Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 52 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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314 So wollen wir denn ln diesen Leiten dem heimegangenen Freunde ein' Denkmal unvergänglicher iebe, heiliger und -erhebender Erinnerung an sein Sterben und Wirken im Leben setzen; uns zum Tröste, Allen ein leuchtendes Vorbild.- r „Ick bin" — so schrieb der Verblichene in den unS vorliegenden Aufzeichnungen aus den letzten Monden seines Lebens —„am -0. Februar 1809 zu Sulz- Lack in der bayr. Oberpfalz geboren, woselbst mein Vater s. A., damals, noch Samson Wolf genannt, Untercantor war. Er war selbst in Sulzbach geboren, Sohn des gedachten Wolf und de: Frau Rachel, geb. Kapeneltenbogen. Diese-war die älteste Tochter des berühmten Gelehrten Naphtali Hirsch Katzencllenbogen, weiland Pfalzrabbjuers zu Mannheim, und soll nach den vielen Erzählungen meines seligen VaterS eine sehr fromme, geistreiche Frau gewesen sein." Rack einem Stammbaume (i’D-pn ieo), der sich in den Händen der Kinder unseres seligen Freundes befindet, gehören dieselben demnach der hochberühmten und ehrwürdigen'Familie >da tzen ell enb o gen an. die ibren Ursprung bis auf .jenen Saul Wahl, der Rabbiner zu Briet und. der vielbekannten Sage nack, eine Nacht Wahlkönig von Polen war*) und weiter auf «"2"-, und 2'p'px auö dem Geschlechte Rascki'S zurücklenkt., welcher Familie bekanntlich auch Gabriel Riester und die edlen ölontotiore angeboren. Einige Jahre nach der Geburt unseres Sulz- Lacher;og rer Barer nach Pfarrweisach; dort war er- Lehrer, Vorsänger und Schächter. Da aber die Erlrägnifie der Stelle nicht ausreichten, die Familie zu ernähren — es waren vier- Söhne und eine Tochter da — so besckäftigte sich' Samson Sülzbacher auch damit. Privatbibliotbeken. die verkäuflich waren, aus- Juspüren, anzukaufeu,. die werlhvollern Werke von Kennern ausscheiden zu lafien und die übrigen zu Düren zu verarbeiten, bei welcher Fabrikation eigene Kinder und Schüler gemeinschaftlich beschäftigt und auch zugleich unterrichtet wurden. Unfern Jakob aber, welcher, weil er Fädigkeit rerrieth, zur Thorah bestimmt wurde, tbat der Varxr nach Meminelsdorf, zwei Stunden von Pfarrweisach, wo damals ein guter Talmudlehrer und auch schoneine gute deutsche Schule sich befand. Der kleine, kluge und zuthunlich Junge, welcher von seinem 11. bis 13. Jahre dort weilte, war allgemein beliebt, machte gute Fortschritte in den deutscken Schul-, sowie auch in den hebräischen und talmudischen Kenntnissen, und offenbarte auch schon musikalische Befähigung. Von - seinem 13. Jahre an *J Man lese das herrliche: „Mendel Gibbor" von Bernstein: „Wir sinnen von königlichem Aeblüt." war er etwa zwei Jahre lang in Burgpreppach, anderthalb Stunden von Pfarrweisach, um das Talmudstudium .fortzusetzen, und auch hier mit gutem Erfolg. Im 20. Jahre seines Lebens kam er ans Seminar nach Würzburg. Dort war dazumal eine Zeit des regsten EmporstrebenS. Eine Reihe vorzüglicher Jünglinge, von denen viele später und auch noch jetzt als Männer segensreich wirken in verschiedenen Berufen, studirte auf der Universität oder suchte sich auf dem Seminar zum Lehramte vorzubereiten. Es war eben die neue Zeit mit ihren äußeren und inneren Umwandlungen, die die jüdischen Jünglinge jener Epoche zur kräftigsten Entfaltung ihrer Geisteskräfte anreglc. Von dem Geiste dieser Zeit genährt, trat Sulzbacher als Lehrer in die Schule, wirkte zuerst in einigen kleineren Gemeinden Unterfrankens, dann als Gehülfe bei seinem, auch in Gott ruhenden, erblindeten Bruder, dazumal Lehrer in Obrigheim in der Pfalz, und wurde alsdann vor 34 Jahren als Lehrer und Cantor nach Kirchheimbolanden berufen. Hier wirkte er. bis vor etwa zwei Jahren zunehmende Schwäche und Kränklichkeit ihn mahnte, das schwierige Amt niederzulegen. Die Regieruilg sendete ihm einen Gehüsten, und als die Kränklichkeit nicht abuahm, versetzte sie ihn in huldvollster Weise in den wohlverdienten Ruhestand. Die Pension trug theilweise der Staat, theilweise der Lehrerpensionsfonds. Er hätte sich nun in Ruhe ffeines Lebens erfreuen mögen. Aber die Vorsehung hatte es anders beschloffen. — Sulzbacher war> vermählt mit einer Cousine, Reginc Schwarz aus Sulzbach, ebenfalls aus der obengenannten berühmten Familie. Die Ehe war eine gpttgesegnete, bis der Tod dieses herrliche Band vor nun sechs Jahre löste. Don, fünf Kindern — vier Söhnen und einer Tochter — ging ihm der Jüngste — ein hoffnungsvoller, zum Lehramte vorgebildeter Jüngling von 21 Jahren — am 5. Juni 1866 im Tode voraus, Rur durch die auSdauernste und Hingebenste Psiege der siebenden Tochter und einer eben so liebevollen verwaisten Nichte — die in seinem Hause reichen Ersatz für Eltern- und Gcschwisierliebe gefunden hatte und diese Liebe in edelster Weise erwiderte — konnte der schwächliche Körper so lange erhalten werden. Nach langem, in den letzten Monate hoffnungslos gewordenen Leiden, hauchte'er im Arme seiner liebenden Kinder in der Nacht nach dem 2. Dez. seine edle Seele aus, nachdem er noch fast unmittelbar vor seinem Tode einem verwandten Knaben Unterricht ertheilt hatte. An seinem Leichenzuge betheiligten sich neben den Gliedern der israelitischen Gemeinde und den sämmtlichen Lehrern des Kreises, die Professoren der Lateinschule mit ihren Schülern, die Mitglieder des städtischen Liederkranzes und ein großer Zug von Leidtragenden aus allen, auch den besten, Kreisenund Ständen der