Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 46 (11.11.1868)
- Date
- 1868-11-11
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431930--2170-4898552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 266 — welche daher die Träger unserer heutigen Betrachtung , sein werden. *) . , j Mit ESra fängt dH eigentliche Geschichte dts Judrnihums an, jn, das Judenthum selbst, wiorunter wir -den Inbegriff aller unserer religiösen Einrichtungen und Zustände verstehen, wie sich dieselben zuverlässig von;enen Tagen an fettentwickelt habien bis auf unsere Zeit. Bor Esra Alles schwankend und unzuverlässig! Die Tara vergeben. — Ganze Königsgeschlechter in Judäa wissen nichts von ihr [— wie mochte es da mit dem religiösen Lehen auch unter den frommen Königen ausgeseben haben? Klare Kunde daniber fehlt. In den bezüglichen Berichten ist aber v o n derFeierderhöchsten Tage leine Spur. Gedächtnißtag — Versöhnungstag — Offenbarungsfest nirgends erwähnt — nur der zwei großen Nationalfestr Pessach und Sureosth wird gedacht, aber auch diese waren wankend und schwankend. Erst m-don Tagen des frommen Königs Jcsia. so spät, kaum einige Jahrzehnte vor der Ä abyloni'chen Gefangenschaft wird das verlorene und vergessene „Buch des.Bundes," Moses heiliges Gesey, aufzefunden im Tempel und dem staunenden, ergriffenen Volke vorgelesen. .Welch em betrübender Schluß läßt sich daraus aus die Unwissenheit ünd Lässigkeit des Volkes in religiösen Dingen ziehen — aber wie die religiösen Angelegenheiten georb: let, oder wohl höchst ungeordnet, mochten gewesen ein — de. Einblick in diese Zustände wird uns evig verwehr: bleiben. Es fehlt das Licht der Geschich: c. Die'e ^ichlsaal zählt ihre Tage von dem gotlessürchtizew großen ESra. Er ist der Vater und Urheber des Judenthums > ein'zweiter Moses, wie ibn auch der Talmud anerkennt. Er, „ha-sophor,“ der Schnstgelehrte,. der Mann der Wissenschaft, der Sammler der heiligen Bücher, der Stifter der großen Syneoc. -dxr Urheber der Synagoge, der Begründer unseres Gertesdienstes, der Lehrer und Erklärer der Tora, er brachte das Licht, er brachte den Geist — und deshalb ist -sein Name schon io bedeutungsvoll Esra heißt der Helfer —denn der Geist ist ee, der Hilst und vorwärts führt. Und neben ihm steht Nechemsa. ein höchstgestellter Beamter am persischen Königsthrone, undsiehe! er verläßt diese hohe Stelle, aus hingehender Liebe für sein Volk und für sein *) Dek weltbürgerliche Grundgedanke des Festcyclus war „Gott in Allem." i-Reujahr: Gott im Menschen (Aham). 2) Vorabend des Bersöhmmgstages: Gott in der Familie (Abraham, Isaak und.Jakob-. .3) Am Morgen: Gott im Volk« (Moses und Aaron). 4) Schluß-Abend: Gott in Kampf und Frieden der Volker (David und Salpmo). 5) Hüttenfest: Gott in der Geschichte (Esraund Rechemja). tz> Schlußfest: Gott in der geeinigten Menschheit Mefsta«>. heiliges Heimathland. Das ist ttöstlich, solche hochherzigen Menschen zu finden, in der Gemeinde, im Volke, in der Menschheit, die das allgemeine Beste höher stellen als ihren eigenen Vottheil, weil sie's tiefer und inniger lieben. Dazu gehött Herz — und das liegt in seinem Namen— Nechemja heißt Tröster — und das Herz ist es, das uns beim Hinblicke ayf großherzige Menschen tröstet, wenn wir Haß und Lieblosigkeit so oft walten sehen in den Begebenheiten der Welt. ” Ia, Gott offenbar: sich in derGeschichte hoch und herrlich im erleuchteten Geiste und im freudig hingebenden Herzen edler Menschen. Daran wollen wir uns erbauen an diesem Tage, an welchem wir feiern die Offenbarung .Gottes in der Geschichte, in der Führung deü einzelnen Menschen, Israels und der Menschheit. l. In der Geschichte des einzelnen Menschen. Wie offenbart sich Gott durch jeoen Einzelnen von uns in der Menschheit? — In Allem, waS wir leisten kn und für die Welt durch den Geist, durch da^ 'Herz, in ihrer innigen Verbindung. — Moses nicht allein, der ernst erhabene; seine Hoheit und ge stig strahlende Herrlichkeit stieg so weit, daß das göttliche Licht von seinem Antlitze leuchtete, wie von einer höhern Erscheinung, und eine Scheu das Volk ergrff, zu ihm aufzuschauen —Also gibt es Menschen, bii sich nur ergehen in den liebten Höben des Geistes. < Ehrfurcht erfüllt uns, aber unser Herz bedarf der liebesanften, wohllhuend erfreuenden Begegnung. — Darum war Moses Aaron beigesellt, der mildversöhnliche Priester. — Aber auch Aaron ificht allein — denn 1 2 * * 5 von Schwäche frei ist der edle Priester nicht zu sprechen — wie Moses entkernt war, ging er und sühne er irre — nud so darf auch vaS Herz nicht allein wglten im Menschen, daß er nicht irre gehe, daß ihm das Licht nicht fehle. Strebe in Beidem Dich in Deiner Wirksamkeit unter den Menschen zu offenbaren,; daß in Dir sich offenbare der einige Gott, in dep Klarheit des Geistes, in der Wärme des Herzens, So ist mir jünßst über diesen bedeutungsvollen Gegenstand ein herrliches Gleichniß begegnet, das ich nicht versäumen darn euch mitzutheilen. Ein Mann hatte von seinen Eltqrn zwei höchst rverthvolle Kleinode geerbt, von seinem verewigten Vater einen im klarsten Waffer leuchtenden Diamanten und von seiner unvergeßlichen Mutter eine Perle von. seltener Reinheit und Größe. Es galt-nun, sie in Einen Schmuck zu fasien, wie das Andenken seiner theuern Eltern