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Der israelitische Lehrer · 1868-11-11 · 46 (11.11.1868) · p. Seite 269

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
46 (11.11.1868)
Date
1868-11-11
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 Menschen, das Erbarmen gegen alle Nothleidenden, ohne Unterschied des Glaubens — aber vergesset über die Fassung die Perle nicht — vergesset überdi« Offenbarung des „Gott mkb uns" unter der jetzigen Menschheit den Zusammenhang nicht mit eurer Vergangenheit, und setzet die Perle in's rechte VerhLltniß zum Edelstein, daS jüdische Herz, das tieffühlende, zu dem jüdischen (leiste, dem vorurtheilsfrei denkenden. Dann wird euch und euren Kindern das Leben unter den Völkern werdenzu einem Erntefeste eurer Vergangenheit, zu einem Freudenfeste eurer Gegenwart, und ihr werdet wohnen beglückt und beseligt in der „Hütte des Friedens." HI. Pon solchen Anschauungen ausgehend, voiz solch reinmenschlichem, von solch allgemein menschbeitlichem Standpunkte aus, wird es uns leicht und froh gelingen, das Dritte auszuführen: Gott offenbart sich in der Geschichte der Menschheit. Es gab eine Zeit, es war diejenige, worin die Schriften des Talmuds entstanden, der uns, in enge Judenzassen eingeschlossen, so lange nur einen -sehr beengten Gesichtskreis vergönnt hat — es gab eine Zeit, wo die heidnischen Volker, in den Tagen der entarteten römischen Kaiser, so tief gesunken waren, daß, im trostlosen Hinblicke aus solche Zustände, der Talmud nur Israel als den Inbegriff alles Menschlichen anerkannte, wo er den harten Ausspruch that: attew Ireruzim Adam „nur ihr, nicht die verweltlichten heidnischen Völker, seid werth, Menschen genannt zu tperden;" wo er den bochmüthigen Gedanken aussprach : col haolatn „das ganze Weltall ist nur geschaffen worden um Israels willen." Da bildete sich — in erklärlicher Antwort auf die feindselig ausichließende Gesinnung anderer Religionen, auf jene Geltendmachung eines alleinseligmachenden Glaubens, auf jenen Ruf der Verdammniß: „außer eine'' bestimmten kirchlichen Gemeinschaft, kein Heil" — anch innerhalb Israels ein verwerflicher GlaubenSstolz, ein alles Andere geringschätzender Hochmuth, der nirgends strafwürdiger ist alH aus dem Gebiete der Religion, welches große Wart, nach seiner Abstammung aus der Römersprache, bedeutet: ein Band, und daS sein soll, wie es Einen Gott gibt für Alle, Ein Band um alle Menschen. — Finstre, traurige Zeiten, wo der Geist umnachtet, daS Herz verfinstert, beide Kleinode,getrübt waren — Gottlob! ihr seid vorüber, oder doch im Schwinden begriffen! — Und wir, Israeliten, so lange ausgeschlossen von außen und uns abschließend im Innern, und durch Beides zurückgeblieben in unserer Bildung, wir gingen, alS der Zutritt zu den Quellen der Wissenschaft uns gestattet war, in die Schule bei den Völkern — wir lagen da als Schüler hinzestreckt zu ihren Füßen,*) ' und nahmen auf von ihren Worien, und auch das wurde uns Tora... zu einer. Lehre, die uns Moses anempfohlen; denn auch Er, der erhabene Gottesmann,-stand auf der Höhe-seiner Zeit, erfüllt von der ganzen Wisienschaft seiner Zeitgenossen.;—Da gingen uns die Augen aus; da saben wir ein, ^daß der Edelstein des Geistes, die Perle des Herzens, nicht bloS zu finden in Israel: nein! daß sie seien das Erbtheil der Menschheit, und daß die' kostbaren Juwele, worein beide gefaßt, nicht blcs "der Tora, den Propheten, den Psalmen, dem Talmud unte den Rabbinen, sondern Tausenden von-großen Geister,', und edlen Menschen-Herzen unter allen Völkern angehören. — Indien ist ein Land voll Abgötterei, aber die ncuerschlossenen Schätze seines Schriftthums bieten für Geist und Herz -die erquickendsten Gaben dar; Persien beut uns die feurigen Ro'en seiner Dichtkunst; Arabien reicht un.S die duftenden Gewürze seiner Lieder, und Rom und Griechenland, überliefern uns die nicht genug-zu preisenden Erzeugnisse ihrer großen Lehrer und Sänger, welche den Geist erheben und das Gemüth veredeln Leides vereint zur Schönheit des Lebens. — Utu Italien eröffnet im Mittelalter zum zweiten Male den Reigen, und Spanien schließt sich äu, und England in dem größten Dichter der Wesi folgt nach, und Frankreich bleibt nicht zurück, und zuletzt und über 4klle in deinen Geistesheldeu strahlest Du, deutscher Geist, erquickest Du, deutsches Gemürb! — Ein Geist offenbart sich allüberall — die Menschheit ist eine einige; den einig ist der Geist, und einig durch den Geist soll werden das Herz! — Es ist heute Sa mm elfe ft Chat» haasif —_ und sie sammeln sich Alle um uns, die großen Sendboten Gottes, durch die er sich offenbart in dem durch sie von seinenJrrtbümern befreiten Geist, daß er sei unser Esra, ein Heller der vcramchreitenoen Völker; durch, pie er sich offenbart m dem durch sie sittlich veredelten, H erzen, daß :S sei nnier Rechemja, unser Tröster, wenn da und dort, noch Jrrthümcr und mißleitete Gefühle trennen die Menschen. Wir aber, Israeliten, wollen sterS verbrüdenide Brüder, sein; wir streben zu euch, iür Völker der Erde; nebmet uns liebreich am! — Mai: bat einst im Tempel an diesem Feste 70 Opfer geweibt, nach der Anzahl der 70 Urvölkerschasten der Erde; auch unsere Feste sollen stets in-dem Gedanken gefeiert werden, daß unsere aufopfernde, hingebende Gesinnung gelte der gesammten Menschheit. —. Aber sie sind und bleiben doch unsere Feste. — Bei allem Zuge zur Menschheit wollen wir nickt in sie aüfgeben und uns auf- *) Brgl. 5 B. M. 33, 3, 4.. J

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