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Der israelitische Lehrer · 1868-12-02 · 49 (2.12.1868) · p. Seite 295

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
49 (2.12.1868)
Date
1868-12-02
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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295 Mn Sie unlängst, nur etwas zu zart, berührten. Die „Achawa", der Bruderbund der deutsch-israelitischen Lehrer, hat bereits schwierige Aufgaben zu erfüllen, und es ist ihm Gelegenheit geboten, auch in Westphalen sein segenbringendes Liebeswerk zu bethätigen. Werden die Männer, die von dort aus früher gegen diesen Bund agitirten, jetzt nicht eingestehen, daß'sie Unrecht thaten, selbst, wenn sie in einzelnen Punkten mit den Statuten nicht übereinstimmten? Sie brauchten nicht beizutreten: mußten sie darum iir so boshafter Weise da« gute Werk zu schädigen suchen? Die 180 Lehrer des Vereins haben bis jetzt circa 1000 Thlr. beigesteuerr, und hiervon sind nahezu 700 Thlr. bereits an Unterstützungen verausgabt, und doch beträgt der Fonds mehr als 5000 Gulden. Schadet es den Reichen in Israel wohl, daß sie ihr Scherflein zu diesem Liebeswerk beigetragen? ^Nein, das sollte nie rin Lehrer thun; nie sollte er gegen eine solche Pflanzung sprechen, selbst wenn ihm Einzelnes nicht zusazen . sollte. Ich will darum auch durchaus nicht gegen - die Lehrerunterstützungskasse für Rheinland und Westphalen sprechen, der ich das beste Gedeihen wünsche. Allein diese Kasie hat einmal den Beschluß gefaßt, daß ihr Fonds unangetastet bleiben soll, bis 6000 Thlr. beisammen sind, eventuell bis zum Jahre 1871, und ist damit eigentlich mehr eine gegenseitige VersicherunaS anstatt, als eine Unterstützungskasse. Schon jetzt ist eins ihrer Mitglieder in der Lage, auf Unterstützung von Seiten des Vereins Anspruch machen zu können. Kann der Bedürfrige wohl bis zum Jahre 187 l warten, biö ihm vom Vereine geholfen werde? Haben die Lehrer WesiphalenS, hat der weftphälische Lehrer-UnterstützungsoerKk zur Zeit keine Verpflichtungen gegen sein leidendes Mitglied? Materielle wohl nicht, aber doch moralische! Er überläßt die Ersüllnng dieser Verpflichtungen, die deck nicht ^zu leugnen im Stande sind, dem Bunde „Achawa", weil er seinen Statuten gemäß nicht anders handeln tan». Erwächst hieraus keine , Verpflichtung für die Lehrer WestphalenS gegen den ~ Verein „Ackawa"? Sind sie nicht verpflichtet, ’ in einer ober der anderen Weise, auch für die Achawa fördernd einzutreten? Wir geben das den Collegen in Westpbalen zu bedenkeiu Vielleicht werden sie dadurch auch veranlaßt, ein früheres Unrecht, das Sie zuließen, wenn auch nicht unterstützten, wieder gut zu machen. Im Bezirke Münster bereitet sich.die Bildung einer SpecialcoUferenz vor. Dieselbe wird wahrscheinlich am 14. Dezember in Rheine tage». Sie hat als Programm aufgestellt: 1) ungezwungene, gemüthliche Besprechungen. 2) Unterrichtsplan zur gleichzeitigen Beschäftigung mehrerer Klassen. 3) Die Bildung eines Lesezirkels. Berlin, den 20. Nov. Den geschätzten Lesern dieses.Blattes ist wohl noch die Agitation zum Zwecke der Bildung eines Vereins für Freiheit der Schule erinnerlich. Dieser Verein ist nun gebildet und entfaltet eine rege Thätigkeit. Eine Commission von 11 Mitgliedern hat nachfolgendes Statut entworfen, das freudigen Anklang findet und die besten Büpger aus allen Cnfessionen sind beigetreten. Auch unter den Abgeordneten findet der Verein großen Anklang. Das Slatut lautet': * - „§. 1. Der Verein für Freiheit der Schule bezweckt die Reform der Schule und ■ ihre vollständige Befreiung von kircblicher Aussicht uzld bureaukratischer Bevormundung. §. 2. Er wirkt für diesen Hweck, indem er durch Wort und Sckrifl Vcrständniß und Theilnabme für denselben in weiteren Kreisen erweckt und verwandte Bestrebungen unterstützt, insbesondere aber, indem er mil den Geldmitteln, welche er erwirbt, zunächst konfessionslose Volksschulen, und in Verbindung damit ein Seminar für Ausbildung von Volkssckullehrenr errichtet oder deren Errichtung fördert. 8- 3. Jedes Mitglied des Vereins zahlt einen beliebigen jährlichen Beitrag, der ober, auf Grund gewissenhafter Selbsteinjchätzuug, nicht unter i/l Procent seines Einkommens betragen darf, Die Beiträge werden in -vierteljährlichen Thcilzahlungen an die' Vereinscassc abgefübrt.. * §. 4. Ein Eomile von, zwölf Personen bildet den Vorstand, der alljährlich einer Renwahl durch die VereinSversammk'.liig unterliegt, bei welcher d§r Vorsitzende und der Stellvertreter deiselben in besonderen Wahlgängeü zu ernennen sind. 8- 5. Der Vorstand 'verwaltet das Vereinsvermögen und verfügt über dasselbe-mit jährlicher Rechnungslegung und Entlastung durch die Vereinspersankmlung. Er ordnet die Vcreinsversammlunzen an, deren jährlich mindestens zwei stattfinden. Auf An trag von 25 Mitgliedern 'st eine solche jederzeit binnen vier Wochen zu berufen." 19. Rov. 'Diel Stadtcerordneten traten beinahe einstimmig der Hagistratsadrcsse an das Abgeordnetenhaus bei, um die Regierung zu ersuche», die Genehmigung zur Gründung eines Gymnasiums und einer Realschule in Breslau ohne konfessionellen Charakter zu ertheile». ~ Linz. Am 28. September fand im israelitischen Bethause der k. k. Haftanstalt für gebildete Strä.inge zu Suben in Obcröstrrreich eine religiöse Feierlichkeit seltener Art statt. Der gewesene Herausgeber der „allgemeinen österreischischen Handels-Zeitung", Herr Moritz Alois Goldschpiidt, bekannt unter dem Schriftstellernamen Louis Siernau, trat daselbst zum Juden-

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