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Der israelitische Lehrer · 1869-01-20 · 3 (20.1.1869) · p. Seite 20

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
3 (20.1.1869)
Date
1869-01-20
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 sondern Gottheit zu — vom indischen Schiwa bis zum christlichen Teufel. Weil man diese letztere Gottheit im Interesse der Menschheit am meisten zu fürchten hatte, wandte sich dieser die meiste Verehrung zu und zwar besonders die Verehrung durch Opfer. Von dieser -Anschauung und Gewohnheit acceptirle uch noch das Judenthum,vorübergehend die Furcht vor Gott und . den O pfergottesdienst. Was die Regierung für die physische Welt, ist die Vorsehung für die geinige, den Menschen. Durch diese wird auch die Furcht vor Got? gebannt, „Gott regiert, cs freue sich die Erde:" An ihre Stelle tritt die Vorsorgen de Liebe. Gott wird da zum Baker der Menschheit, und der Mensch tritt in das Verhältnis der Kind schuft zu Gott. Es wäre hier besonders hervorzuheben gewesen, das; dies Verhältnis der Kind-' schaft schon dem Judenthum zu vindiciren ist, und nicht, wie andrerseits vielfach behauptet wird, ursprünglich dem späteren Christenth;»i angehört. Die ^haltende Vaterliebe Gottes führt die Menschenkinder aber oft über dornige Pfade; Gott erzieht, züchtigt und richtet den. Menschen. Das: ist Gottes Gerechtigkeit. Wie verhält sich diese zur Liebe Gottes? Dieser Frage widmet her Verfasser ein gesondertes Eapitel. Das Verhältnis beider wird so dargestellt, wie das des Fundaments zum Hause, der Wurzel zum Baume. Alle Maßregeln göttlicher Gerechtigkeit wurzeln nämlich in seiner Liebe. Entbehrungen, Leiden, Züchtigungen sind Ausflüsse des göttlichen Richteramts; wir nennen diese ungerecht, so lange wir ihre Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit nicht begreifen. Sie sind aber nickt blos gerecht in Gottes Augen, sondern die Zukunft läßt' uns in ihnen auch stets Gottes Liebe erkennen und wahrnehmen, wie ja auch im Verkehre der Menschen die Züchtigungen und Leiden des Kindes du'rck die strafende Vaterhand gerecht sind und in der elterlichen. Liebe ihren Grund haben. Daran schließt sich eine Erklärung über das biblische Buch „Jona". Diese« enthält nach dem Verfasser nicht eine theoretische Erörterung über das Derhältniß der göttlichen Gereckttgkeit und Liebe, sondern eine praktische Darstellung derselben, nach einem Beispiele wohl au« dem Leben gegriffen und mit poetischer. Wahrheit geschildert, aber doch nicht in Wirklichkeit so geschehen, sonderu mit poetischer Freiheit erdichtet. Auch wir hatten (Achawa III, 172) daS Buch „Jona" zu erklären versucht. Die Erklärung stimmt mit der vorliegenden nicht völlig überein und ist im Grunde dennoch dieselbe. Die Schrift ist eben verschiedener Auslegungen fähig, — und doch ist es immer dasielbe Wort der Schrift, welches ge-! deutet wird. Es ist damit ähnlich, wie mit der bildlichen Aufnahme von Landschaften oder Gebäuden. Immer wird uns das Bild anders erscheinen, je nach dem Standpunkte, den wir bei der Aufnahme einnahmen. Immer ein verschiedenes Abbild, und doch im Grunde dasselbe. So auch bei der Deutung der Schrift. Wir erkannten He Tendenz des Buches in der Absicht,, den Gott Israels als einen Gott der Liebe für alle Menschen zu lehren im Gegensatz zu dem falschen Particularismus einerseits, welcher sich bei dem damaligen Israel ausgebildet zu haben scheint, und zu der falschen Anschauung des HeidenthumS andrerseits, welche in ihrem Gotte der „Zerstörung" und der „Furcht" nur den Gott der „Rache" verehrte. 20 stimmt auch dieses Buch ganz-mit den unversalistiscken Ideen des Judenthums überein, welche die Propheten lehrten und verbreiteten. Der Verfasser läßt in dem Buche „Jona" Gottes Gerechtigkeit und Liebe über den, freilich erdichteten, fanatischen Eifer des Propheten triumphiren. -Dieser will die ungläubigen Ketzer und sittenlosen Heiden vernichtet haben, er ruft gleichsam aus: pgreat munäus, Lat sustitia, Gott will aber nicht vernichten, seine Liebe will retten. (Fortsetzung folgt:) Wochenbericht. Odernheim, 12. Januar. Am 10. Januar hat in Frankfurt a. M. in der Wohnung des Schriftführers Hrn. Leopold Beer die Halbjähr-Sitzung der Vereines „A ch a w a" stattgefunden. Wir dürfen dem demnächst erscheinenden 4. Rechenschafts-Bericht nicht vorgreifen, können jedoch im Voraus versichern, daß die Resultate höchst erfreuliche sind. Frankfurt. 12. Januar. Die hiesigen Zeitungen bringen folgenden Aufruf: Der Rothschrei, der am Anfänge des vorigen Jahres aus West-Rußland uno von den dort in dichten Schaaren zusammenwohnendeu Juden ertönte, wiederholt sich am Ende desselben. Das UnterstützungS-Comits^ welches sich damals in Memel zur möglichen Abhülfe der größten Noth gebildet- und heilsam gewirkt hatte, glaubt nun seine Thätigkeit wieder aufnehmen zu müssen. In einem von ihm ergangenen Sendschreiben heißt eS unter Anderem: „Fortwährende Dürre hat die Ernte eine höchst dürftige werden lassen. Die leiblichen und pecuniären Kräfte sind ganz und gar durch das verflossene Rothjahr erschöpft. Es gibt Städte bis zu 8000 israelitische Bewohner, worin kaum noch 8—10 Personen vorhanden sind, die zur Unterstützung der | Armen herangezogen werden können." Bei diesem außerordentlichen Nothstande glauben auch wir, die Mildthätigkeit nochmals in Anspruch nehmen zu dürfen, und wiffen wir, daß eine solche Bitte nicht unerhört verhallen und auch aus unserem Kreise baldige Hülfe erfolgt wird. Zur Empfangnahme der Gaben erklärt sich gerne bereit: DaS Comits zur Abhülfe de«

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