Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 3 (20.1.1869)
- Date
- 1869-01-20
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Geld? und dann?. Oberlehrer in Prag etwa? Weit gefehlt! Lehrer mit einem Gehalt von 500 Thlr, um mit Familie davon leben zu können? Wiederum fehlgeschoffen. Religionslehrer für Gockelheim und Gimpelfingen mit 80 fl. und 5 Kl zster Brennholz und, wenn der Herr Obercantor noch einige nicht eben sehr zeitgemäße'Nebenämter mitübernehmen will, noch 8 Gulden extra. Weitere Hindernisse stehen also, um mit ZuliuS Stettenheim zu reden, dem Verhungern und Erfrieren nicht, im Wege? Schönsten Dank. Ich wenigstens bekenne unumwunden, daß ich mick bislang zu dieser Höhe der Gottähnlichkeit nicht hinaufzuschwingen vermochte. Wohl soll eü nach unseres großen Lehrers Mosche Ausspruch nicht um des Brodes willen allein geschehen, aber es heißt wiederum auch Brc ’m, und das wird bei recht vielen der excl. Religionslehrerftellen kaum der Fall sein können, und da sind die Anforderungen doch ein wenig zu hoch gespannt. Pnnt de bruit pour une Omelette, das geht doch ein Bischen ins Extrem. Auch ich erkenne es als eine Pflicht an, daß wir uns klar machen, wieviel und was von einem guten Lehrer verlangt und erstrebt werden muß. Dem Herrn Verfasser scheint aber nach Bildung streben'und.'Bildung für Andere fordern, eine Sache zu sein. Verwahren wir uns dahingegen solche Anforderungen aus der Lehrerwelt selbst Md seien wir froh, daß sie von den Leitern selbst nicht zu so abnormer Anhöhe hinaufgeschraubt werden. Die Direction des hannover'schen Seminars ging — um ein Beispiel anzuführen — bereits vor einem Decennium mit dem Plane um, den.dreijährigen Eursrrs-in einen vierjährigen umzuwandeln und — wenn ich. mich dessen noch genau erinnere — 17 Jahre als Minimalalter der Aufzunehmenden festzusetzen. In richtiger Erwägung der Verhältnisse haben die wackeren Leiter aber davon Abstand genommen, denn sie. sagen sehr richtig: Wenn wir die dm in der Reget wenig bemittelten Ständen angehörigen Zöglinge erst zu 16 und 17 statt 15 Jahren aufnehmen wollen, wo sollen die Eltern von 15—17 Jahren damit hin, was damit anfangen? Und wenn wir 4 Jahr durchweg festsetzm, wer soll did Mehrkosten bestreiten, da den Angehörigen erfahrungsgemäß schon die dreijährige Unterhaltung oft sehr sauer wiro? Die Dortheile einer mit dem 16 resp. 17 Jahr beginnmden 4jährigen Seminarblldung sind zn sehr in die Augm springend, daß ich mich aller weitläufigen AuSführungm darüber überhoben glaube. Dennoch lebe ich der Ansicht, daß eine, den Verhältnissen Rechnung tragmde Seminardirection — und das ist die Hannover'sche — immer mehr von diesem Project zurückkommen wird. Bei hinreichenden Lehrkräften und Lehrmttteln wird jeder strebsame und seines Zieles sich bewußte junge Mann auch bei dreijährigem Fleiße die Wege kennen lernen können, die ihm das Bereich deS von ihm als tüchtigen Lehrer erwünschten und erforderlichen Wissens erschließen und guter Wille und Ausdauer im Nachstudium werden dem jungen Lehrer sichere Wegweiser sein und ihn den rechten Weg nicht verfehlen lasien. Aber vierjährige Studien für einen Religionslehrer fordern, heißt sich Illusionen bingeben, statt sich an die Wirklichkeit anzulehnen, und würde sich eine auf Basis des benannten Entwurfs ins Leben gerufene Anstalt nach meiner Ansicht sehr bald als nicht lebensfähig erweisen. Die Schrift des Lebens. \ Bon Dr. Leov. Stein. \ Besprochen von Dr. Rothschild.) , (Fortsetzung.) Die Schöpiungstage ist auch der Vers, geneigt, als Schöpfungsperioden zu fassen. Wir glauben, daß es der Bibel hierbei weniger auf die geologischen Beziehungen der Schöpfungstheorie ankommt, als vielmehr um die „Arbeit" durch Gott selbst zu Ehren zu bringen. Der Mensch ist „göttlich" und die Arbeit)^ zu welcher er berufen ist, ebenfalls „göttlich." Gott „arbeitet" und „ruht." Beides sind correlate Begriffe. DaS Thier im Naturzustände arbeitet nicht, sondern genießt und — ruht. Es erhebt sich nur zur Arbeit, um sich Genuß zu verschaffen. Das Tbier arbeitet eigentlich nur in der Umgebung des Menschen — durch den Menschen und für ihn. Das Sabbatgebot der Ruhe erstreckt sich daher auch auf das, Thier — nicht um dieses sondern um des Menschen' willen. Mit dem Thiere und in dem Thiere soll der Mensch ruhen. Ohne Mensch könnte und würde das Thier nicht arbeiten, und ohne des ThiereS Ruhe würde der Mensch nicht ruhen. Die Arbeit also ist etwas Menschliches, und mehr -als dies, sie ist göttlich. Gott arbeitete sechs Tage und ruhte am siebenten. Bei der Einsetzung in das Paradies wird daher dem Menschen die „Arbeit" aufgegeben (rmyV). Durch Müßiggang gelangt er zum Sündenfall, er gibt sich dem Genüsse hin, „er ißt die verbotene Frucht, die so gut ist — zum Genüsse," er verthiert und geht des Paradieses verlustig, und wird mit stärkerer Macht auf die „Arbeit" hingedrängt ("}'£n pyn). Die Arbeit ist in der That etwas Geistiges und gibt Zeugniß von der göttlichen Ebenbildlichkeit des Menschen. Die „Arbeit" vollzieht sich nicht blos mit der „Hand," sondern bedarf des „Geistes." Bedeutungsvoll ist auch, worin Andere gerade einen Widerspruch mit der Wirklichkeit und Wahrheit der Natur gefunden haben, daß die Sonne erst am vierten Tage geschaffen wird, während am ersten auf Gottes Schöpferwort schon da» Licht erscheint. Dem Heidenthume gegenüber will