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Der israelitische Lehrer · 1869-01-27 · 4 (27.1.1869) · p. Seite 31

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
4 (27.1.1869)
Date
1869-01-27
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 mit seinen Heldenbrüdern gegen Napoleon'- Tyrannei und Ländersucht so kühn und muthig kämpfte und eine hervorragende Rolle spielte? wie widerstand er den Verlockungen.desselben, sich zu den von Deutschland Abgefallenen zu gesellen?" „Und wie," sagte ein Anderer, „war er glücklich in seinen Unternehmungen, wie beliebt allüberall, wo er auftrat, er, den eint stolze Königstochter zum Gemahl erkor?!" „Ja," bemerkte ein Dritter, „wenn er ein Held und Eroberer von Männer- und Frauenherzen war, so suchte er auch uns sein Glück genießen zu lassen, er hob unser Städtchen, durch Anlegung schöner Straßen, Aufführung herrlicher Bauten u. s. w." I In der Judengasse deö Städtchens hatten sich ebenfalls Gruppen gebildet, Alles sprach und gestiku? lirte, auf den Gesichtern Aller sah man die Trauer um den guten dahin geschiedenen Fürsten, der auch den Juden ein guter und toleranter Herr war. — Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, daß die Bestattung der Leiche nicht ^ange aufgeschoben werde, und daß schon jetzt die Vorbereitungen dazu getrosten werden mußten. — . Bald sah man nun die jüdischen Kausleute der „Gasse" hinauSeilcn, erst verstoblen; dann aber offener hin und hergehen und es währte nicht lange, so richtete fast Jever, der etwas Ellenwaare im Besitze hatte, seine Schritte zum Schlosse. Es mußten ja Trauerkleider, Flore, Trauerfahnen und Behänge angeschastt werden. Alle bekamen Aufträge zur schnellen Lieferung von Stoffen und Trauergegenständen, Alle rathschlagten, was sie Abends abliefern und waö ne bei ^außergewöhnlichem Bedarf noch herkeifchaffen wollten. — Während dieses Getreide vor sich ging, fand in der Judengasse in einem von der Straße zurückstehenden Hause des jüdischen Handelsmanns Gut mann ein Auftritt besonderer Art statt. G., ein angehender Vierziger von mittlerer Statur und scharf geschnittenen. GcsichtSzügen, deücn man ansah, daß manche Sorge und manches Leid sich da eingegrabcn, saß vor 'seinen jüdischen Büchern, die allabendlich, am Samstage aber mit noch anderen größeren Fotianlen seine geliebte und angenehyie Unterhaltung und Beschäftigung bildeten. ' Eben hatte' er ein Qnartbnch in hcbr. Sprgcke, das fein gelehrter seliger Vaterjim Mannscripte hinterlaffen, und in welchem der Sohn stets mit besonderer Vorliebe laö, aus der Hand gelegt, alS seine-hübsche noch nicht 30 Sommer zählende Frau in die Stube trat und etwas zagbaft, als wüßte sie, die sonst Redselige, nicht das rechte Wort zum Anfänge. einer Unterhaltung zu sinden, auf ihren Mann znging. „Du weißt doch, Jakob," begann sie, „daß unser Fürst gestorben ist?" Der Anacredele nickte leise und die Sprechende fuhr fort: „weißt Du aber auch, daß alle unsere Handelsleute auf'S Schloß gegangen lind, um sich Aufträge für die Leichenbestattung geben zu lassen, welche schnell anberaumt ist?" Der Angeredete antwortete nicht, ein wehmüthiger Jug legte sich um seinen Mund und schweigend, wie bisher, versenkte er sich wieder in eines der vor ihm liegendeu Bücher. Unschlüssig, was nun zu thun sei, trat die Frau an daS nach der Straße gehende Fenster; als sie aber von dort daS Kommen und Gehen ihrer Nachbarsleute beobachtete, drehte sie sich schnell wieder um nach ibrem Maiuie und srug: „Nun, waS hältst Du von dem. was ich Dir sagte, willst Du nicht auch hingehen aufS Schloß, Dich nach einem Aufträge umtbun?" Langsam sich emporrichtend erwiderte - der Gatte mit fester Stimme: „Ich halte davon, daß da«, was Andere und Viele thun, danim noch nicht recht ist, und daß eS schon eine Sünde sei, , am heiligen Sabbats, davon zu reden; und daß es endlich Unrecht ist von Dir, liebe Frau, mir solche Fragen zu stellen." „llnrecht?" erwiderte diese auffahrend, „weiß illachbar Blumenthal denn nicht, waS Recht oder Unrecht ist, und ist er zu Hause geblieben, als unser Nachbar Schwarz hinging, oder blieb, Silberschmidt oder sonst Einer von den Anderen zu HauS?" „„Was die,thun, geht mich nichts an,"" erwiderte Gutmann gelassen, sie mögen die schwere Sünde vor Gott verantworten; ich aber, ich würde, und wenn es sich um Millionen handelte, kein Haarbreit vom heiligen Gesetze lassen!"" „Das habe i'ch gewußt," fing nun die Frau scheltend an, „daß mit Dir und deiner närrischen Frömmigkeit Nichts auszurichten ist. Andere verdienen heute mit dem bloßen Hingehen und ein Paar unschuldigen Worten vieles Geld, vielleicht mehr als man in Wochen sonst verdienen kann, liefern die Waare^ erst heule Abend oder morgen ab und er, er rührt sich nicht von seinem Platze und hält seine jüdischen Bücher fest, wobei doch nichts zu verdienen ist. Was bat Dir noch Deine Frömmigkeit und Dein „Lernen" genützt, als daß Du ein gedrückter Mann bist?" „Gott, verzeihe Dir Deine schwere Bündel ich bin kein gedrückter Mann, es gibt Leute, die noch viel weniger haben als wir, und ick bin reich, weil ich, zufrieden bin." , , Reich?" warf, da die ,Frau ein, „warst Du "da auch reich, als Du ans voriger Messe eine Summe Geld von einer Verwandten verlangtest und sie Dir | dieselbe bei vollem Gckdschranke verweigerte. Wäre I damals' me-ne Mutter nicht gewesen ..... „In unserer heiligen Thora steht geschrieben," unterbrach sie der Mann mit ernster, aber gelassener Stimme, „„Du sollst am Sabbath kein Feuer, anzünden; damit ist siclwr auch gemeint daö Feuer der

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