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Der israelitische Lehrer · 1869-01-27 · 4 (27.1.1869) · p. Seite 32

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
4 (27.1.1869)
Date
1869-01-27
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 Zwietracht — und weil ich nun meine Sabkathruhe so halten will, wie eS Gott vcrgeschrieben, muß ich mich so sänge entfernen , bis Dein Geist wieder klar denkt und Dein Herz wieder richtig fühlt. Und biermit nabm der Sprecher einen Arm vrll Bücher, ging. zur Stube hinaus, öffnete die Thüre einer gegenüberliegenden kleinen sauber auSsehender Kammer und verschloß sie von innen. Das Ganze ging so schnell, aber auch mit so rubiger Würde vor sich, daß die zurückgebliebene Frau nicht eher wieder zu einem Gedanken kam, als bis sie den Riegel der anderen Thüre ^uschieben horte. Auch ste ging nun zur Wohnstube hinaus und mit einem „daS habe ich gewußt, daß der nicht zu beugen ist," ging sie, einen wehmüthigen Blick auf die verschlossene Thüre werfend, an dieser vorüber, die Haustreppe hinunter. i Rock zweimal versuchte die gekränkte Frau an j der verschlossenen Thüre mit ihrem Manne zu sprechen; 1 sobald sie aber etwas von Geschäften verbrachte,! börte sie statt aller Antwort die laute Stimme des '■ Letzteren, wie er in einem gewissen bekannten Sing-! sang hebräisches Worte hersagtc. Unmuthig, aber mehr gefaßt als früher, entlernte sich die diesmal nickt, wie gewöhnlich, Siegerin gebliebene Frau, um vor dem Hause zn hören,' was die überall in Gruppen; stehenden Männer und Frauen für weitere Neuigkeiten zu besprechen hatten. So war dir Dämmerung beranzrkommen und mit ihr die Zeit,, wo in der Cvnagoge das Abendgebet von der versammelten Gemeinde gesprochen ward. Auch Gutmann war hingeeilt, dort, wo er nie fehlte, sprachen seine Lippen die uralten herrlichen Gebete in der beiligen Sprache Zions zu dem Gotte und Vater, „der uns nahe ist, wenn wir ihn anrufen." Er kshrte nach Haus zurück, um auch hier noch Abschiedsu^orte au deu heiligen Sabbath zu kickten und Gebete zur neuen Woche ckcginneitd mit den Worten: „Siche, (Hott ist mein Heil, ich vertraue ihm und fürchte nichts!" Merkwürdig! dieser Moment, der uns von der Poesie des herrlichen Sabbaths zur Prosa deö < Werkeltagstebens in die neue Woche hinübergeleiten! soll, er wird durch Gcsrtz und Sitte zum weihevollen > Abschied von der Prinzessin Sabbath, den Heine so j unvergleichlich besungen hak. Noch werkwürdiger und; zum Nachdenken auffordernd ist es, daß dieser Akt! fast überall in Deutschland, ja bis über seine Grenzen hinaus mit einem deutschenGebete eingeleitet ward,! ein Beweis, daß daö Her; der Juden, so überströmend I voll davon, nach, dem verständlichsten Ausdruck j suchte. — Tie brennende Kerze in der einen, dm Becher | mit Wein in, der andern Hand, die „Nardenbüchse" zur! I Stärkung der Seele vor sich, begann Gutmann in j deutscher Sprache: j „Du Abrahams, Isaak und Jakobs Gott, Du > Israels mächtiger Schutz und Hort, der heilige liebe! Sabbath ist hin— Wir fühlen drum das Herz be- ' klommen — O laß' zur neuen Woch' uns kommenj Gesundheit, Frieden, Glücksgewinn! Amen — es werde' wahr! Gute Woch' gut Jahr!" „Gut Woch', gut Jahr! wiederbolte die dabei stehende ihm zuhörende Frau mit dem Knaben auf dem i Arm, ein kurzes hebräisches Gebet folgte, schweigend reichte Gutmann das Gewürz seiner Frau und dem Kinde, nachdem er selbst daran gerochen-, hob den Becher des Heils anrufend den Namen Gottes, ließ einige Tropfen auf die brennende Kerzen fallen, die zischend erlosch und trank den Wein aus. — Jetzt erst, nach vollbrachter AbschicdSceremonie vom Sabbath, ging Jakob Entmann mit einem ebenfalls standhaft geblikbencn und befreundeten Kaufmann aufs Sckloß und bat um einen Auftrag. Sie bekamen die artige Antwort: „Lieber Herr G. und K.! Wir haben Nichts mehr zu vergeben, Sie kommen zu spät." Lautlos und ohne ein Wort zu erwidern, hörte die Frau den Bericht ihres nach Hause gekommenen Mannes an, und als er keine Antwort vernahm, setzte er noch hinzu: „Und wenn ich jetzt einen Tisch, mit ' Friedrichöd'crs gehäuft, erhielt, ich wäre nicht l glücklich, wenn ich den heiligen Sabbath entweihet i' hätte; der liebe Gott, kann mir'S, wenn er will, auf ’ eine andere Weife doppelt und dreifach geben. Gesund und zufrieden, daS ist mit gutem Gewissen und. I Gcttvertraucn ein Neichthum, der jeden anderen-Dicher ' überwiegt. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. in junger israelitischer Lehrer, der insbesondere lücktige Kenntnisse im Französischen hat, findet gute Stellung in einer PensicnSanslalt in Frankfurt a. M. Näheres bei dem Herausgeber dieser Zeitschrift. Lehrling gesucht. Kaufmann vom Lande, der ein bedeutendes >2- Manufaktmwaaren-Geschäft hat, sucht einen Lchrling mit guten Schulkcnntnissen. Kost und Wohnung im Hause. Gute Behandlung und Gelegenheit zu tüchtiger, allseitiger Fortbildung. Näheres unter Chiffre 8oti. M. besorgt die Expedition dieses Blattes. Verantwortlich« Redaktion und Verlag von Joseph Klingen stein, Lehrer zmLdernheim in Rheinhessen. Für den Buchhandel in Commission bei Oelar Seiner in Leipzig. — I. Sottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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