Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 6 (10.2.1869)
- Date
- 1869-02-10
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sühnerod seines Stifter-,. so bekundet das Christenthum auch mit "seiner Ketzerverfolgung und Exclusivität nichtweniger als da- Princip der Liebe, vielmehr nur zu deutlich und fühlbar daS der Rache. Denkende Christen erkennen dies mit uns und streben wie wir Einigung der Menschheit an. In einem Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung über das Berhältnist de» ChristenthumS zum Judenthum steht der folgende Abschnitt über die „Geistigkeit" Gottes. Nicht bloS dem Judentbum oder seinen Naturgöttern gegenüber ist es nöthig, die Geistigkeit und Unkörperlichkeit GotteS, wie seine Aeußerweltlichkeit bervorznheben, sondern auch dem Christenthum gegenüber, welches sich Gott in leibhaftiger und menschlicher Gestalt vor- und darstellt. So erscheint uns das Christenthum eine Religion der Heiden, westhalb „Bekehrung" auch eine nothwendige Agitation seiner Diener wurde. DaS Judentbum blieb dieser Bekehrung der Heiden schon auö dem Grunde fern, um sich ftei und rein von allen heidnischen Elementen zu-erhalten. Und doch ist dies nicht durchweg geschehen, weil durch die Auflösung ihres Staats die Juden, wie, die nationale, so auch die geistige Berührung mit den Heiden nicht vermeiden konnten. Als verbotene Frucht dieser Berührung .wuchsen Engelnamen auch an dem Glaubensbaume Israels. Die Engel der Bibel führen keine Namen, i sie sind keine wirÜichen Wesen, sondern nur personij ficirte Ideen, die, wenn sie ihre Botschaft verrichtet, j verschwinden. Der Vers, führt hierauf den talmudii scheu Ausspruch zurück, daß kein Engel zwei Bot-; schäften verricht«. Wir glauben indeß, daß die» ein Ausspruch späterer Leit ist, wo 'der Himmel bereits! mit unzähligen Engeln bevölkert, und jeder zu einem ' besonderen Dienste de- Herrn bestimmt war; ähnlich wie in den Palästen großer Erdenkönige, deren Macht 1 um so größer erachtet wird, je mehr Diener zu ihrer Aufwartung bereit stehen. In dem Namen (eff), welchen göttliche Wesen führen, liegt schon heidnische Abgötterei. Darum vermied mau es später Gottes -j Namen auszusprechen, obgleich seine Benennung kein •r Name ist. Samaritaner und Juden sprechen dafür er. Der Vers. macht die treffende Bemerkung, daß;Dtr in den ersten biblischen Büchern noch ohne Artikel vorkommt, also'nicht als Person auftritt, sondern bildlich zu deuten ist. prn unterscheidet sich dann wiederum nicht von nnr«, welcher dem Ahriman gleicht und wie dieser „Verderber" (onrra, rrnrn, Dnn« d. i. onm) bedeutet. Auch dneo möchten wir nicht „Verblender," sondern ebenfalls „Verblender" deuten fear). Die Deutung Anderer, vom lateinischen aenüs abgeleitet und als Halbgott erklärt, ist gänzlich verfehlt. - 1 ‘ Die sinnlichen Bezeichnungen von Gott können, in Rücksicht auf seine Geistigkeit daher nur sinnbildlich gedeutet werden. Wenn der Talmud ausspricht: „Nickt zwei Propheten haben in gleicher Weise gesprochen," so folgen mit Recht der Vers, daraus, daß die Propheten alle nnr göttlich inspirirt waren und jeder seine Erkenntuiß vor Gott, die göttliche Offenbarung, in seiner Weise verkündete. Wäre eS der unmittelbare Ausspruch Gottes gewesen, so hatte dieser bei jedem göttlich und nicht menschlich, und darum gleick gelautet. — Von diesem Begriffe der reinen Geistigkeit Gottes aus unternimmt der Vers, einen Streifzug gegen die Kabbala, ebenfalls vom heidnischchristlichen Ausland ins Judenthum verpflanzt, jedoch ohne hier Boden Zu gewinnen. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Alzey, 6. Februar. Das Präsidium der vorjährigen Rabbiner-Versammlung in Caffel hat nunmehr die Einladung an die Vorstände zur Theilnahme an der diesjährigen Synodal Versammlung, zu welcher Rabbiner, Gelehrte und Vertreter der Gemeinden aufgefordert werden, erlassen. In vorderster Reihe steht die. CultuSftage auf der Tagesordnung. Aber mit der Synagoge und dem CultuS in engster Beziehung steht die Schul- und Lehrerftage. Selbst die kleinsten Gemeinden haben daher ein vielseitiges Interesse , sich an der Sache zu betheikigen. Die Einladung ist deßhalb auch an alle, selbst die kleinsten, Gemeinden ergangen, entweder direkt, oder durch Vermittelung der betreffenden Rabbinate. Die Herren Lehrer und Vorstände mögen daher nicht unterlassen, das Interesse ihrer resp. Gemeinden für diese wichtige Sache wach zu ruft» und zu erhalten, um auch ihrerseits hierbei mitzurathen und — mitzuthaten. R. Friedberg. 21. Jan. Der hiesige Gerbermeister Baruch D. Grödel ist zum Beigeordneten des } Bürgermeisters ernannt worden. Frankfurt a. M, 1. Febr. Uns liegt der Bericht über den Bestand und Fortgang de» Verein» in Frankfurt a. M. zur Förderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen (?) vom 1. September 1866—1868 vor. Wir entnehmen demselben die fortwährende, rege Thätigkeit an dem menschenfreundlichen Werte. Die Einnahmen vom 1. Sept. 1866 -1867 betrug 5711 fl. 42 kr., die Ausgabe 3113 fl. 58 kr. Die Einnahme 1867—1868 betrug 662? fl. 42 kr., die Ausgabe 2251 fl. 33 kr. Einige andere besondere Stiftungen sind mit dem Vereine durch gleiche Thätigkeit verbunden. Der Verein unterstützt gegenwärtig 47 Lehrlinge und einige Gesellen. Auch Meistern wird bei ihrer Ansäffigmachung eine Beisteuer verabreicht. Es sind Handwerker der verschiedensten Art vertreten. Im Ganzen sind bi» jetzt