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Der israelitische Lehrer · 1869-02-17 · 7 (17.2.1869) · p. Seite 52

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
7 (17.2.1869)
Date
1869-02-17
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 dir Götter haben ihre Nachahmer auf Erden gefunden in den Königen und Priestern, wie in Allen, welche bis auf die neueste Zeit, durch ihre bevorrechtete Stellung als-die Höheren und Oberen sich über das Gesetz erbeben und,außerhalb desielben gestellt glauben. Vergewaltigung und Fröhnung unsittlicher Leidenschaften scheint ihr- An; und Vorrecht zu sein. Wie ganz anders ist dagegen der Gott und die Lehre deS y Judenthums dargestellt. Da ist oberster Grundsatz: * „heilig sollt ihr werden, denn heilig ist der Ewige, euer Gott.* Sehr geistreich ist die Bemerkung, daß es in Betteff der Nachahmung dieses göttlichen Vorbilds für die noch im Kindesalter besindlichen und der Führung durch göttliche Hand bedürftige Menschheit heißt:. „Noa wandelte mit Gott." Abram war schon selbstständiger; er bedurfte wohl noch des göttlichen Auges zur Ueberwachung, aber nicht mehr der götÜichen Hand zur Führung; von ihm heißt es: „er wandelte vor Gott." Bei Moses heißt es: „folget Gytt nach.". Die Menschheit ist auch der Ueberwachung entwachsen und berufen, dem göttlichen Verbilde auf dem vorgezeichneten Pfade zu folgen. In Gott vereinigt sich das innerlich Wahre und Gute mit dem äußerlich Schönen. Diese Verbindung prägt sich überall in Gottes Werken und Schöpfungen aus. LVeil nun das Alterthum Gott nur aus der Natur erkannte, so war ihnen auch die Erfüllung des Lebens mit dem „Schönen und Guten" der höchste Zweck des Lebens. Zu dieser Erkenntniß gelangte indeß nur daS philosophische,' nicht priesterlichmythologische Alterthum. Hierin berührt das Älterthmn ganz nah daS Judenthnm. ES "ist falsch, wenn man glaubt, daß das: Judenthum das „Schöne" nicht gepflegt. Die bildende Kunst zur Darstellung des sichtlich Schönen ist fteilich in Israel weniger gepflegt worden, obwohl sie nicht ganz ausgeschloffen war. Sie führten, wie Heidenthum und Christenthum beweisen, nur zu leicht zur. Vermenschlichung Gottes und zur Darstellung desselben in sichtbaren Gestalten. Die mehr den inneren Sinnen zugewandte Kunst: Rhetorik, Poesie und Musik fand iNdeß selbst aüf dem religiösen Boden deS Judenthums Pflege, denn sie dienten zur Verherrlichung Gottes. Die Kunst des sichtlich Schönen: Sculptur und Malerei fand dagegen vorzüglich bei dem mythologischen Volke des AlterthumS, den Griechen, Pflege. Hierin sind sie der Welt ein Culturvolk geworden. , Diese Ideen behandelt unser lehrreiches Büch, wenn auch etwas modisicirt, in den folgenden Abschnitten. Wir erwähnen auS dem in Rede stehenden Abschnitte noch die geistreiche Bemerkung über Genesis 8, 2 zur Erhärtung der durchweg und vorzüglich sittliches Tendenz des Judenthums. Da tadelt die Schrift die in den unsittlichen Göttern deS Heidenthum» ihre Vorbilder suchende vornehme Welt und nennt sie „Göttersöhne," welche der untergeordneten Menschheit Gewalt anthun und sie zu unsittlichen und leidenschaftlichen Zwecken mißbrauchen. Die Schrift findet in diesem sündhaften Umgänge den Ursprung der sogenannten adeligen Geschlechter, aber bezeichnet diese nicht als die „höher Stehenden." sondern als die „Gefallenen." D’^sj ist der Bibelausdruck, gewöhnlich ohne Grund „Riesen" übersetzt. Die Schrift bezeichnet diese auch, nicht ohne Ironie und mit Hindeutung auf den heidnischmythologischen Ursprung als „Männer des Namens," „berühmte Männer" (DBC) Die „Wahrheit" Gottes führt den Verf. zur Behandlung der „Treue" Gottes. Beide Begriffe sind nahe verwandt, und doch wiederum sehr verschieden. Die Wahrheit berührt das Wesen, die Treue das Handeln Gottes. In -der Wahrheit ist der religiöse „Glaube" begründet, insofern er die Erkenntniß angeht, in der Treue, insofern er auf Verttauen beruht. Einen Glauben, 'Macher die Erkennmiß ausschließt und auf blinder Annahme beruht, kennt darum das Judenthum nicht. Der Prophet (Hof. 2, 22.) stellt darum Glauben und Erkennen gleich. Nur insoweit läßt sich in der Religion noch von Glauben im Gegensatz zum Erkennen sprechen, als ihre Wahrheiten, von vornherein auf Offenbarung und Ueberlieferung ruhend, auch ohne Erkenntniß und Ueberzeugung angenommen und befolgt werden müssen, weil das Wohl der Einzelnen, wie das gesellschaftliche und einheitliche Zusammenleben der ganzen Menschheit auf sylchen Wahrheiten und Gesetzen beruht, deren Nothwendigkeit nicht von der Erkenntniß und Zustimmung eines Jeden abhängig gemacht werden kann; aber diese Erkenntniß und Zustimmung kann und soll erlangt werden. Oer Glaube als Verttauen beruht aber nicht blos auf der Wahrheit, sondern auch der Treue Gottes, dem Bewußtsein von seiner Unwandelbarkeit und Ewigkeit. Dieser Glaube an Gott, .dieses Verttauen auf ihn, dieses Bewußtsein von seiner Wahrheit, dieser Hinblick auf seine Treue ist es, welcher den Menschen, wie Israel und die Menschheit trotz allen Dunkelheiten und Verlegenheiten in den Geschicken und Verhängnissen des Erdenlebens nach .oben weist, und nach oben zieht, nach oben führt und oben erhält. Die Geschichte eines jeden Einzellebens, wir die Geschichte Israels und der Menschheit gibt hiervon Kunde. Der geehrte Verf. macht dies in seiner poetiscken Weise durch sehr ansprechende Bilder klar. Im folgenden Abschnitt (XXII.) bespricht der Verf des dreimal Heilig im Propheten (Fes. 6.) und erklärt es richttg als emphatische Wiederholung, weist aber, auch aus die mystische Deutung hin, welche diese Dreizahl an dieser Stelle, wie überhaupt, im Christenthum gefunden hat, und auf die gesunde Erklärung,

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