Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 52 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
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- Ja, in unserem Herzen stehr ein Denkmal für dich, das nicbr schwinden wird,, so lange wir hier weilen aus 'Erden. Schlnfe wohl, theurer Freund, edler Genosse. Deinem Wirken ist ein unvergänglicher Lohn beschieden. Unl^r den Betzen und Edelsten, die ihrer Pllickt poll genügt haben hier im Leben, wird stets und immerdar von denjenigen, die dich kannten, der Name genannt werden :j Jacob Sulzbacher! Der Liberalismus im Staats- und Schulwesen ist salidarisch verbunden: was folgt hieraus für den Freisinnige«, insbesondere den . jüdischen Lehrer? Wer von Allen, welche die Katastrophe von 1K4S ’ mit Interesse und Derständniß der Begebenheiten durchlebt, sollte nicht iür immer mit einem tiefen Ge fühl der Freude, aber auch des Schauers zugleich, an dieselbe zurückdenken? Gewi«,!es war für jedes, der Entfaltung der Freiherr im Völkerleben warm entgegenschlagende Herz. eine erbebende, schwungvolle Periode, die allen, bis da tief innerlich verborgenen Idealen in naher Zukunft Gewährung zuwinkte, aber auch eine wirre, ob ihrer consusen Begriffe, Bestrebungen und üharen beängstigende, darum dann die rege gemachten Hoffnungen vielfach täuschende Zeit, und wie Diele zum Tbeit oer Edelsten im Volke mußten in der Derbamrung oder in'Kerkerhaft bis nahe an die Eege nwart heran die eigneü oder fremden Verirrungen büßen! Denken wir nur, von kleineren Mißgriffen abgeseben, an die groben Ausschreitungen, welche in dem Iunikamxs zu Paris, dem Zeughaus sturm zu Berlin vnd derErmcrdungAuerSwald's und LichnowSki's in Frankfurt vorliegen, erinnern wir uns der ernstlichen, vieler Orten gemachten Iniativc, die comaiuniftischen und socialistischen Theorieen recht herzhaft ins Leben einzuführen,, sowie endlich des schlimmsten Mißbrauchs der Freiheit, mit dem ffe in ihr strictes Gegentheil umschlug: der in Posen wie am Rhein zu förmlichen Verfolgungen ausartenden Iudenheyen, so werden wir nicht einen Augenblick staunen, daß solche Ausschreirnngen schon um der wohlberechtigten Befürchtungen aller wohlhabenden und friedliebenden Bürger willen der Reaction Thür und Thor öffnen mußten. Und wie ein Nebel ine allein zu kommen pflegt, so sühne die politische' Reactrorr auch die kirchliche mit sich, und entfalteten. darob - neben der neuerstandeuen, von Wagner und Gerlach dirigirten Kreuzzeilungsliteratur die älteren clericalcn Organe der wiener und berliner „Kirchenzeiiungen" sowie des „vuirers" und dn „Uuiou" in Paris stolz ihr Banner, um gemeinsam jedem Fortschritt auf einem von beiden Gebieten den Weg;u versperren und das Ketzerrichteramt über ihn zu üben. Da nun Staat rmd Kirche so mit vollen Segeln dem Rückschritt zusteuerten, wie konnte e» da wohl fehlen, daß auch die, von diesen mächtigsten Faktoren des Volkslebens abhängige, sogar inmehr als gebührlicher und ihrem Gedeihen zuträglicher Dependenz gehaltene Schule in den gewaltigen Strudel der Zeitströmung mit bineingerissen ward? ünstar omnium stehen für den Rückgang in diesem Bereiche die Raumer'schen Schul-Regulative von ..854 da, die, das bekannte Stahl'sche Motto „die Wissenschaft muß umkehren" zur Norm nehmend, jeglichem geistigen Aufschwung und freiem Denken des Lehrers den Hemmschuh anlegten und beide unbedingt der Autorität des Tradirten und von Oben Sanctionirten unterwarfen, zwar, besonders in religiöser Hinsicht, viel von „eigner Erkenntnis; und Verständnis;" sprachen, dieser aber so wuchtige Handschellen aufpreßten, das; nur leidiger Gedächtnißkram, ein Wust auswendig gelernter Formeln, Geschichten, Lieder re. die Quintessenz der ganzen dadurch erzielten Lebensweisheit bildet. Daß so etwas im Staate der Intelligenz proclamirt werden konnte, läßt sich freilich nur aus der Wucht des von den augenblicklichen Gewalthabern getriebenen Zeitstromes erklären; daß in der, bereits über ein Jahrzehnt hinaus andauernden Giltigkeit > derselben viel Unheil .dadurch angerichtet werden mußte, lehrt die Erfahrung ebenso, als es sich a priori erwarten läßt, und wenn dasselbe nicht noch tiefer die 'Wurzeln des Volkslebens angefressen, so ist es dem dagegen reagirenden, von Herden wie Diesterweg angefachten Geist der Zeit allein zu danken. Ist es dennoch für jeden Unbefangenen leicht ersichtlich, daß diese Regulative, als nicht zur'Förderung, sondern zur Hemmung der der Schule vorgestecktcn Ziele angethan, überhaupt nicht um dieser, sondern um reactionär-politisch-kirchlicher Intentionen willen ins Leben gerufen wurden, so ist auch ihre Lebensdauer voraussichtlich auf die Zeit beschränkt, da die letzteren im Staate noch den Ton angeben, und müssen sie mit dem Aufhören von deren Herrschaft selbst ihr Ende unmittelbar erreichen. Wie lange diese noch fortwährt, wer vermöchte es vorherzusagen? eins aber steht nach dem Gesagten unzweifelhaft fest: der liberale Schulmann, dem es um ungehinderte , stetige Weiterverbreitnng wahrer Bildung und Gesittung, um geistige Nachfolge Pestalozzi's und Tiesterweg's zu thün, und der liberale Politiker, welcher die freie Enttvickelung jeder staatsbürgerlichen Idee und Thätigkeit zu seinem Endziel gesetzt, sie haben beide einen und denselben Widerpart, die clericalpolitische Reaction, zu bekämpfen, und während deren zeitweiliger Fortdauer all' ihre Geisteskraft darauf zu richten, trotz derselben Bildung und Freiheit nicht sinken zu lassen, vielmehr ihren dereinstigen, ja baldigen Triumph rüstig vorzubereiten. (Schluß folgtI