Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- Seite 5 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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r l - — 5 — uub von Elienrufen allzuhäufig unterbrochen. Nachdem der Minister den Congreß als eröffnet erklärt hatte, nahm Herr Holländer aus EperieS toeri Sitz de» Präsidenten ein (als Alterspräsident). Es wurde beschloffen, eine Deputation an den Kaiser abzusenden, um demselben den Dank des Cvngresses auszusprechen. Dieser Deputation aus der Mitte des Cvngresses sollten sich die Herren v. Schev und Popper anschrießen. Herr Wahrmann diente derselben als Sprechers sie wurde auch vom Kaiser huldvoll ausgenommen, i- Der erste Akt schlug günstig, für die Vertreter der fortschrittlichen Richtung aus. Die Orthodoxen, die der liberalen Partei an Zahl der Vertreter etwa gleich stehen mögen, sind jedoch unter sich uneins und geben in verschiedene Richtungen auseinander. *) Bei der Präsidentenwahl trug die Fortschrittspartei mir 117 gegen 98 den Sieg davon, und Herr vr. Hirschler von Pesth wurde zum Präsidenten erwählt. Das Cultusministerium legte am 21. Dez. folgende Akten dem Congresse vor: 1) das Elaborat der Congreßmitglieder im Februar und Eingabe der M norikät jenes Kongresses; Elaborat der nebenbürg schen israelitischen Versammlung von 1866, Protest ation von 150 orthodoxen Rabbincn und Protest der Honter Gemeinde gegen die Wahl des Jacob Elfen. Es standen sich in der Versammlung zwei Ar träge einander gegenüber, einer: aus dem Congresse ohne besondere Parteischeidung 24 Mitglieder zu wählen, welche als Evmmission eine Arbeit über die Organisation der Gemeinden und Verwaltung des Schulfonds vorlegen sollten; und eine gleichzählige Conimission zur Entwersung eines Schulstatuts), eines Wahlstatuts für den nächsten Congreß. Ein anderer Antrag will 10 Mirglieder einer jeden Seite des Congresses für Entwertung eines Schulstatuts gewählt haben. Beide Anträge kommen an eine Commission. Noch ist nichts entschieden. Die croatischen Juden sind vorläufig noch nicht ausgenommen. Man iit über den Antrag ihres Vertreters zur Tagesordnung übergegangen: bis sie auch gleichgestellt sein würden; so lautet die Motivirung. Das sind so ziemlich die Resultate, die i h bis heute mittheilen kann. Indessen haben sich v erschiedene Clubbs eröffnet; viel wird hier debattirt — ich werde Ihnen demnächst Näheres über den Fortgang berichten. Jetzt sind viele Kongreßmitglieder a if Urlaub abwesende — Dem Franks. Journal - schreibt man aus Pesth, 24. Dezbr. „Der israelitische Congreß bat sich bis Montag vertagt und haben auch viele Deputirle ihre Ferienreise angetreten. Nack der Stimmung zu ur- *) Die Liberalen, wie man sie in Ungarn heißt, hatten auf der rechten, die Orthodoxen auf der linken Seite Ploch genommen. theilen, in welcher sie schieden, dürfte ein großer Theil derselben nicht wieder kommen, sondern aus ihrer Heimath Entschuldigungsschreiben oder Urlaubsgesuche, einsenden, wenn sie es nicht vorziehen sollten, einfach ihre Mandate niederzulegen. Die Hoffnung auf irgend ein praktisches Resultat der Congreßverhandlungen ist längst geschwunden. Die ursprüngliche Aufgabe des Cvngresses war bekanntlich, die Organisation der Gemeinden, die Organisation der Schulen und Sckulbehörden, die zweckmäßige Verwaltung des ungarisch-israelitischen Landesfonds, sowie die Organisation der künftigen Congresse zu berathen. Allein schon in den ersten Sitzungen zeigte eö sich,' daß irgend ein positives Resultat von dem gegenwärtigen Kongresse^ nicht zu erwarten sei, am allerwenigsten eine Entscheidung in der Schulfrage. Der feige Servilismus der Orthodoxen nach Oben, sowie die Härte und unversönliche Strenge gegen ihre Collegen ckarakterisirte sie sofort als eine Fraction. mit welcher pin Comprommiß noch weit weniger möglich ist, als mit j der klerikalen Partei in Oesterreich. Weit eher könnte man erwarten, der» Klerus werhc freiwillig jedem Einflüsse auf die Volksschule entsagen, als Mffen, die ungarischen Orthodoxen werden an den von ihnen mit fanatischem Eifer gehegten und gepflegten Schulen vulgo Chedarim die geringste zeitgemäße Reform zulasten. Beispielsweise wollen wir nur anführen, daß das Fünfkirchner Rabbinerlein den über die Landesgrenzen hinaus bekannten und geachteten ' Szegedjner Rabbiner, Dr Löw, in den Bann getban, weil er Leytern für den Verfasser der kürzlich erschienenen Broschüre: „ Die jüdischen Wirren in Ungarn," hielt, zvorin den Orthodoxen ein Spiegel vorgebalten wird. Die Autorschaft des Rabbiners Dr. Löw ist lange nicht erwiesen, doch das kümmert unser Rabbinerlein ebensowenig, als die absolute Unmöglicheit einer solchen Ercommunication im Judenthum-. In Folge dessen ist ihm »ofort das Rabkinat entzogen worden. :— Die bevorstehenden Landtagswahlen beginnen bereits ihre Schatten vorauszuwerfen und wird der Kampf mit großem Eifer geführt, nanientlich won Seiten der Linken, die ihre Agitationen mit gxoßer Energie fortsetzt und jeden Zoll Terrain mit unermüdlicher Ausdauer verkheidigt. - Die Abonnements für den literarischen Verein „Mekize Rirdamim." mehren sich zwar, die Subscriptionen für den eisernen Fonds zur Sicherung der regelmäßigen alljährlichen Herausgabe der Schriften , unabhängig von ^der Zahl der Abonnenten, haben nur geringen Fortgang. Obgleich' .nur 2000 Tblr für nöthig erachtet worden sind, — unsrer Ansicht nach für den vorliegenden Zweck eine zu niedrig gegriffene Summe — so sind doch erst 825 Thlr. gezeichnet. Wir haben hieran einen sehr deutlichen Be-!!