Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 3 (20.1.1869)
- Date
- 1869-01-20
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5431982--2276-4898647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 und sie ist gerade für die einfache Bibelerklärung vortrefflich. Ihr Hinweis endlich auf die Regulative hat mich, offen gestanden, unangenehm berührt, da ich sine Vergleichung mit denselben nicht für ehrenvoll halte: ihre.Fehler, sind fern von mir. Ick hebe ausdrücklich in meinem Auffalze bervor. vast niir am Können mebr denn am Wissen, an dem denkenden Geist des Lcbrers mehr, denn am f ch a blo n en- Niästigen Schulbalten liege. Ich erkenne mit Freuden die Fortschritte der modernen Pädagogik an und glaube nicht in der Angabe der Metboden, in deneinzelnen Zweigen des Religionsunterrichtes gegeli jene gesündigt zu haben. *). Daß dem Seminaristen zum Bewußtsein gebracht werde, welche Methode die psychologisch richtige sei, habe ich ausdrücklich hervtzrgehoben und somit glaube ich Ihrer vollen Zustimmung mich erfreuen zu können. Pefih, 8. Jan. . Aus dem ist. Gongresse ist leider immer n'och wenig zu berichten. Tie Berichte der Gemeinde- und Schulccmmissicnen sind zwar einigermasten geförderr, und es .wird da wacher gearbeitet. Aber, im-Plenum, das sich heute wieder auf unbestimmte Zeit vertagte, sind die Resultate nicht ganze fl. 31,578 werth - so diel kostete der Congrest bis zum 31.-Dezember. Viel Geld', viel Geld! - Und daS wird nicht ans dem Landesschulfonds genommen, wie jüngst in diesem Blatte belichtet worden, sondern must durch eine Iudensteuer erhoben werden. Petitionen der verschiedensten Art, oft über Dinge, die fast lächerlichfind, kommen yn den Congrest Da petiticnirt eine Gesellschaft von Photographen, ein Congrest-Pbotographiealbum r'eranstalien zu dürfen; dort wird sogar von einer Gemeinde gebeten, ibr für' den Verkauf.dieser Photographien ein Privileg zu ertheilen, um — sich von dem Gewinn eine Synagoge zu erbauen u. s. f. - z Doch dürfen wir uns zugestehen, daß bereits in der Versammlung ein größerer parlamentarischer Takt zu finden ist. Scenen, wie die bei der Präsidentenwahl, lei der Censtituirung, wie die Proteftaffaire, wo man eine allgemeine Schlägerei befürchten mußte, wo eben viele noch glaubten, der Congrest könnte bestehen, wenn eben Jeder zu jeder Zeit über jedweden Gegenstand reden dürste, wie er wollte, kommen nickt mehr vor. Warten wir' und hoffen wir. Ich habe Ihnen noch nicht darüber berichtet, daß in den verschiedenen Fraktionen es noch stürmischer *) Ganz gut. Ihre theoretischen Andeutungen stimme» jedoch nicht zu Ihren praktischen Ausführungen, wie viele daraus bezügliche Zuschrifen von tüchtigen Schulmännern erweisen. Dir geben nur die an der Spitze d. Bl. und schließen hiermit die Tiscusfion in dieser Angelegenheit, di« wir, sobald der Raum ei zuläßt, wieder einmal selbstständig aufzugreifen gedenken. Red. hergeht, als selbst im Congreffe. DaS kommt eben daher, dast im Fortschrittsclub Männer sehr entgegenstehender Ansichten sich finden, und insbesondere neuerdings ein großer Theil, um nur eben etwas zu erringen, fum Frieden und zur Nachgiebigkeit sich hinneigt. Lyck, 5. Januar. Den Freunden des „Mekize Nirdamim-Vereins" tbeilen wir mit, daß der Druck der neu zu edirenden Schriften vollendet und de'-en Versendung nock für den lausenden Monat in Aussicht genommen ist. 'Paris, im Januar. Die Generalversammlung der Alliance Uraelite universelle hat am 14. Januar in Paris im Saale Herz stattgefunden. Literarisches. Randbemerkungen zu Cap. 1- V~. Von Samuel Fvufeder. Berlin 1868. I.'M. Späth. Der Verf. ist Hegelianer und sucht Hegel'sche Begriffe auf Religion und Bibel zu übertragen. Ohne der Ansicht zu sein» daß Philosophie und Religion sich nicht vereinigen lassen, müsien wir dock von der liier'gestifteten Verbindung erklären, daß sie beiden Theilen nickt zum Vortbeil gereicht. Religion ist dem Vers, nur „Wissen" und „Erkennen." Jrreligiösität demnach auch gleich Unwissenheit, und weil Zeder sein, eigenes Wissen und Erkennen für das allein wahre hält, ist ein» solche Religion des Wissens auch exclusiv^ Das Wissen von'„Gxtt" kann dem Menschen aber nicht von selbst ko'minen; somit bedarf er der Offenbarung Gottes. Diese intest ist wiederum nichts anderes, als der Inbegriff der von Gott in den Menschen gelegten Anlagen und Fähigkeiten, zu erkennen. In diesem Kreise bewegen sich die theoretischen Deductionen des Verfassers. Run konimt der Verfasser zu der praktischen Anwendung seiner Philosopbeme, auf die Erklärung der Bibel. Die Freigebung des Grases zum Genuffe ist die erste Offenbarung, welche dem Menschen zeigt, daß er noch auf der niedrigen Tbierstufe sich befinde und höhere Vollkommenheit durch Entfaltung seines Wissens zu erstreben habe, um des Fleischgenusses gewürdigt zu werden. Auf diesem Wege wissenschaftlicher Bestrebung begegnet er auch der Sünde. Die Erkenntnis;, welche er von dieser erlangt, zeigt ihm^ seine Schwäche. Dies bedeutet die verbotene Frucht" vom Baume der Erkcnntniß. Die Rothwendigkeit, sich von dem Zwange der Sünde wieder ff-ei zu machen, ist der „Fluch" dieser bösen Tbat, und die Anstrengung, welche diese Bemühung kostet, bedeutet dem Vers, der biblische Ausdruck: „Zm Schweiße deines Angesichts.- Kain ist nach der Auffassung deS Verf. der beste Mensch von der Welt, welcher von Abel will, daß er das Ceinige brüderlich mit ihm theile und darüber,