Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- Seite 2 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Plan, die ganze Anlage eine gründliche Neuschöpfung, bei der nickt einmal feskbestimmte Gränzen, klare und undeslrittene Grundlagen, staatliche Gesetze, feste Normen, obwalten. Das Ganze erscheint als etwas durchaus nur dieser Gemeinde EigenthümlicheS, hervorgewachsen auS den Bedürfnissen und Anschauungen dieser Gemeinde — eines individuellen Gemeinlebens. Die Glieder der Gemeinde als eigentliche Gründer und deren Stellvertreter — die Gemeindeverwaltung — als Executivbehörde des Gemeindewillens sind vielleicht mit sich selbst über Ziel, Bedürfnisse, Umfang, Lehrplan u. dgl. noch nicht ganz einig, 'geschweige denn mit den anderen maßgebenden Faktoren. Diese Nichtübereinstimmung kanü nicht' immer im Voraus hervortreten, wird sich oft erst, als 'Meinungsverschiedenheit nach der Gründung Herausstellen und entwickeln. Lehrer und Dirigent sind mit diesen verschiedengestaltigen Forderungen und Ansichten unbekannt, Bedürsniß, Ziel, und Gesichtspunkte sind ihnen vielfach fremd. Nicht Alles' läßt sich in Instruktionen, in Worte kleiden. „Der Buchstabe tödtet, der Geist macht lebendig." Wie bedeutungsvoll ist schon die Namengebung) ob gehobene Volks-, Bürger- oder Realschule? Liegt der Schwerpunkt in den realen Fächern? Bezweckt man die Vorbildung zu höheren - - humanistischen — Studien, zur Gelehrtenbildung damit :u verbinden? Wir' sehen hier ab von den religiösen Anschauungen und den Parteistellungen, die zur Zeit leider eine so bedeutungsvolle Rolle im Gemeindeleben spielen, weil, hier nur das Gewissen dem Lehrer die rechte Bahn vorschreibt, von der der redlickt denkende, der pädagogische gebildete Lehrer nie abwe'ckt. . . Wie unter solchen Auspicien die armen Kleinen von den neuen Lehrern, Dirigenten und Anschauungen beeinstußt, hin- und her gezerrt werden, wie sie hier überarbeitet, dort vernachlässigt werden — das läßt sich an dieser Stelle nickt eingehend beschreiben. Der Direktor einer Anstalt ist unter solchen Umständen nicht im Stande, den richtigen, maßgebenden Einfluß auszuüben, weil er keine Üeberlieferung hat, an die er anMnüpfen im Stande wäre und iveil Äm das ganze zu Gebote stehende Material fremd ist, und jemand ihm Ralb ertbeilen kann. Die erziehliche Wirksamkeit der Schule geht während der Experimentirperiode verloren sie ist schwer wieder zu erringen, — auch dann, wenn eie organische Gliederung sich mit der Zeit'findet. Bei den vorzüglichsten Lsbrkräften kann nichts Segensreiches gewirkt werde«, wenn die Einheit und Klarheit des Organismus gestört ist.'. „ES ist eine unbedingt nothwendige Forderung für .das Gedeihen einer Schule und, für die möglichst vollkomme Erreichung ihrer Aufgabe, daß dieselbe ein in sich geschlossenes organisches Ganze bilde, nicht ein C omplex von Klassen sei,ohne inneren Zusammenhang und geistige Zusammenwirkung. Dieser Forderung aber wird genügt, wenn das Lehrer-Collegium eins ist und eins bleibt, in lebendiger Erkerrntniß der Gesammtaufgabe der Schule, woraus die Erkenntniß der Berufsausgabe jedes Einzelnen in seinem Theile folgt. . Nur aus dieser Einheit desCollegiums fließt das volle Zusammenwirken Aller nack einem Ziele, und dieses ist stetig und methodisch zu fördern und von einerStufe zur nächst höheren und zu der relativ höchsten zu erhöhen. Eine solche Einheit der Lehrer wird aber nur dadurch bewirkt, daß alle eine feile Stellung in der Schule gefunden, daß'sie Jahre lang mi.t einander leben, Zeder die Eigenthümlichkeiten des Andern kenne und der Einfluß gegenseitiger Achtung Alle belebe, der Jüngere zum Aelteren hinaufblicke und dieser jenezn theilnahmvoll und helfend zur Seite stehe. So erwächst und durch-' dringt dieSchule einGeistdeseinheitlichen Strebenö nndWirkenS, der die Herzen der Schüler leitet."- So Diesterweg, der Meister der deutschen Schule (Zahrb. 1859.) Sehen wir aber auch von diesen nicht' zu unterschätzenden Mißlichkeiten ab, so entsteht die gewiß berechtigte und.einfache Frage: Woher sollen die 'Schüler für die oberen Klassen einer neu zu begründenden Anstalt genommen werden? Werden die Eltern gereifter Zöglinge ihre Kinder den seither erprobten — wenn auch nichtjüdischen — Anstalten entziehen und der nicht erprobten jüdischen Anstalt anvertrauen, insbesondere, wenn diese der(rnL2 ^2)Confirmation bereits entwachsen sind? (Schluß folgt.) Die Schrift des Lebens. Bon Dr. Leop. Stein. (Besprochen von Dr. Rothschild.) Diese Schrift ist bereits in diesen Blättern zur Besprechung gebracht.worden. Damals lag uns nur das erste Doppelheft vor. Wir erkannten an diesem schon den Werth und die Bedeutung des ganzen Werks. Jetzt ist dasselbe bis zum achten Hefte fortgeschritten und in den festen Verlag von I, Schneider in Mannheim übergegangen. Zn diesen Heften ist der , erste Theil (Dogma) bis zu einem bestimmten Abschlüsse gekommen: die Lehre von Gott liegt vollendet