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Der israelitische Lehrer · 1868-11-25 · 48 (25.11.1868) · p. Seite 286

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
48 (25.11.1868)
Date
1868-11-25
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 es »och bei Weitem schlimm'«. Jv d« Regel ist d« Jahresgehalt einer ReligiovSlehrerS mit oft zahlreich« FamUie von 1200—250 fl. dottrt. Wie kann da Lust und Freude zum Berufe vorhanden fein, wo d« Lehr« mit «drückenden Sorgen um seine und sein« Familie Existenz fortwährend zu kämpfen hat? Von wesentlicheul (Einflüsse auf daö Gedeihen der Schult ist ein tüchtig« Lehrerstand, dessen Glieder die «sord«liche Bildung und Befähigung besitzen. Nimmermehr ab« wird da» .da zu finden sein, wo man dem Lehr« zu wenig für KaS Leben und zu vielzumSterben reicht. Ich kann dabei nicht verschweigen, daß viele Gemeinden in Unterftankm bei ihr« gningen Mitglied «zahl, und bei dem fortwährend im Zunehmen begriffenen Umzug d« reich«en, Glied« in größere Städte wirklich kaum im Stande sind, die Gehalte ausreichend aufzubessern, und daß, wo übrigens in ein« Gemeinde es möglich wäre, kein Wille dazu vorhanden ist. DaS sind die Aussichten eines ReligionSlehrerS in Unterfranken. Um nur leben zu können, mußte d« größ«e Theil den Dienst eines lto übernehmen, und mit diesem Schritte ist d« Hebung dieses Standes d« Todesstoß .gegeben. Beschuldigen wir nicht die Lehr«, sie wollen leben mit ibren Frauen und Kind«n. Auch der Lehrplan trägt nicht wenig seinen Anrheil dazu bei, dem Lehr« ein saures Leben zu bereiten. Ich bin zu dem Punkte gelangt, wo ick üb« die Art und Weise b«ichten müßte, wie unsere Rabbiner ihre^ pädagogischen Fähigkeiten und die Bildung d« Schuljugend im Geiste der Wissenschaft und den Anfordnungen unserer Zeit entsprechend auffassen: allein ich will die Objectivität nicht »«lassen, und hi«über nur das bemerken, daß ein größ««, geisttödtender Mechanismus als in unfern Religionösckulen durck die Uebersetzungen des Pentateuchs und der Gebete, die lediglich als Gedächtnißsache behandelt werden, nirgends zu finden sein wird. Natürlich ist eö daher, daß d« Lehr« mir einem ganz unbezwingbaren Wid«willen bei seinen Schülern fortwährend zu kämpfen bat. Ta haben Sie nun im Wesentlichen eine Skizze über die -OieligionSschulen und ist es Zeit, daß endlich auch dies-B«hältnisie in die Oeffenllichkeit gebracht werden. Ich würde mich freuen, wenn ich vielleicht B«anlassung gegcbm hätte, daß diese Frage mit Energie «griffen und, die Schäden mit Offenheit aufgedeckt würden. Wenn wir uns auch nicht Aussicht auf eine bessere Earriere dadurch zu «öffnen vermögen, so wollen wir uns wenigstens sagen können, gegen solche erbärmliche Verhältnisse öffentlich protestirt zu haben, weil wir uns d« Gefahr nicht aussetzen dürfen, «in Urtheil üb« uns «geben zu .lassen, daß Lehrer, die zu einer solchen Lage schweigen, kein« bess«en werth sein müssen. Paris. 18. Nov. He« L. M. Rothschild, Juwelier auS London, hat der Alliance israelite universelle eine Summe von Frcs. 10,000 zugcwendet, zur Bildung einer jüdischen Bibliothek und hat ferner derselbe 250 Frcs. jährlich zu den Kosten d« Gesellschaft gezeichnet. Paris, 15. Oktober. Baron James von R o t h s ch i l d i n P a r i s ist diesen Morgen nm 6 Uhr gestorben. Der Verewigte war am 15. Mai 1792 geboren, demnach mehr als 76 Jahr alt. Nicht d« Reichthum, sondern die edle Benützung desselben, die wahrhaft königliche Wohlthätigkeit, die er im Sinne und Geiste des Judenthums ausübte und ausüben ließ — Er unterhielt bekanntlich ein besonderes Wohlthättgkeitsbureau.'an dessen Spitze He« Albert Cohn steht — sichern dem Verstorbenen einen Ehrenplatz unter denjenigen, deren sick die Nachwelt dankbar erinn«t. Keine mohlthätige Anstalt, wo sie auch existirte, wendete sich vergeblich an seine Munisicenz. So war Er auch unter den Ersten, welche unserer Achawa eine bedeutende Gabe zufließen ließen. Er war ein Edler in Israel, in jedem Sinne des Wortes: mit Wärme dem Glauben der Väter anhhrglich, hochgeachtet bei Allen, ein Großer unter den Großen dies« Erde. Hu den in jüngster Zeit, in Compiegne gegebenen Kaiserlichen Festen in erster Reihe eingeladen, wurde er an der Theilnahme durch die eingetretene Krankheit verhindert, die seinen Tod herbeiführte. Er rnbe in Frieden! — Pari- Der junge von Halcvi mitgebrachte Falascha ist der von der Alliance gegründeten orientalischen Schule übergeben worden. — Für das Consistorial-Rabbinat Colmar bat der Rabbiner Isaak Levv in Lüneville die meisten Aussicht«!, gewählt zu werden. Derselbe ist auch literarisch bekannt durch seine Tckrift-Vertbeidigung des FudenthumS oder Prüfung derVorurtbeile gegen ^Israel und seinen Glauben." — Der König von Preußen bat deur hiesigen jüdischen Arzte vr. Otterburg für seine Verdienste um die hier wohnenden, insonders dürftigen Deutschen den Kronen- Orden verliehen. London, IN. Nov. General Prim bat einen Brief an Herrn H. Guedalla, Vorstand der. spanischportugiesischen JSraelitengemeinde in London gerichtet, folgenden Inhalts: Mein Herr! _ Ich tiabe das Beglückwünsckuugsschreiben, das Sie an mich im Namen Ihrer Glaubensgenossen zu richrendie Güte hatten, empfangen. Ich danke Ihnen für den Ausdruck d« erbebenden Genibte, die Sic barlegten Ich bin überzeugt, daß der Triumpb der Revolution die religiöse Freibeit ohne irgend welche Einschränkung herbeisübren muß, aber es geziemt mir nicht, zu bewilligen, waS Sie von mn verlangen, so gerecht dies Verlangen auch ist. Wollen Sie sich doch mit Ibrem Gesuche direkt an die vrovisoriscke Regierung od« an d«en Präsidenten wenden iw derselben Weite, wie Sie das a» mir getban baden; und

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