Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 5 (3.2.1869)
- Date
- 1869-02-03
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Lehrer angestellt werden. Dazu ist leider noch nicht die geringste Aussicht vorhanden. Die Folgen der Reorganisation der Volksschule fangen z. B. in Baden bereits an, für einzelne jüdische Volks- (Hauptschullehrer sehr unangenehm zu werden. Viele der zur.Zeit im Amte stehenden Lehrer werden jetzt pensionirt, und wenn das auch mit großen Pensionen geschieht, so muß es sür einen in rüstiger Manneskraft stehenden Lehrer doch ein höchst schmerzlicher Abscbied sein, der ihn von seinem herrlichen,liebgewonnenen Berufe trennt und ihn zur halben Unthätigkeit verdammt. Bei der geringen Zahl der verbleibenden Hauptschulen ist für jüngere Kräfte nur wenig Aussicht zum Nachrücken; die Verhältnisse haben sich also wobl für Einzelne, aber im Ganzen nicht gebessert. Und diese Mißverhältnisse entstammen den in bester Absicht unternommeuen Umgestaltungen des Schulwesens auf liberaler Basis durch eine humane. Regier-nng. Ganz ähnliche Verhältnisse und Verwicklungen bereiten sich in Bayern vor. Was folgt daraus? Et ist eine totale Umgestaltung unserer jüdischen! Schul-, und Lehrerverhältnisse, der wir entgegengehen. : Das kaum geschaffene jüdische Schulwesen droht zu | verschwinden. Auf einer Seite gesteigerte Anforde- | rungen, das Bedürfnis; einer tiefergehenderen allseitigeren Bildung, auf anderer Seite neue Verhältnisse, welchen wir nicht unvorbereitet entgegengehen dürfen. Wir haben ein jüdisches Schulwesen: aber, ihm fehlt die klare Basis, die Einheit. An ein vollständiges Aufgehen in die allgemeine Volksschule, wo auch den jüd. Lehrern ihre Rechte verbleiben, kann mindestens zur Zeit noch nicht gedacht werden. Wie sich aber das jüdische Schulwesen in der Zukunft gestalten soll, dafür fehlen alle Anhaltspunkte. Sie müssen eschaffen werden. Der'Impuls dazu muß von den . ehrern selbst auSgehen. Wir müssen dem Werden-! den gerüstet entgegengehen. Niemand darf sagen: '2'2 nw oftsr n« ’3, Das ist eine große und bedeutungsvolle Aufgabe einer jüdischen Lehrervsrsammlung. Sie schließt alle Seiten der Wirksamkeit einer solchen ein. Auf der einen Seite rege Thätigkeit für die Aus-, Fort- und Durchbildung, um endlich einmal zu wissen: was hat : der jüdische Lehrer zu wisien und zu leisten; auf; welchem Wege'sindet er Genüge für das Bedürfniß fcrschreitender Bildung, und in welcher Art hat er dann zu wirken J um seiner Aufgabe zu genügen. Andrerseits fallen »ie praktischen Lehrerfragen über würdige Stellung und klare Kenntniß der Rechte und Pflichten des jüdischen Lehrerstandes in das Gebiet der Besprechung. Wahrlich, ein erhabenes und weites Gebiet/ Wir wollen all dasjenige, was weiter noch zur Empfehlung solcher Lehrerversammlungen zu sagen wäre und schon tausendmal gesagt worden ist, hier nicht wiederholen. Eine andere Frage, die sonst uns vorschwebte, wenn wir von solchen Versammlungen sprachen — die Hebung und Kräftigung der Ach awa, ist, Dank und Lob dem gütigen Vater im Himmel, dieser Stellung entrückt. Die Achawa hat eine so namhafte Zahl von Mitgliedern und einen so schönen eisernen Fonds, daß sie der ihr gewordenen Aufgabe unzweifelhaft gewachsen ist, wenn sie in ihrer ruhigen Entwicklung beharrt. Wir sagen damit nicht, daß sie nicht Hebung, Förderung und Kräftigung durch den Lehrerstand nöthig hat; wir wollen die Thätigkeit für dieselbe unserer College» durchaus nicht lähmen, davor bewahre uns Gott! sondern im Gegentheil! wir glauben damit anzuspornen. Wir sagen nur. daß wir es nicht mehr mit einem schwächlichen Sträuchlein, sondern mit einem bereits kräftigen Stamme zu thun haben, der mit Gottes Hülft für sein normales Wachsthum nichts mehr zu befürchten hat. Dies normale Wachsthum braucht wohl der gesteigerten Anstrengung der Lehrer, aber besondere Reizmittel sind nicht nöthig. Der nächste Rechenschaftsbericht wird Zeugniß dafür geben. Unisomehr müssen wir auch an Anderes denken. Und es gibt wohl noch Wege genug, die unbetreten sind, und auf welchen eine iSrael. Lehrerversainmlung segensreich zu wirken vermöchte. Als Ort der nächsten jüdischen Lehrerversammlung wurde in der obengenannten Couseren; in erster Reihe Ludwigshafen (Mannheim) in Aussicht genommen. Als Zeit dürfte sich der Frühling, etwa eine Woche nach Schobuoth empfehlen. Wir eröffnen daher die schon.bekannte Rubrik: ,Wir kommen" von Renem und bitten, um alle Vorbereitungen gehörig treffen zu können, schon jetzt unsere Kollegen, uns demnächst Ihre Mittheilungen zukommen lassen zu wollen. Wir ersuchen dieselben um Verbreitung dieses Gedankens, auch unter den Ri ch tlesrrn des „Jsr. Lehrer," und bitten diejenigen, welche zustimmen, zugleich praktische Vorschläge über Zeit, Besprechungsart, Gegenstände der Besprechung rc. zu machen. Wir bemerken schließlich, daß nach den Beschlüssen jener Versammlung derjenige Ort zur Versammlung gewählt werden wird, der geeignet und in dem Mittelpunkte der Gegen o liegt, aus welcher die meisten Zustimmungen kommen, daß eS daher nicht gerade schon bestimmt und durchaus nicht unbedingt nöthig ist, bei Ludwigshafen zu verbleiben. Odern heim, de» 24. Januar 1869. Alingenstein.