Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 48 (25.11.1868)
- Date
- 1868-11-25
- Page
- Seite 287 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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287 - \ iroai. in spanischer Sprache, damit die Regierung mit aller Aufmerksamkeit, die einer solchen Sache würdig ist, Ihre Adreffe prüfen kann. Seien Sie, mein Herr, zugleich mein Dolmetsch bei Ihren Glaubensgenossen und danken Sie ihnen für alle die Wünsche, welche Sie mir ausgesprochen haben für die Wohlfahrt und Größe Spaniens. Herr Guedalla bat hierauf der provisorischen Regierung folgendes Gesuch vorgelegt: Urlauben Sie mir, meine Herren, mich an Sie zu wenden, sowohlan meinem Flamen als im Namen meiner Glaubensgenossen, den portugiesischen und spanischen Juden Londons, um Ibneu die Glückwünsche dazubringen für das, was sie! unter so glücklichen Umständen ausgefübrt haben und was! eine neue Aera des Glücks derbestübren wird für dieses Land, indem Sie beschützen die fremden eines jeden Glaubens und indem Sie idnen den Genuß des gleichen Rechte wie den Eingeborenen zusichern. Indessen, während wir mir Freude die Wichtigkeit der ' Beschlüsse erkennen,, zu denen Sie die Initiative ergriffen, nehme ich mir die Freiheit, in-meiner Eigenschaft als Vertreter, eine officielleÄurorisation ,nir zu erbitten, damit wir nach Spanier! zurückkebren können. Wollen Sie das Edikt der Verbannung vom J». März I t!t2, gegen die Bekenner ineines Glaubens, widerrufen. Wir sind überzeugt, daß Sie die Hinwegräumung aller noch eristirenden., Ungleickheiten alseine natürliche Folgerung einerIvolirisckenReform erkennen. Wenn wir eininal aller bürgerlichen Rechte'»nd die Freiheit des Gewissens werden erhallen haben, — Dank der erleuchteten Verwaltung, deren ausgezeichnete und berühmte Mitglieder Sie sind,— wird Ibr Land zählen können auf die tbätige Mitwirkung unserer Geineinde und auf seine Tbeilnabme am Glücke uud am Rubine Spaniens.' Ich bin mit der tiefsten Hochackinng H. t^uedall a. London, Dkl. ltk». Madrid, 8. Nov. Jeder Sag bringt neue Bei spiele, wie ernst man es mit den Ideen des Fortschrittes und der Freiheit nimmt. Die Abstellung veralteter Mißbräuche ist der erste Paragraph auf dem Programm der Revolution. Der Draht har jedenfalls bereits von der Anfrage der spanischen Judensamilien in Lissabon und London Noti; gegeben. Die „Jberia" enthält nun heute bezüglich der zu erwartenden Rückkehr der erilirien Israeliten folgenden Passus: „Von der Wiederaufnahme dieser intelligenten und betriebsamen Rare (raza inteligente y industriosa) hat die Halbinsel die größten Portbeile zu erwarten. Rur die l Verblendung eines intoleranten Fanatismus, der nicht begreift, daß ein Volk reich und glücklich sein kann, auch wenn es in seinem Busen Individuen verschiedener Seelen birgt, konnte sie je aus unseren Landen vertreiben." Reggio. Gin hiesiger achtzigjähriger Greis, Isaak Soliani, von Arniuth gedrückt, von Krankheit und Aster gebeugt, sollte gewaltsam getauft werden. So weit huldigt man hier noch den alten Vorurtheilen. Aber die Grundsätze der Neuzeit haben doch schon in so weit Herrschaft gewonnen, daß man den guten Schein wahren mußte. Ein Collegium, aus dem Stadtrathe, der Geistlichkeit und dem Synagogeuvorstande gewählt, sollte den alten Mann über Willen und Absicht, die Religion zu wechseln, befragen. Das jüdische Mitglied bestand indeß darauf, daß vorher ein medicinischeS Collegium die Gesundheit drS geistigen Zustandes canstatire und setzte dies auch trotz der Weigerung auf der andern Seite durch. Die Mediciner fanden den Kranken nicht mehr bei vollem Bewußtsein. Dennoch bestand man christlicherseitS auf Befragen desselben, wogegen sich daS jüdische Mitglied wieder sträubte. Endlich kam, natürlich wohl auf Grund falscher Berichte, ein Ministerialbefehl: der Kranke solle befragt werden, — j und siehe da: er bestand daraus, I^dc zu bleiben. Warschau» 18. Nov. Bekanntlich hat die rusiische Regierung den Gebrauch der polnischen Sprache verboten. EtU Jude, Eigenthümer eines Hauses in Wilna, sah plötzlich sein Haus in Flammen. Er stürzte heraus und ruft in polnischer Sprache, der einzigen, die er versteht: „Zu Hülfe." — Trotz der Hülse, die ihm geworden, brannte sein Haus ab, der Jude aber wird um 2'»'Rubel gestraft, weil — er auf polnisch um Hülse gerufen. Adrtanopel. A>nhiesigen Crtc besteht de kanntlich eine alte portugiesische Gemeinde. Es wird Sie interessiren von. der hiesigen Jom-Kippur-Feier, der ich in diesem Jahre beiwohnte, zu erfahren, daß dieselbe durch eine 4stündige Pause unterbrochen war. In Deutschland würde eine solche Einrichtung als ein Ieicken ultrareformatorischev Bestrebungengelten; ja man würde zweifeln, ob eine solche Gemeinde sich noch zu den jüdischen zählen dürfe. Berichte. Trier, den 8. November 1»>8. * 1. Pierundzwanzigster Bericht über den Verein für Westphalen und Rheinprovinz zud Bildung ron Elementar-Lebrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden. Vvn dem seitherigen Dirigenten desselben,I. Löb, Rittergutsbesitzer. Münster t86's. 2. Zehnter Jahresbericht über die israelitische Waiseu-Erziehungs-Anstalt für Knaben und Mädchen in Westphalen und Rheinland zu Paderbom. Paderborn 1868. ail I. Dieser Bericht ist diesmal von besonderem Interesse, da er einen Zeitraum won 6 Jahren umfaßt und auch der letzte ist, der vom Dirigenten allein herausgegeben wird,' da in der Fdlge das-Gesammt- Curatorium dieses thun wird, und er überhaupt einen Zeitraum von 40 Jahren und. zugleich^auch die alte Verwaltung abschließt, indem das am 27. November v. I. seitens des Königlichen Provinzial - Schul - Collegiums iustallirte, aus st Mitgliedern und 4 Stellvertretern bestehende Curatorium, seither in kollcgialischer Eintracht schon öfters versammelt war und für die Stiftung sehr wichtige und ersprießliche Beschlüsse