Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 3 (20.1.1869)
- Date
- 1869-01-20
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 di, Bibel dadurch erklären, daß die Sonne nich selbstständige Trägerin des Lichts, sondern von Got geschaffen ist, wie die andern- Dinge der Welt alle) Erst nachdem sich aus dem Trocknen eine Pflanzenwelt gebildet hatte, wurde für diese daS Licht und die Wärme der Sonne ins Dasein gerufen. Also auch die Pflanzenwelt verdankt ihr Dasein nickt unmittelbar der Sonne, sie ist (in ihren Keimen) früber vorhanden als diese. Auch hierruit ist also eine heidnische Ansckauung, auf welche sich die Anbetung der Sonne gründet,- — -ein besonders in Aegypten heimischer Kultus — widerlegt. — Am fünften Tage werden dse Fische und Böget geschaffen, am sechsten die Landtiere und der Mensch. Diese Zusammenstellung ist Nicht gleichgültig und hat ibren Grund in der Ber waudtschaft, worin nach heidnischer Anschauung Menschen und Thiere gedacht wurden. Die Bibel tritt dieser Anschauung entgegen; — die moderne Wissenschaft sucht,' natürlich nickt mit Glück, dieselbe neu zu begründen. Auch in dieser Theorie der natürlichen Verwandtschaft von Mensch und Thier zeichnete sich wieder das alte Aegypten aus mit seiner Thier- und Menschenverehrung, seinem Todtenrultus, 'feiner Lehre von der Seelenwauderuug auf Erden >und der Rückkehr der Menschen-Seele in Thierleiber. Die Bibel läßt den Menschen aus einen besonderen Ruf Gottes entstehen, sein Leib ist irdischer Natur, aber dennoch von Gott gebildet, nicht von der Erde hervorgebracht wie der Leib der Thiere; der Leib der Thiere lebt sofort nach dessen Erschaffung, der Leib des Menschen erst, durch den göttlichen Odem; das Leben der Thiere also ist lediglich ein leibliches Ervenleben — und darum vorübergehend, sterblich; das Leben des Menschen ist ein geistiges, göttliches Seelenleben — und darum ewig unsterblich. ,! Sehr schön spricht der Vers, über die Unbegreiflichkeit der göttlichen Weltschöpfung seitens des Menschen, und den Unterschied zwischen den phantastischen -koSmogonieen des Heidenthums und der philosophischn ^Wahrheit der mosaischen Schöpfungsurkunde. Auch tvir haben, wie der Vers., den Namen und die Lehre Abrams stets mit dem Brama der Inder in Beziehung gebracht; die biblische Deutung des Namens ffD.i 3r< ll'N bezieht sich nur auf den priesterlichen Beruf Abram'S und seiner Nachkommen und die Bestimmnng dieser Lehre zur Weltreligion. Sprachlich ist Brama als „Schöpfer" zu deuten («03). Die gleiche Bedeutung dieses Wortstammes findet sich in allen semitischen und indo-germanischen (arischen) Sprachstämmen wieder: 13, puer, purere, brüten, bcar.. Zum Nachweis für die Verwandtschaft selbst unserer modernen religiösen Begriffe mit denen des alten HeidenthumS weisen wir auf die sprachliche Verwandtschaft von „Gott" mit Gotz oder Götze hin, daS von „gießen" abstammend, ursprünglich .Gußbild" bedeutet.. Die Verwandtschaft des. .1' rnrv mit Ju (piter) haben wir bereits angrdeutet. Der IV. Abschnitt hat di« Ueberschrist „Er sprach und eS ward." Derselbe ist kurz aber inhaltreich. Mit Recht hebt der denkende Verfasser hervor, daß, wenn Gott in Wirklichkeit gesprochen hätte, da» ..Wort" selbst bereits eine und zwar die erste Schöpfung Gottes wäre. Schon hieraus erhellt, daß der Ausdruck .Gott sprach' anthropcmorphistisch zu verstehen ist. DaS spätere Judenthum lehrt darum.1D3N3 'n io* (Pro». 3, 19) .Gott bat mit „Weisheit" die Erde gegründet," während die Auffassung des göttlichen „Worts" als schöpferische Thal, zur heidnisch-christlichen JncarnationSlehre führt und das .Wort" (LogoS) als den Sohn" Gottes, seine erste Schöpfung, hinstellt, von dem die Welt, die weiteren Schöpfungen, ausgegangen feien. Soniit wird im Ehristenthum Jesus der Sobn Gottes und Weltschöpfer. Dahin führte der irrende Menschenverstand durch die Sinn-verwirrende Deutung des einfachen Bibelausdrucks: „Gott sprach." Nach der Betrachtung über Gott den Schöpfer folgen die Betrachtungen über Gott den Erhalter und Regierer der Welt. In beiden begegnen wir wiederuni specifisch jüdischen Lehren. Daö Heidewthum war nicht fähig, Gott als den Schöpfer der Welt zu denken, noch viel ferner lag ihm der Begriff: Gott als Erhalter der Welt. Selbst dem modernen Heidrnthum philosophischen Denken» ist die Erhaltung der Welt nur daS blinde Naturgesetz physischer Fortbildung und -zeugung. Das Judenthum aber denkt Gott fort und. fort selbstständig und frei schaffend in der Welt tbätig. „Er erneuert täglich das Angesicht der Erde", das Heute, ist nicht daS im Voraus schon bekannte Kind, die unausbleibliche und nothwendige Folgerung von Gestern, sondern das frei geborene und neu geschaffene Erzeugnis) des TageS. Das heißt Gott der Erhalter der Welt. Daraus folgt nothwendig die .Allwissenheit und Allgegenwart Gottes. Gott utuß alle Zeiten und alle Räume erfüllen. Dies ist für die physische Welt leicht zu begreifen. Schwieriger ist eS, die Allwissenheit Gottes mit der geisffgea Welt, dem selbstständig freim Denken und Handeln des Menschen, in Einklang zu bringen. Wir vermissen beim Verfasser eine Auseinandersetzung hierüber. Der Begriff: „Gott der Erhalter" drängtauch zu dem Begriffe: Gott der Regierer dxr Welt. Schon die physische Welt unterliegt Störungen, welche einen ordnenden Geist und eine erhaltende Hand erfordern, geschweige die geistige des Menschen durch die Irrungen seines Geistes und die Mißgriffe seiner Hand. Im Heidenthum schrieb man die schöpferische und erhaltende, so auch die (zer) störende Kraft einer de-