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Der israelitische Lehrer · 1869-01-06 · 1 (6.1.1869) · p. Seite 4

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
1 (6.1.1869)
Date
1869-01-06
Page
Seite 4 (sequence 10)
Language
German
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4 Woche« bericht. Mannheim. 21. Der. Auf Einladung des Gemeinderatbes - halte sich heure Vormittag 10 Uhr der große Bürgerausschuß im Rathvaussaale versammelt. um über die Umwandlung der hiesigen ConfessionSschulen in ein« gemischte Schule sich auszusprechen; der Gemeinderath und kleine Ausschuß batten sich schon früher einstimmig nnd entschieden dafür ausgesprochen. Auch im grossen Ausschuß, der über 100 Stimmen zäblte,. hatten sich alle -Stimmen bis aus eine — Artaria, — für die gemischte Schule ausgesprochen . und ebenso einstimmig wurde ein Antrag des Herrn vr. Ladenburg angenommen, daß, sobald die Errichtung der gemischten Schule erfolge, vom §. 11. Abs 5. des Schulgesetzes über die Anstellung der Lehrer ein angemessener Gebrauch zu machen sei (wonach von den sämmtlichen Confessionen mindesieus 1- Lebrer angestellt werden oder, die Zahl der Lehrer dem Verhältnisse der Schüler der verschiedenen Religionsbekenntnisse entsprechend sein müsse s. Es läßt sich daher ertvarten, daß, -wenn - die gemischte Schule kuer eingesübrl wird, auch israel.' Lehrer angemessene Verwendung sinden. — Durch das neue Schulgesetz geht übrigens imi dem jüdischen Schulwesen Badens eine große fast totale Umgestaltung vor. Sehr viele der bisherigen israel. Volksschulen werden aufgelöst und Männer i» den besten Jahren pensionirt, weil zur Auflösung die Berechtigung voriiegt, wenn die Schülerzahl einer, öffentlichen consessicnellen Volksschule drei Jahr hintereinander nicht 25 zählt. Braubach, 20. Dec. In deu letzten Tagen trat hier ein Ehrist' zum Judenthum über. Bei Bekehrungen zu einer bevorrechteten Eonfession ist man geneigt, eigennützige Absichten de« Proselyten zu vermutben. beim Uebertritt. zu einer leider noch vielfach unterdrückten, darf man die vollkommenste Ueberzeugung nicht in Zweifel ziehen. Berlin, 21. Der. Dr. Ko sch (der Vertreter Königsbergsim Abgeordnetenhause), der in jeder Session für die volle Emacipation seiner israelitischen Glaubensgenossen eine Lanze bricht, hat für sein letztes Auftreten in dieser Hinsicht eine Dankadresse empfangen, die von den Vorständen von 414 Synagogen der alten und neuen Provinzen unterzeichnet und ihm von einer Deputation aus-Königsberg überreicht worden ist. Dieselbe lautet: „Höchzuverehrender Herr Doktor! Seit einer langen Reihe von Jahren treten Sie in jeder Session des Landtags mannhaft und in beredter Weise für unsere Glaubensgenossen ein und fordern immer von Neuem auch für diese ihre vollen ungeschmälerten staatsbürgerlichen Rechte. Im Gefühle der stolzen Befriedigung,- mit welcher die Preußen jüdischen Glaubens Sie als den muthigen und beharrlichen Vorkämpfer für ihr Recht verehren, erlauben wir uns, Jhnm, hochgeehrter Herr,, unfern tiefgefühlten Dank und zugleich die Hoffnung auszusprechen, daß es Ihnen noch vergönnt sein wird, sich der Früchte Ihrer hochherzigen Bestrebungen in vollstem Maße zu erfteuen; denn auch wir theilen mit Ihnen die Ueberzeugung: Man kann unser Recht verläugnen, aber nicht läugnen." Aus Ungarn, 26. Dez. Wir zögerten mit der Berichterstattung über den israel. Congreß, weil wir hofften, Ihnen bald bedeutsame Thatsachen und Beschlüsse über das, was wir hoffen oder fürchteten, einsenden zu . können. Hoch schlug unser Herz, als , wir in die alte Königstadl einzogen. Wohl seit dem französischen Sanhedrin bat keine so imposante jü-> dische Versammlung stattzefunden; keine der so hohe Ziele, so tief einschneidende Lebensfragen unterbreitet wurden. In Deutschland gibt es Staaten, deren pompös eröffnere Ständeversammlungen nicht mehr Bewohner zu vertreten haben, als der ungarische Israeliten - Congreß Personen. 400,000 Seelen! Und wir sollen ihre Gemeinde-, ihre Schulverhältnisse ordnen! Welch erhabenes und weites Gebiet, ohne daß auch nur der Cultus, die religiöse Paneirichtung zu berühren nothwendig wäre. Und doch! Unsere Hoffnungen sind noch nicht geschwunden, aber weit geringer geworden. Wir befürchten das Schlimmste. Der Congreß wurde von dem ungarischen Cultusminister am 14. dss. Mts. eröffnet. Er betonte die Gleichberechtigung, die dem Congresse die hohe Auf-., gäbe zuweise, die äußeren Angelegenheiten der jüdischen Religions-Gesellschaften ebenso selbstständig zu ordnen, wie die übrigen Glaubensgenossenschaften. Das Gesetz spreche die Autonomie der jüdischen Religionsgemeinden aus, und dieser Autonomie ist durch die Berufung des Congresses Ausdruck gegeben. Die Aufgabe ist eine schwierige, aber diese Schwierigkeiten werden gehoben werden können, wenn die Congreßmilglieder bei ihren Arbeiten mit jener zähen Ausdauer an die Erfüllung ihrer Aufgabe gehen, die sie unter tausendjährigem Druck bewiesen. Wo verschiedene, religiöse Anschauungen störend einwirken könnten, solle man nicht vergessen, daß gewiß alle Congreßmitzlieder doch einmüthig die Erhaltung der Religion wünschen. Als Aufgabe des Congresses bezeichnet der Minister wiederholt die Feststellung der äußeren Organisation der Gemeinden, die Organisation der Schulen und Schulbehörden, die Verwaltung und Verwendung des israelitischen Landesfonds, die- Organisation der künftigen Congresse. Die Worte des Ministers wurden mit Begeisterung ausgenommen, weil sie den Hauch der Freiheit akhmeten und ensschiedenes Wohlwollen beurkundeten

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