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Der israelitische Lehrer · 1868-11-11 · 46 (11.11.1868) · p. Seite 271

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
46 (11.11.1868)
Date
1868-11-11
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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—I 271 — Literarisches. Theologisches. Universal-Lerikon zum Handgebrauch?, für Geistliche und Nicht-Theologen, i. Lieferung. Elberfeld 186K. N. L. Friedrichs. ' Bon diesem Werke sind bereits 6 LieferuUgcn erschienen; es scheint demnach einen raschen Fortgang zu haben. Dasselbe soll complet in 30 Lieferungen ä i» Sgr. auSgegcben werden; das Ganze, auf '»Thlr. sich berechnend, ist demnach kein zu hoher Preis. Der Behauptung der Unentbehrlichkeit eines solchen Werks, selbst für Nichttheologen, stimmen wir zu! wie auch daß die bisherigen gleichartigen Werke theiw zu lückenhaft, theilS zu umfangreich für diesen Krem der Leser lind. Aber dieses Werk entgeht dem Tadel der Unvollständigkeit in der Ausführung der Artikel auch nicht, nicht einmal den Nichttheologen gegenüber, geschweige dem wissenschaftlichen, Belehrung suchenden Theologen. Biographien und geschichtliche Erklärungen sind oft gar zu dürftig> Diese Dürftigkeit fällt uament lich in den Artikeln der jüdischen Theologie ans; diese 'scheint uns sogar nicht durch einen Fachmann vertreten zu sein, denn ausser der Mangelhaftigkeit fiel. iS oft dieser n»S auch die Fehlerhaftigkeit auf. Man sieht gar zu dentliih, daß man sich für die Artikel Branche auf irgend eine kurze Notiz aus anderen, älteren encyklovadischen Werken beschränkt habe, Selbst die hebr. Orthographie läßt zu wünschen übrig, wie die Genauigkeit der biblischen (Zitate. Wir wollet nicht tadeln, sondern nur zur Derbesierung und Vervollständigung aneifern. Denn auch für christliche! Kreise tbut erweitertes' Wissen über jüdische Gegenstände Noth. Wir führen beispielsweise an: „Abnet"; di« nicht bloS Bezeicknung des Gürtels am Sterbekleide,'wofür dieser technische Ausdruck nicht einmal allgemein üblich ist, sondern zuerst und zunächst Gürtel am Priesterkleide (Er. 2*, 4). Im Artikel „Abrabam" ist dessen Berus als Wcmder-^Prediger gar nicht erwähnt, — und dieser ist doch ' charakteristisch. „Adam" gleich Edom „roth" zu deuten, wäre nur dann zu billigen, wenn man ihn als Sohn der „rothen Erde" bezeichnen wollte, denn die nächste Beziehung hat dieses Wort zu Adomoh „Erde" und will den Menschen als „Erdensohn," aus Staub geschaffen, hinsiellen. Bei „Altar" fehlen die Beziehungen zu -rnda, xv'2, Ausdrücke, welche dem Wortbegriif „Altar" von nltum „Höhung" zunächst entsprechen. Bei „Amen" fehlt das Amen der Benedicttonen und überhaupt die Angabe der Stellung des „Amen" zur früheren Liturgie. Die Psalmbücher schließen wohl thcilweise mit Amen, aber meist folgt der Recitation oder dem Gesänge der Psalmen in der Synagoge ein Amen. Die Ueberi'etzung deS Wortes ist angegeben, der Begriff desselben fehlt. „Amulet," der Gebrauch von Amuleten isi in der Bibel nicht nachweisbar, am wenigsten bei MofeS Die Citate sind wie oft falsch und wahrscheinlich ohne Prüfung nachgeschEben. „Angelophanie" der Engel - erscheinungen in der Genesis geschieht nickt Erwähnung. „Arburo" ist nicht von Juden getödtet worden. Die neueren Forschungen über diese geschichtliche Lüge sind unberücksichtigt geblieben. „Arzneikunde" iie Priester batten nicht blos eine polizeiliche Stellung zur Ausübung dieser Kunst. „Auferstehung," ,das Berbälkniß, der Pharisäer und Saducäer zu dieser Frage isi falsch, nach dem veralteten Standpunkte, dargesiellt. Artikel wie „Abhängigkeit" sind ausschließlich vom «einseitig, christlichen Standpunkte aufgesaßt; in specifisch christlichen Artikeln wie „Antichrist," „Apocalypsc" fehlt die nothwendige Bezugnahme. auf die entsprechenden Ideen im Judenthum. Wir beschränken uns verläufig zur Chäraklerisirung des WerkfS aui den Bucksiaben A. ' \ ., N. ♦ , Die Bibel und die Todesstrafe von l)r. Kohler. Leipzig F. W. Pardubitz Die Todesstrafe findet ihre Hauptanhänger unter den Buchstaben-gläubigen Bibelfreunden. Der^Verfafser unternimmt es mit Glück sind unier unsrer vollen Zustimmung, aus dem Geiste, der Bibel die Abschaffung der Todesstrafe zu rechtfertigen. Jedoch vürften einige Berichtigungen und Erweiterungen nickt unerwünscht sein. Irrig iü es, wenn die starre Buchstabengläubigkeit und das Widerstreben gegen die geistige Entwickelung der Mensckheil auck als den Principien des Jndenthums entsprechend hingesrelli wird. Hierdurch widerspricht die erste Seite des Büchleins, wo der Berf. dies «aussprichr, der letzten, wo er aus dem fortschreitenden Geiste der Bibel die Absckasi'ung der Todesstrafe rechtfertigt'.- Im Gegen- >satz zur heidnischen Anschauung (Prometheus) lehrt vieluiehr die Bibel von vornherein die geistige Begabung und göttliche Ebenbildlichkeit des Menschen, und die ganze Geschichte des Judenthums iy Bibel und Talmud, in Vergangenheit und Gegenwart'beruht auf fortschrittlicher Entwickelung. Die Feindschaft gegen wissenschaftliche Fortentwickelung, die starre Orthodoxie der Buchstabengläubigkeit ist mit vielem anderen vom .Heidenthum ins Christentbum aufgenommen und von hier auch theilweise dem Judenthume mitgethcilt worden. Ursprünglich ist sie in letzterem nicht. Wir begreifen auch nicht, warum der Bors^ als ein Freund i des geistigen Fortschritts gegen die intellectuell^.(Buckle) die moralische Entwickelung der Menschheit in Schutz nimmt. Die .eine besteht vielmehr nicht ohne die andere. Die Moralität hat nur ihren sicheren Halt, wenn sie nicht blos äußerlich erzioungen und.erheuchelt, sondern durch eigene Erkenntniß und Entscheidung gestützt und zum freien Bewußtsein gekommen ist.

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