse unterzuordnen habe, der muß dem Katholiken seine katholische Schule gönnen, dein wird eS ein Gräuel sein, daß Lutheraner, Reformirte, Caloinisten und andere Dissidenten nuterschiedlos in daS allgemeine evangelische Schulhaus zusammengezwänzt werden, der muß bei Juden einen unbesiez-