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Der israelitische Lehrer · 1869-02-10 · 6 (10.2.1869) · p. Seite 42

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
6 (10.2.1869)
Date
1869-02-10
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 nur darau f an, ob sich dieselben als zweckmäßig und andachtfördernd erweisen. Alles Alte ist einmal neu gewesen und mußte sein Recht zu bestehen seiner Zeit durch Zeitgynäßheit beurkunden. Und da dürsen wir uns wohl aus das Zeugniß Aller berufen, welche unseren Gottesdienst besuchen, daß dessen Einrichtungen sich in erhebender Weise zur Förderung einer würdigen Haltung wie erbauenden Stimmung bewähren, und, was die Hauptsache ist und bleibt, sich von Sabbath zu Sabbath in ihrer weihevollen Wirksamkeit erhalten. Es gilt dies insbesondere von dem Zus a m m e n s i tz e n nach Familien, Vater, Mutter und, Kinder vereint, worüber ich ringestehen muß, daß ich, davon aus der Ferne hörend, es als eine fraglich gute Maßregel betrachtete, währendich jetzt in der Nähe und aus eigener Erfahrung bekenne, Paß ich es als eine der besten Einrichtungen der Neuzeit betrachte, indem es das Gotteshaus zu einem, wahren Familien - Tempel heiligt — womit freilich die in unserem Bethause herrschende unbedingte Ruhe und strengste Vermeidung aller entweihenden Unterhaltung selbstverständlich und unerläßlich verbunden sein und bleiben muß. Und so dürfen wir hoffen, daß auch die Bestimmungen, welche die soeben ansgegebene neue Synagogen- Orknung enthält, sich in gleicher Weise erproben und zur Befestigung des guten Werkes, das wir unternommen, unter Gottes Segen und Beistand viel beitragen werden. Ta tie größeres Anzahl der betreffenden Bestimmungen sich gleichfalls auf die äußere Ordnung und Haltung beim Gottesdienste bezieht und für sich selbst redet, so sind es uur einige der aufgestellten Puncte, die sich zu einer -besonderen Besprechung empfehkm. Dahin rechnen wir vor Allem d»S gemei»- same Sitzen uns Eicherheben. Letzteres gehört schon der alten Gvttesdienstordnung an. Bei dem s. g. „Schemone eSre," bei-Borechu" und „Keduscha" und an anderen Stellen wird, auch in dem alten „Schulchan aruch" die äußerliche Erhebung als ein Zeichen der inneren anempfohlen. Allein bei der beispiellosen Willkübr, die im allen Gottesdienst geherrscht und sich von dort auch in fast alle Synagogen des neuen Ritus verpflanzt.hat, war mit jenen alten Bestimmungen wenig genützt und gibt es gewiß nichts Widerwärttgereß als .den Anblick auch in den Bethäusern aufgeklärter. Gemeinden, wie sie da bunt durcheinandersitzen, stehen, lehnen, neugierig und andachtSlos nach allen Seiten umschauen, sich's bequem machen, mit den Nachbarn vor sich, hinter sich und zu beiden Seiten Gespräche , führen, den Witz in die Synagoge verpflanzen — und dies Alles noch wenig sagen will, wenn man sich erst zu den Räumen der einen Staat für sich bildenden s. g. Frauensynagoge erhebt, wo Markt und Straße, Küche und Keller und zuletzt auch der Stadtklatsch den Stoff zum reichlichen Gespräche geben, so daß es mehr den Anschein hat einer im Unterhaltungssalon ungezwungen conversirenden Gesellschaft als den einer im Hause Gottes versammelten Gemeinde. Davon ist gottlob unter uns keine Spur, und die Gleichheit der Haltung Aller und bei allen Gebeten gibt dem Ganzen, wenn die Versammlung sitzt, den Stempel einer stillheiligen Feier, und wenn sie sich erhebt, eines unmittelbar emporziehenden gemeinsamen Aufschwungs. Die Gebete bekommen dadurch erst ihre wahre Bedeutung, und was „Schema" und unsere heilige Tora uns werth sei, kommt uns durch das . Erheben von den Sitzen, ob es im Laufe des ZahreS noch so oft vorkomme, immer auss Neue zum heiligenden Bewttßtsein. Wir haben dazu, außer den üblichen Stellen von „Borechu" und „Schemons esre" auch noch das Trauer-Kawdisch gefügt^ und stets von ergreifender Wirkung ist es, wenn eine ganze Versammlung zu Ehren Derer, die nicht mehr Unter uns sind, sich von ihren Plätzen erhebt, als wollte sie dadurch jenen Gedanken auSdrücken, durch welchen allein für uns das betreffende Kaddisch noch eine wahre tiefreligiöse Bedeutung hat: „wir sind da, um an der Stelle der Abgetretenen die Heiligung des Gottesnamens unter den Menschen zu üben!" Das Aufstehen beim Mredigtgebete" ist aus der Synagogenordnung weggeblieben, weil sich dasselbe von selbst versteht, wenn 'der Prediger, bei besonderen Gelegenheiten, dazu auffordert. Wir fügen hier, wo wir vom Kaddisch geredet haben, sogleich die zweckmäßige Neuerung hinzu, daß dasselbe fönst in der bisherigen Form nur noch einmal, zur Einleitung des s. g. .Schemone eSre" vorgetragen werden soll. Ein Recht, oder vielleicht gar eine Pflicht hätten wir gehabt, daS alte Kaddisch ganz abzuslbaffen, denn eS ist nicht hebräisch, sondern chaldäisch. Hebräisch war bekanntlich die Form ursprüngliche wie sie noch im Talmud (Jehi schemo haggadol meborach) vorkommt, wurde aber, was gewiß eine zeitgemäße Einrichtung war, inS Chaldäische umgesetzt, weil dieses die damalige Volkssprache war. Diesem Vorbllde gemäß müßten wir also folgerichtig da« Kaddisch überall deutsch zum ausdrucksvollen Dortrage bringen; denn seiner Bedeutung wegen wollten eS die Alten — ich meine die Uralten! — dem Volke in seiner Sprache zu Gemüthe führen, weil es nach .Schema" und „Keduscha" da» wichtigste aller Gebete ist, indem e» das Reich Gotte» auf Erden stiert. Dennoch, da sich soviel religiöses Gefühl in die alte Laddischform eingelebt, haben wir, dem Herkommen Rechnung tragend,

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