Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 6 (10.2.1869)
- Date
- 1869-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen L'ehrerstande». Organ für den Verein „Achawa.7 M 6. Den 10. Februar 1869. ,■ 9. IahrgaÜg. Wöchentlich I Nummer vierteljährlicher AbonnementspreiS 40 k. — Il'/r Sgr. Lnzeigen zu 1 Sgr. die PetitzeU»/ vestkll»»§« - nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Reformatorifche Reden 1. Hottesdiensiliche Aeform im Bethause der „lVestonä-llnion" zu Frankfurt a. M. Vortratf über die neue Synagogen ^Ordnung, gehaltm Samstag den 9. Januar 1669, von Or Leopold Stein, Prediger daselbst Wir haben uns heule, geehrte Zuhörer, die Aufgabe gestellt, über die Gottetdienst-Ordnung unserer JWestend-Union“ ein Wort zu seiner Zeit zu sprechen. Denn eS ist nicht nur nothwendig, über die heiligste Angelegenheit, die würdige Gottesverehrung, die wir begründen wollen nnd um derentwillen allein wir uns vereinigt haben, un» selbst klar zu werden, sondern wir wünschen auch vor den Augen der Welt den Geist zu bethäligen, der uns durchdringt, daß es sei Schtmosaischer Geist, und daß, wenn wir unS über manche alten Formen frei und entschieden hinwrgsetzen, dies nur geschehe, um über viele veraltete Dinge hinweg zur ursprünglichen Reinheit und Einfachheit de» Gottesdienstes zurückzulehren. Denn wie überall, so auch hier, besteht in der mit Bewußtsein vollzogenen Rückkehr zur Natur das Wesen alles wahren Fortschrittes. Da reden wir zuerst von der äußeren Ordnung. Sie tritt nirgends mit so drängender Notwendigkeit an uns heran, als beim israelitischen Gottesdienste, wie er sich nach dem Untergange des Tempels gestaltet hat. Die Synagoge besitzt keine äußerlichen Mittel, die Sinne zu bewältigen oder gar den Sinn gefangen zu nehmen. Da ist kein Pomp, keine Pracht, kein Bildwerk, kein Gemälde, kein Priester in strahlendem Gewand und kein Gott, der dem Volke gezeigt wird. Bier nackte Wände — und außer der Tora, die in der heisigen Lade ruht, kein anderes Leichen,daß daSHauS ein Gotteshaus sei, als die' Andacht und Würde, welche hier herrschend sind. Für den jüdischen Gottesdienst spricht daher nichts Anderes, als er selbst in seiner, erhabenen Einfachheit. Wir bedürfen keiner Bilder — ein von wahrer Andacht verklärte- Menschenantlitz ist das herrlichste Bild, welche» Gott vergegenwänigt und dadurch zur Andacht erhebend anregt. Allem jene edle Würde und stille Feier ist.unS im Mittelalter abhanden gekommen, und trotz der schönsten Gotteshäuser und besten Synagogen-Ordnungen bi» heute zum israelitischen Cultu» nicht wieder zurückgekehrt. Mir sind in Deutschlund nur wenige Gemeinden bekannt, die hierin eine Ausnahme machen, an ihrer Spitze die würdige Gemeinde Mannheim, in deren Svnagogr eine edle Haltung und wohlgeschulte Ordnung musterhaft gepflogen wird. Noch besser aber und wahrhaft diSciplinirt ist die Ordnung in den Gemeinden Amerika's. New-Dork, Philadelphia, Cincinnati, »van-Francisco leuchten voran und kleinere Gemeinden folgen in löblicher Weise ihrem Beispiel. ES ist dies eben der große Borzug und das seltene Glück der Vereinigten Staaten, daß sie überall von Neuem anfangen — anfangen können; in Staat und Religion ward ihnen die beneidenSwenhe Gunst, sofort aus geordnetem Grunde das neue Gebäude aufzuführen, während wir in der alten Welt mit tausenderlei Atücksichten zu rechnen haben und der alten Mißbräuche nur allmählig und daher kaum Meister werden. Darum ist es gewiß froh zu begrüßen; daß dahier ein, wenn.auch noch kleiner Verein ngch Amerikanischer Weise einen zeitgemäß geordneten Gottesdienst auf deutscher Erde auf- und auSzubauen würdig bestrebt ist. Es kommen da manche Erscheinungen zu Tage, welche hier zu Lande neu, auffallend, wie ausländische Pflanzen mit Verwunderung, oder gar, al« Fremdartige« auf dem Boden deS Judenthums, mit Kopfschütteln und Mißtrauen betrachtet werden. Allein e» war und ist die«, mehr oder weniger, bei allen neuen Einrichtungen der Fall, und skommt e« zuletzt