Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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12 ein;elrm MensLen abhängig, fcnbcrr. gehört dem allgemeinen Bdwußtsein und Bedursniß an. Denn ite wird w?rer vom menschlichen Verstände ersonnen, noch von Außen ihm ausgezwüngen oder in ihn kineinzetragen.. Darum i't sie auch nicht' von ihm abhängig und zemörbar. Wie seinem Gotte, so kann der Mensch aucb der Religion nicht entrathen. Hiermit isi auch jeder neue, wie blinde Glaube gericbie:. Das Neue in. der Religion, als^ nicht dem allgemeinen Bewußtsein und Ledürfniß anzehörig, ist ralicb. Ebenso widerspricht der blinde, wider Willen aufgezwungene Glaube dem Wesen der Religion. Der Ve'.i. verwirft daher mit. Recht Glanbensfyrmeln und deren Beschwörung. Darin liege eine Knechtung des frei.'!!. auf eigene Erkenntnis; hingewiesenen Geistes, und bierdürch sei von jeher die Exclusivität der Religionen gefördert worden. Freie Forschung und Erkeimtniß >'eien 'daber wesenhast in der Religion, und auch im Judenlbum Gesetz. Der Vers. faßt daber Glaube -;";vx als ,,Vertrauen." Wir meinen indeß, daß im ..Vertrauen" selbst der Anfang eines blinden Glaubens liege, rw::« beißt „für wahr halten" und wird Hoi. 2, 22 mit der 'Erkenntniß in Verbindung gebrach: und mit ,„als wahr 'erkennen" gedeutet. Und dennoch lläßt sich der „Glaube" als Vorstufe der Er-' kenn.tniü in der Religion .nicht entbehren, welche für ihre Lebren und Vorschriften zunächst fordert, daß man ie auf „Glaube" für wabr annehme, weil sie deren Befolgung als nctbwendig und unerläßlich erklär: und nicht erst, von der Zustimmung des Menschen abhängig machen kamt. Dagegen müssen die Lehren und' Vorschriften der .Religion von der inneren Wahrbei: und Nothwendigkeit getragen und diese der menschlichen Erkennrniß erreichbar fein, welche alsdann auch von Jedem zu erstreben ist. Vor Erclusivi-ät. glaubt .der-Vers, die Religion durch Hinweis darauf am besten zu schützen, daß die Einyei: Gottes zur. Einheit der. Menschheit führe. Wer demnach an die Einheit Gottes glaube, erkläre sich damit auch zu dem Glauben an die Einheit des Menschengeschlechts und sei — unser Bruder. Aber wirb» denn nicht hiermit wieder die Erclusivität durch eine Hmlerthür eingelassen, nachdem man sie durch die Vorderthür üinauszetrieben? Wird da nicht doch wieder ein Glaubenssatz ausgestellt und Jeder ausgeschlossen, nicht als Menschen-Bruder erkcnrnt, der ibn. rncht annimmt, nicht auf ibn schwört? Etwas eigemhümlich erscheint es, daß der Vers, die Eniheir Gottes nicht als eine Grundlehrc desJui denlhums vom Wesen Gottes erklärt, sondern nur gegen die Vielgötterei des Heidenthums gerichtet sein läßt. Diese Absicht per Schrift, die Irrlehren des § Heidenthums zu bekämpfen und.durch „Wahrheiten" [ zu ersetzen. tritt uns gar oft entgegen. So schon | gleich im ersten Worte: „Im Anfang schuf Gott ec." als gegen die heidnische Lehre von dem „ewigen Urstost'e" gerichtet und so oft. Nichtsdestoweniger, oder eigentlich gerade darum sind diese Unterscheidungslehren . des Judenthums Grundlehren desselben. Statt der „Einbeit" nimmt der Vers, die „Ewigkeit" als die Grundlehre des Judenthums vom Wesen Gottes an. Wir haben schon oben erwähnt, daß hierfür das rvnx „Ich bin, der ich fein werde" kein zulänglicher Beweis zu sein scheint. Wie übersehen : „Ich bin, der ich bin" und finden darin die „Unnennbarkeit" und „Unbegreiflichkeil" Gottes ausgesprochen und ihn als den „Seienden" bezeichnet. Die Ewigkeit umfaßt nicht, wie wir ebenfalls bereits andeuteten, das ganze Wesen Gottes, sondern bezeichnet nur Ein Moment desselben. Auch schreiben die Heiden „Ewigkeit und Unsterblichkeit" ihreit Göttern zu. Es ist deßhalb nicht einmal eine „Unterscheidungslehre" des Judenthumö. Mit Recht betont aber der Vers. die Bedeutsainkeir des am Sinai geoffenbarten ’oj.x „Fch bin," womit die Lehre von einem „persönlichen und außerweltlichen" Gott klar dargethan ist. Denn wer von sich sagt: „Ich bin," ist sich seiner Subjectivität bewußt und weiß sich von den Dingen der Außenwelt getrennt, als etwas Anderes, denn diese sind. Aebn-' lich deducirte Carthesius aus dein cogit> ergo sum, die bewußte Eristenz deZ Menschen. Aber auch in dieser Lehre bekämpft daö Judenthuin die religiösen und philosophischen ßpantheistischen) Anschauungen des alten wie modernen Heil euthums—von der Identität Gottes und der Welt. Also auch in dieser Grundlehre erkennen wir wieder eine Unrerscheidungslehre unsres Religion. Der folgende Abschnitt trägt die Ueberschris?: „Im Anfang schuf Gott" und behandelt die „Welrschöpsung," worauf die Abschnitte über „Welierhaltung" und „Weltregierung" folgen. Die Welrschöp fung hat Vas erste Blatt und Capitel der Bibel zum Inhalt und ist in unsrer Zeit, als den Resultaten neuerer Forschung und Wissenschaft durchaus wider-* sprechend, mit am meisten bekämpft worden. Wenn indeß der Vers, bei der Lehre von der „Einheit" Gottes bemerkt, daß mit ihr die Bibel die „Vielgötterei" bekämpfen wolle: so hätte hier bei der Schöpsungslehre um so mehr und eher hervorgehoben wer- . den können und müssen, daß die Bibel auch mit ihr „bekämpfend" den Irrlehren des Heidenthums enlgegentritt. Statt der Annahme eines „Urstoffes," woraus die Welt geschaffen worden, - wie bei den Heiden, die Lehre von der Schöpfung 'der Welt aus „Nichts" — in oer Bibel („Im Anfang schuf Gott"), amd statt der Lebre von der Schlechtigkeit der Welt an sich und ihrer zunehmenden Verschlechterung nach