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Der israelitische Lehrer · 1868-12-23 · 52 (23.12.1868) · p. Seite 315

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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315 Bürgerschaft, die Beamten u. s. f. Aii seinem Grabe sangen der Liederkranz vereint mit den Lehrern und die jüdischen Schülerinnen. Herr Op. Rothschild aus Alzei war von den Hinterbliebenen berufen,! am Grabe zu sprechen und er sprach mit gewohntes Beredsamkeit und in tiefergreifendster Weise, indem eb das Feld der Ehre, auf dem dieser Kämpfer gefallen, verglich mit jenem Felde, auf welchem Blut gesäets und Thranen geerrtdtet werden. Er zeichnete den edle« Jacob, der mit finsteren Mächten gekämpft in der Pacht und dem es nun tagte, wie er war im Leben: ajl« Lehrer, als Vater, als Mensch. —! ■ Noch eine Scholle Erde alus seinem Sarge —, dann zogen wir heim, um einen herrlichen Freund ärnier. Sulzbacher war ein ausgezeichneter Lehrer, Doll ausdauerndsten BernfSeifetS, ansgerüstet mit hingehendster Begeisterung, mit einem reichen Fond von Kenntnifien auf allen einschlägigen, besonders aber auf dem jüdischen Gebiete; voll unwandelbarer Treue und wahrer Hillel'scher Sanftmuth, Geduld und Bescheidenheit, mit einem reichen Herzen voll Liebe. So sehr seine Kräfte abnahmen — er konnte nicht sein ohne praktische Beschäftigung in seinem Berufe, und wie er bis in die letzten Tage und Stunden seines Lebens zu unterrichten strebte, so liebte er auch fortbildende Studien, wissenschaftliche; ernste, pädagogische Unterhaltung. Noch im jüngsten Sommes als ich zum letztenmale das Glück genoß, ihn zu sehen, sprach er mit Begeisterung von Raschi, den er injenen Tagen eifrig studierte. Alles Neue im Leben der Schule, auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts regte ihn an, juckte er zu prüfen, und er handelte stets nur nach festen, klaren und anerkannten Prinzipien. Sein Unterricht zeichnete sich durch sinnreiche Anordnungen ans, und er verstand?s. trotz seiner unvergleichlichen Sanftmuth, oder gepade wegen derselben, die Herzen der Kinder zu fesseln die ihm eine unbearänzte Ehrerbietung zollten, so daß er eigentlich nie strenge ^'isciplinarische Mittel anzuwenden hatte. El" war ein ganzer Lehrer; die Berufstreue war ihm so sehr Lebens- und Gewissenssache, daß er schon darum in Nichts sich eistließ, als was direkt darauf Bezug hatte; in der Besch,iänkung lag für ihn die Freiheit, die intensivste Wirksamkeit. Er war ein liebender Gatte, ein edler, vortrefflicher Vater. Seinen Kindern gab er die trefflichste Erziehung und sie hingen ihm an mit musterhaftester Kindesliebe, mit ustbegränzter Verehrung. Bei der Kunde von seiner TodeSnähe eilte sein Sohn von Paris herbei — und traf leider erst V2 Stunde nach der Beerdigung ein. Das reiche, durch den Hauch der Bildung und die geistige Regsamkeit ausgezeichnetste Familienleben übte einen beglückenden Zauber auf Jeden aus, der es kennen zu lernen Gelegenheit hatte. j Sulzbacher war ein vortref flicher I Mensch, voll unvergleichlicher Herzensgüte, "voll! tiefen Gemüths. Wohl kein lebendes Wesen ist je von ihm mit Wissen oder vorsätzlich gekränkt oder beleidigt worden. Im Gegentheik! Wenn wir auch im Geiste dessen, dem wir dies Denkmal der Liebt weihen, Vergangenes unberührt lassen, so wissen wir doch, daß so manche Unbill und Ungerechtigkeit nur allzutief sein Gemüth verwundete; und dennoch ließ er Alles über sich ergehen, ohne sich und seinem Berufe untreu zu werden. Er verbarg den Schmerz,' den die Undankbarkeit der Menschen in seinem Gemüthe erregte, in seinem Herzen und war gütig uyd liebevoll gegen Alle, nach wie vor. Diese Liebe, diese Treue, di sie edlen Eigenschaften, des Geistes und Herzens gewannen ibm die Hochachtung und.Zuneigung aller derer, die ihn kannten. Die Bürger Kirchheimö brachten ihm eine unbegränzke Hochachtung und Verehrung entgegen. Insbesondere aber liebten und verehrten ihn seine College», für welche er stets und überall ein treuer Freund und, wo er nur konnte, ein Helfer in der Noth war. Er war ein Mann, der mit klarem denkenden Geiste die Gegenwart und, was ihr Noth lhul, ° erkannte; der aber auch mit seinem ganzen großen Herzen, mit heiliger Begeisterung daS Judenthum umfaßte, das er wir Wenige unserer Zeit kannte und liebte. Mit rührender Anhänglichkeit war er den edlern religiösen Gebräuchen zugethan und bedauerte lebhaft den JndiffezentiSmuö und den Verfall des religiösen Lebens. Ja, er war Einer von den edlen Männern unserer Uebergangsperiode, der mit der ganzen Kraft! des Wissens und Geistes das Neue erkannte, den Fortschritt anstrebte, aber mit eben so edlem Elfer und rüvrcnder Gemülhstiefe den bedeutungsvollen Eigenthümlichk>iten des jüdisch-religiösen Lebens zugethan war und blieb. Er hatte ein jüdisches Herz. — Solch einen treuen, redlichen Freund haben wir verloren! Rings um uns lichten sich die Reihen, und der Männer aus jener Zeit, welche mit Wissen und Charakter zu Kämpfern für die neue Zeit ausgerüstet waren, werden immer weniger. Wer wird mit starker Kraft und frischem Muth die ausgestreute Saat schützen und — die Zeit der Erndte schauen? WaS Sulzbacher*mir und wohl auch seinen übrigen näheren Freunden war, die ich hier nicht nenne, die aber am Schlage ihres Herzens fühlen, wen ich meine — vermag ich nicht auszusprechen. Wir - ich undnochejnAnderer — hatten ihnspät gefunden. Nur tiefe und ernste Motive bilden den Grund für Freundschaften, die auf der Höhe des Lebens geschlossen werden. Aber um so köstlicher sind diese Blumen auf unserem ernsten Lebenswege. Sie werden ein Talisman bleiben für unser ganzes Leben. 'l

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