Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- Seite 3 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I —! S vor uns, und die Lehre vom Menschen ist begonnen. Wir glauben im Interesse deS Verfassers und Publikums zu handeln, wenn wir den behandelten Gegenstand hier wieder zur Besprechung bringen. Der Der-, fasser hat zwar andere und verschiedene Ober- und Unterabtheilungen, die wir noch nennen werden; im Grunde — behandelt er Gott in unsrer Erkenntniß von ibm, in seiner Offenbarung an uns und in seiner Wesenheit an sich. Das Buch ist keines der gewöhnlichen Religionsbücher, die trotz der Abweichung in Anordnung und Ausdrucksweise sich dennoch alle gleichen. Der Inhalt des Buchs ist nicht anderen Büchern entnommen, sondern aus der Gedankenarbeit des Berfassers hervorgegangen. Es ist originell und liest sich nicht leicht weg, wie die südliche Tagesliteratur am Nähtische oder in der Tophaecke, sondern fordert aus — zu denken. Aber darin, glauben wir, wird dem großen Publikum oft zu viel zugemuthet;seine Bildung, seine wissenschaftlichen Kenntnisse, seine Denkkraft werden überschätzt. Der Styl des Berfassers liebt Antithesen in Gedanken und Worten; er ist ihm eigenthümlich. Da wird dem gewöhnlichen Leser oft Stoff und Kraft — die Materie des Wissens und das geistige Verständniß — fehlen, die Gegensätze zu verbinden und das. geistige Kind dieser Verbindung zu heben. Von den in diesem Buche vorgetragenen Ideen finden sich viele schon sn dem früher erschienenen religiösen Lehrbuche des Berfassers «Dora umizwa“ angedeutet; ne sind hier nur weiter ausgeführt Aber wenn diese Schrift als höheres Lehrbuch dienen soll, so wäre für' einen großen Theil des lehrenden und lernenden Publikums noch größere Ausführlichkeit und Deutlichkeit zu wünschen^ Wir bemerken dies nicht, um zu tadeln, sondern um dem vortrefflichen Buche einen möglichst großen Lesers kreis zu schassen. Der erste Abschnitt trägt die Ueberschrift: „Es werde Licht". Der Verfasser ist sich bewußt, nichts Neues vorzutragen; er behauptet selbst von Moses, daß er nichts Neues vorgetragen habe, und nennt das Neue in der Religion das Falsche. Selbst die Altdeutschen verehrten den „Altvater". Wir stoßen auch weder aus philosophische Forschung, noch ein philosophisches System; aber ein Reichthum geistiger Aper^üs tritt uns entgegen. Der Verfasser sagt ungefähr: Licht zeichnet unsere Welt aus.. Wo keine. Welt, ist natürliche, wo kein Gott, geistige Finsterniß. Gott offenbart sich durch Licht, denn seine Welt erscheint. nur im Licht. Das Licht ist nicht an sich, sondern nur an den Gegenständen erkennbar, — so auch Gott. Auch das Wahre und Gute, als Wesenheiten und Ausflüsse GotleS, offenbaren sich nur im Licht, die Lüge und das Böse in der Finsterniß. Die Wahrheit und das Gute suchen daS Licht, wollen keine Finsterniß, die Lüge und das Böse suchen die Finsterniß. Die Menschen nahmen die Präger des Lichts (Gestirne) für Gott selbst (Götzendienst»; Gort selbst trat daher außer Beziehung zum Menschen. Seine Weltregierung glich von da an den mvrgenländischen Staatsrfgierungen, in Kälte und Härte von Licht (Glanz)! umgebenen Statthaltern geführt; — Gott aber ist die Liebe. In dieser Beriinnlichung wurden die Götter auch inMerffchen- und Tbierleibern dargestellt, die Inkarnation Gottes. — Wir baltcu indeß dafür, daß die Verehrung Gottes in Tbiergestalt mit der Verehrung der schassenden Naturkraft, und nicht mit dem Licht zusammenbängt. Die Menschengestalt wurde gewählt, weil die Götter nach dem Bilde des Mensches gedacht waren, während nach der Bibel der Mensch als in der Aehnlichkeit Gottes gebildet dargestellt wird. — Die Uebertragung' irdischer Staatenregierunz auf das himmlische Welten^egiment Gottes führte auck zur Einführung vermittelnder Personen zwischen'der hohen zurückgezogenest Persönlichkeit des Herrschers und dem untergebenen Volke (ro’zn rpyD bw); dies waren die Priester. Der Verfassernennt sic Betrüger, schwach- und fluchbeladene Verführer, welche den Gott für sich behielten und den. Götzen den Menschen gab;n; er nennt diese Einrichtung die Quelle d-s Eigennutzes und der Herrschsucht. Die Verunstaltungen der reinen Lehre, des Confucius und Jesus, welchen Letzteren der Verfasser den „edlen Nazarener" nennt, wozu unS weder seine Geschichte, noch seine Lehre genügend geklärt zu sein scheinen, werben' ebenfalls dem Einflüsse - und ,der Wirksamkeit der Priester zugeschrieben. Moses! fübrte daher keinen geschlossenen Priesterstand ein, j— er wolltees wenigstens ursprünglich nicht. Die Macht der Verhältnisse zeigte sich freilich auch bei Moses, wie so oft, stärker als die Ideen der Menschen. — Das Judenthum macht Erkenntniß und Forschung Allen zugänglich und zur Pflicht, erklärte religiöse Wissenschaft und Aufklärung .als gemeinsames Eigenthum. Da waren Priesterbetrug und -Herrschaft nicht möglich oder konnten sich doch nicht lange halten. Wo sie sich zeigten, mußten sie im Volke einen Gegeizkampf heraufbeschwören. Und so hat es die Geschichte gezeigt. Es ist dies der Kampf der Pharisäer und Saducäer. Der Vergötterung, welche Confucius und Jesus nach ihrem Tode erfahren, beugte Moses durch Verheimlichung seiner Grabstätte vor. Er war bescheiden im Tode wie im Leben. Jhni galt nur die Heiligkeit der Sache, nicht die Anerkennung seiner Person. Er gab Gott überall die Ehre. (Fortsetzung folgt.)