Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 5 (3.2.1869)
- Date
- 1869-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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§ «' siAelilisclie Xctrrrr. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen L e h r e r st a n d e s.! Organ für den Verein „Achawa. " M 5. , Den 3. Februar 1869. 9. Jahrgang. Wöchentlich l! NrmmcrBirrteljährlicher AboimemerUsrrcis <ü kr. — 11 */a Sgr. Anzeigen ju I Lgr. die PetüjeU». Besttllunß« I nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Lehrerversammlungen. In der am 3. August vorigen Jahres in Ddernheim abgehaltencn 12. Versammlung israelitischer Lehrer zu Rheinhessen wurde ein früherer °Änlr»a erneuert und beschlossen, dahin zu wirken, daß die rHeinbessische . Lehrcrversammlung zu einer allgemeinen werde. Als wir im Jahre 1866 die Rubrik „2£nr kommen" creffneten, haben wir die Bedeutung solcher jüdischen Lehrerversammlungen hervorgehoben und die Zahl derjenigen, tvolche an einer solchen theilnehmen wollten, war nicht! gering. . Da kamen jedoch die Ereignisse deS Jahrfs 1866 dazwischen und die Generalversammlung der „Ackawa" im Jahre 1*67 hat dann unsere und unserer College« Thätigkeit nach einer anderen, praktischen Richtung bingelenkr; so kam ' es, das: wir an jenes Vorhaben erst wieder durch die oben bezeichnete rheinhrssische Lehrcrversammlung dringender gemahnt wurden. Mittlerweile aber haben sich die Verhältnisse vielfach und in der verschiedensten Weise geändert, und ' es thut zi cth, diese Veränderungen und ihre Bedeutung hervcrzul eben, um Klarheit in die Situation zu bringen Wep der Entwicklung der Schulverhältnisse im Allgemeinen in den letzten Jahren gefolgt unmöglich läugnen, daß die Zeit und der Geist unseres 7: deutschen Volkes mit Macht aus die Hinwegräumung * der constssionellen Schulen hinarbeitet. Die ZfegsHr rungcn mögen zögern und nur ungern nachgcbeuz-st sie mögen in den augenblicklich angebahnteik Reorga-! nisaticnen der confessicncllcn Schule noch einen großen j Spielraum und vielerlei Vorrechte einräumen: wir! sehen, daß die Bevölkerung im Großen und Ganzen > dies nur mit Widenvillen aufnimmt, und daß in den! Ständekammern eben nur die Scheu vor gewaltsamen Schritten diesen Confessionsschulen eine kleine Majorität schafil, die die Zukunft dieser Schulen ahnen läßt. Merkwürdig ist, daß bei diesen Kammerverhand-; lungen ^ückiicht auf eine Stimmung der Bevölkerung j genommen wird, die wobl nicht von dem besondererzieherischen Berufe unserer Gesetzgebung zeugt. Merkwürdig ist auck, daß da immer das Jndenthum und hie Juden den Zankapfel . bilden. Der Herr Cultusminister Mühker in Berlin hatte iogar neulich von dem gemeinsamen Boden gesprochen, aus dem die christlichen Ccnfessionen angeblich stehen, aber bei den Juden, tagt er, liegt die Sache anders. Ich glaube nicht, daß der Herr Cultusminister von Mühler das im Ernste gemeint.'hat. Derjenige Tbeil der Bevölkerung, der eben confessicnelle Schulen für nöthig bält, wird auch die katholisch-protestantisch gemischten Schulen verabscheuen, und der intelligentere Tbeil wird auch gegen die Juden nichts auSzusehen haben. Dock dem iei. wie ibm wolle — die neugcschaffenen konfessionellen Schulen sind nur Werke de- Augenblicks, und die allgemeine Volks-, Bürger-, Menschenschnle ist nur nock eine Frage der Zeit— Wir Israeliten, — wie wir glauben, selbst der orthodore Tbeil der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, — sind mit ttr freien konfessionellen im Prinzipe durchaus einverstanden. Wir wünschen und hoffen, daß endlich die Zeit allgemeiner Menschenverbrüderung komme, und die allgemeine Schule wird beitragen zur Herbeiführung dieses mefsianifchen Zeitalters. Wir wollen nur eben erwarten, daß diese Schule auch, tvirklich und wahrhaft eine freie, allgemeine, von allein Trennenden freie Menschensckule fei. Aber — hier liegt der Haken. So wie sich undie Gegenwart darstellt, müssen wir befürchten,,daß die Zeit, wo man dem Jndenthum auf diesen Gebieten auch in religiöser Beziehung gerecht werde, noch sehr fern sei; wir müssen befürchten, daß auch die sogegenannte allgemeine Volksschule immerhin eine christliche sein wird; und daß an einer niedrigen Volksschule — einer Elementarschule, und diese haben wir eigentlick hier im Auge — noch lange nickt jüdische J