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Der israelitische Lehrer · 1869-01-27 · 4 (27.1.1869) · p. Seite 26

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
4 (27.1.1869)
Date
1869-01-27
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 der eben nurdas für >ine Gemeinde halten will, welche eine Schule, Synagoge, Rabbiner und — Frauenbad hat; sie hatten alles dies, jene alten Kahals; es war eben danach. Unsere Zeit hat andere Bedürfnisic. Besonders sind eö die Anforderungen, die an den Lehrer mit Recht gestellt werden, die diesen auch nöthigen, grössere, wenn auch immer noch sehr bescheidene Anforderungen *) zu stellen. Diesen Anforderungen zu genügen ist vielen der ganz kleinen Gemeinden unmöglich, und so komme es, daß in diesen Gemeinden eine Zerfahrenheit,. eine Gleichgültigkeit herrsckt, die oft fast ganz außerordentliche Dimensionen annimmt. Erst behilft man sich eine Weile, denkt man mindestens zuweilen noch an'eine Wiederbelebung des Gottesdienstes, der Religionsschule; nach und nach nimmt das Gefühl der Ä'cke im Leben ab, die Synagoge bleibt geschloffen, der Religionsunterricht wird nicht mehr gemangelt. In anderen Fällen — sie sind nach unseren-Gefühlen nicht weniger schlimm, — ist noch irgend ein oder sind gar mehrere Mitglieder der Gemeind« erbötig. vorzubeten. Wir wollen zur Ehre des Iudenthums verschweigen, zu welchen Dissonanzen dies ^fübrt. Unsere Leser kennen es. Wie aber hier helfen? Sollen alle die Veranstaltungen zur Förderung des religiösen Lebens, zur Hebung des Gottesdienstes für diese Gemeinden fruchtlos bleiben?'Sollen die Juden dieser Gemeinden — es ist dies keine Phrase, sondern volle Wabrheit, die aus der Kenntniß der. Lerhältnisie -sich ergibt - für das Zudenthum verloren. fein? . . Aber auch für die größeren Gemeinden, die Lehrer besolden können — bis zu 100 Seelen und selbst noch darüber — und die Verbesserungen, welche man bisber emgefchlagest hat, unausführbar. Nur i» äußerst seltenen Fällen sind die Lehrer im Stande, nach den drei oder gar vier Richtungen'bin einen Gottesdienst in dem Sinne, wie ihn die Rabbinen im Auge haben, zu leiken. Grundsatz aber »rmß, nach unserer Änsichc. sein: Ein«. Kürzung des Gottesdienstes. in einer Richmnz darf nur stastfinden, wenn die Gemeinde in anderer Richtung dafür Ersatz bekommt. Aber, wie kann der Lebrer Canto?, Chordirigent, Prediger, Alles in e-in er Person sein und'wie kann man von Alle» solche Kenntnisse und Fähigkeiten erwarten, wie sie heutzutage insbesondere.z. Bvon den Eantoren in musikalischev Beziehung gefordert werden? Wellen wir also auch für diese Gemeinden die anzestreble Percdlung des Gottesdienstes fruchtbringend machen, so müssenwir den Gottesdienst vereinfachen. *) 3r Bayern sind eben verschiedene Religionslehrerstellen wiederholt mit erhöhtem Gehalt ausgeschriebeni mit 210 fl. ein Elementarlehrer in der kleinsten Gemeinde — unter 500 Seelen —muß 400 fl. Lniangsgehalt und steigende Allerszulage bekommen — unr hak. doch nicht zuviel. Einfache Formen, einfache und einstimmige deutsche Gesänge, edle hebräische Responsorien mit einfachen leichtfaßlichen Hebungen und Senkungen, die von der ganzen Gemeinde gesungen werden können. Uns dünkt überhaupt das Institut der Chöre in der bisherigen Weise, wonach dieselben einen von der Gesammt- Gemeinde abgetrennten Körper, einen Staat im Staate bilden, nur für die UebergangSperiode geschaffen. Wir möchten mehr und mehr die Gesammtgemeinde zur activen Theilnahme am Gottesdienste heranziehen und an Gesang und Gebet .betheiligen. Eine Hauptaufgabe bleibt die Beschaffung geeigneter deutscher Gebete für die stille Andacht sowohl als zum Vortrag; und wir wollen nicht leugnen, daß eben nur äußerst wenige der bis jetzt geschaffenen Gebete den rechten Ton gefunden haben,-der „einjchlägt." Dürften wir also in der Sache eine Ansicht, äußern, so würden wir empfehlen: Eröffnung de« * Gottesdienstes durch einen deutschen ein-, höchstens zweistimmigen Choral, da»m hcbr. Gebet mit gehöriger Abwechslung zwischen Borbeter und Gemeinde, Responsorien , Bortrag des Vordeters und stilles Gebet; feierliches jedoch vereinfachtes ThoraauSheben, das nicht diesen Act zu sehr sacramental und zu einer Ceremonie macht, bei der die Gemeinde nur das Zusehen und Zubören hat; dreijährigen Eyclus mit deutscher Erklärung des bebräischen ThoravortragS, alsbald nach Schluß der Borlesung und im Anschluß an die Haphthara; dann abgekürztes Einheben, Predigt und Mussaph. Die Grundzüge, wir möchten sagen: die typischen Gestaltungen des Synagogen-Gottesdienstes dürfen nicht verändert werden; darum Schacharith, Kcriath Hatbvra mit Hapthara, Mussaph. Innerhalb dieses Rahmens gibt es Raum genug für geeignete, ansprechende Anordnungen. So z. B. würden wir dahin streben, das Kaddisch während des Gottesdienstes weniger oft sagen zu lassen; also nicht vor Borchu, nickt nach Kriath Hathora.' Schluß des Gottesdienstes bildet allemal ein deutscher Choral. Nisi, jedoch für die ganz kleinen Gemeinden diese Veranstaltungen fruchtbar zu machen, muß ein Weg gesucht averden, um es ' zu ermöglichen, den HauptgotteSdienst am Sabbath auf eine spätere Tagesstunde zu verlegen, damit ein Borbeter den Dienst in mehreren Gemeinden zugleich versehen kann. Selbstverständlich sind die Gesetze wegen ainr. für denselben außer Wirksamkeit zu setzen. Wir haben hier nur einige Andeutungen gegeben. Die Principienfragen sind nicht unsere Sache. Wir überlassen diese den Theologen. Der zu schaffenden Synode verbleibt unter jeder Bedingung die erftc und wichtigste Frage: „wie sind für die Neugestaltung des Gottesdienstes die geeigneten Cultusbeamten zu beschaffen?"

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