Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 4 (27.1.1869)
- Date
- 1869-01-27
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 überziehen,") und mögen wir Lohn oder Strafe aus Gottes Hand empfangen, immer ist es Liebe von ihm, ist er der Gott der Liebe („Gott ist Gott.") — Sehr schön deutet der Vers. die Felsenhöhle, worin Gott Mose« gestellt und beim Anschauen der göttlichen Herrlichkeit schirmend seine Hand über das Auge gehalten habe, um es vor Blendung zu schützen. Gott | weiß eben, daß der Mensch, auch der geistig begabj teste, den vollen Anblick des himmlischen Lichtes, die i vollständige Aufklärung über die im Dunkel der Zukunft! verhüllten Wege Gottes nicht erträgt. Daher muß ihm so Vieles dstnkel und verhüllt bleiben. Es genügt aber zu wissen, daß ein Gott der Liebe und nur die Liebe Gottes, selbst aus den dornigsten Lebenspfaden und im Geschicke voll scheinbarer Widersprüche, über ihn waltet. AuS dieser Anschauung unh Offenbarung heraus,. I in welcher Gott sich ausdrücklich als einen Gott der! Lieb, kund gibt '(./.cirn *5«), klingt das ip-s „die i Heimsuchung bis ist ÜaS dritte und vierte Geschlecht" scheinbar räthselhaft- und dunkel entgegen. Diesen Au« - , spruch aus die Rache Gottes zu deuten, würde dem Wesen Gottes, wie dem Zusammenhang der ganzen Darstellung widersprechen. Der Vers, deutet ihn auf die Langmuth, -diese hervorstechende Eigen'chast der göttlichen Liebe, und Versöhnung. Gott sieht lange nach, aber nach drei und vier Geschlechtern, wenn da die Sünde noch anhält, straft er, muß er strafen. Gottes Gerechtigkeit fordert dies zur Vernichtung des Bösen, zur Geltendmachung des Guten. Ein gleicher Gedanke tregt demnpr x? zu Grunde: „Gott -läßt nicht ungestrstft." Er kann es nicht. Es würde dies sonst mit Recht als eine ähnliche schwäche angesehen werden, wie wenn ein Vaterhaus falscher Nachsicht und Liebe die andauernden Sünden seiner Kinder ungeahndet ließe. Daß aber Gott mit dieser Ahndung bis in das dritte und vierte Geschlecht wartet, zeugt von seiner Langmuth. Wir erkennen diese überall in dem Leben dcS Einzelnen wie der Geschichte der Völker. Geschlechter hindurch wird oft fortgesünoigt, bis der Zündstoff des Verderbens sich so angehäufl hat, daß ein Funke das vernichtende Feuer GottcS zum Ausbruch bringt, oder, um mit der Bibelzu reden, das Maaß der Sünde im Laufe der Zeiten sich'so gefüllt hat, daß ein Tropfen eS zum Ueberlaufen bringt. Diesen Anklang gibt nämlich jene Bibelstelle (Gen. 15, l6), welche nach des geehrten Hxrrn.Verf. Ansicht den unwiderleglichen Beweis abgibt,. daß die Heimsuchung bis in daS vierte Geschlecht weil entfernt, ein Anspruch der göttlichen Rachsucht -zu sein, vielmehr ein Ausspruch der göttlichen Liebe undPangryuth ist. Dort beißt es nämlich in der Offenbarung Gottes an Abram: „DaS vierte Geschlecht | (deiner Nachkommenschaft) wird aber hierher (nach Kanaan) zurückkehren, Penn daS Sündenmaß der Aino- I riter ist erst bis dahin voll." Gott erklärt also, aus Langmuth vier Generationen abwarten zu wollen, ja zu müssen, ehe es gerecht sei, richtend und strafend einzugreifen. Die Schrift versteht unter dieser Strafgerechtigkeit Gottes immer nur die Vernichtung de« Sünders als eine Folge seiner Unverbesserlichkeit. Mahnende Züchtigungen zum Zwecke der Besserung berühren auch die früheren Geschlechter schon. Haben diese sich aber als unzureichend und zwecklos herausgestellt, so erklärt Goht im vierten Geschlechte das Maaß für voll und deir"Sünder für der Vernichtung reif. So wird Sodam der Vernichtung preisgegeben, weil es bereits gänzlich von der Fäulniß der Sünde angefressen war. denn auch nicht zehn Gerechte fanden sich darin. Bis zu dieser Höhe konnte sich die Sünde nicht in kurzer Zeit entwickelt haben; darüber mögen ebenfalls drei bis vier Generasionen hingegangen sein. Aber auch vor Abram, schon tritt Ms dieselbe Anschauung entgegen. Zu den vorsündfluthlichen Menschen spricht Gott, als er ihre Sünden gewahrte: „Mein (göttlicher) Geist kann nicht ewig mit dem Menschen rechten, weil er Fleisch ist; seine Zeit soll noch 120 Jahre sein (Een. 6, 3). öo spricht Gott ans Langniuth. 120 Jahre sind 4 Generationen; diese will Gott abwarten, ehe daS vernichtende Sttafgericht kommt. Nach dieier Zeit bricht eS aber auch unaufhaltsam herein. Daß diese 120 Jahre sich nicht auf die abgekürzte Lebensdauer beziehen, beweisen die nachsündfluthlichen Geschlechter, deren Lebensjahre noch die alte, frühere Höhe erreichen. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. Älzey. Alliarmo israelitv universelle. Das jüngste Heft der Gerger'schen Zeitschrift 1868, 4. (S. 30si) tbeilt einen Brief Dcrenburg's (Paris, 3. Juli) an den Herausgeber mit, worin es heißt: „Ich bin jetzt ein eifriger Anhänger der-4Ilianoe, die wirklich durch ihre Schulen im Orient Großes leistet und noch Größeres leistet, wenn ihre Mittel wachsen. Unsere Schule in Tetuan hat an 700 Knaben; die zwei besten sind jetzt hier in einer Art Lehrerseminar, wo wir unsere Lehrer für den Orient bilden. Wir haben die vorige Woche zu gleicher Zeit von Jaffa, Schumla und Birkuk (bei Bagdad) Briefe bekommen; die Leute wollen Schulen haben, selbst Opfer bringen und verlangen Lehrer und Subventionen. Wenn wir daS nöthige Geld haben, so werden in 10 Jahren Hunderte von Schulen im Orient existiren. Im August oder September werden selbst zwei Glieder derAlliance eine Inspektionsreise im Norden Afrikas unternehmen. R. Frankfurt a. M, 17. Januar. Die Synagogen-Ordnung der hiesigen Emanuel-Weftend-Union-