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Der israelitische Lehrer · 1868-11-04 · 45 (4.11.1868) · p. Seite 261

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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261 tragung zweckentsprechender Gedichte ihren Lehrer und Seitens seiner Gemeinde wurden ihm kostbare Mobilien als Festgeschenke überreicht. Von seinen auswärtigen Collegen, Freunden und ehemaligen Schülern, von welchen auch zahlreiche telegraphische Grüße einliefen, wurde ihm durch den Unterzeichneten ein Portemonaie mit einer erklecklichen Summe übergeben. Des Nachmittags gäben der Jubilar und seine Gäste einer herzlichen Einladung des Vorstandsmitgliedes Herrn E. Schüler von hier Folge, wo in den herrlichen Räumerz seiner Behausung Herr und Frau Schüler ebenso angenehme als heitere Stunden bereiteten, die den schönen rehrertag noch verherrlichend, gewiß bei den Festtheilnehmern in dankbarer- Erinnerung bleiben werden. Wie aber keine ,\-reufce ohne den bitteren Tropfen der Wermuth zu sein pflegt, so war auch dieser Tropfen dem Jubilar und seinen Collegen nicht erspart, denn zum Feste war dessen leider im i Amte erblindeter und von seiner Gemeinde deshalb entlassener Bruder, der tüchtige und allbeliebte Lehrer Salomon Wolfsdorf am Arme eines Führers erschienen. WaS wir empfunden beim Anblicke dieses unseres geliebten Freundes, der noch vor eineni Jahre in rüstiger ManneSkrafl durch körperliche und geistige Vorzüge sich auszeichnete, nun aber ohne Amt, ohne Subsistenzmittel, sogar ohne festen Wohnort, sich, seine Frau und Kinder dem Mangel und Gend preisgegeben sieht und deshalb von Gram und Sorgen bis zur Unkenntlichkeit gebeugt ist — läßt sich nicht gut in Worte kleiden. Wir trennten uns am späten Abend mit dem gegenseitigen Versprechen nach Kräften zu wirken, daß das unglückliche LooS unseres erblindeten Collegen ihm weniger fühlbar werde*) und mit'dem Wunsche, daß überall zwischen Lehrer und Gemeinde ein so friedliches Verhältnis; wie zwischen dem Jubilar und der seinigen obwalten und dieses Verhältniß noch feinen Lebensabend vergolden'möge. _ L. Mandel, Lehrer. *) Salomon Wolssdorf ist Mitglied der Achawa und wir dürfen, ohne den Entschli-ßimgen der Verwaltung vorrugreifen und ohne gegen den Grundsatz der Diskretion zu verstoßen als Mitglied der Verwaltung aussprechen, daß der, Verein seine Schuldigkeit thun wird. Wäre der Verein nicht, so würde uns di« Verpflichtung nahe gelegt sein, für den erblindeten Collegen eine öffentliche Sammlung anzuregen. Unter den bestehenden VerhälMiffm ist. dies unthunlich Die betreffenden Theilsummen werden für einen erst vier Jahr bestehenden Verein nicht unbedeutmd sein; aber sie sind selbstverständlich dennoch unzureichend zur Ernährung einer Familie, der sonst alle Subsistenzmittel abgehen. Dabei sind leider noch mehrere ähnliche Fälle zu beklagen, die die Mithülfe unseres Vereins in Anspruch nehmen. Ach, wir haben als Mitglied der Verwaltung der Achawa be- . soiwers in diesem Jahre leider mehrfach Gelegenheit gehabt, in das unverschuldete Elend mancher würdigen Lehrersamilie Einblicke zu thun, die unser Herz heute noch erzittern machen, Bayery im Oktober. Die Religicnslehrerstelle in Nürnberg wird in einigen Wochen besetzt sein. Gemeldet hatten sich nicht weniger als 102, mit Worten: ein hundert und zwei, Bewerber.- Darunter, eine Anzahl Rabbiner, Rabbinats - Candidaten und Doktoren^ > welche Rabbinat und Schule zugleich übernehmen! wollten. Man war jedoch ' an' maßgebender '-Stelle der richtigen Ansicht,^ein Rabbiner sei noch kein guter Lehrer, wie ein Lehrer nicht das Amt eines Rabbiners auszufüllen vermag. . Sooann schied man die Ausländer aus, was wieder suir ganz in der Ordnung war und die k. Regierung auch nicht anders zuzelasien hätte und von den, nun verbleibenden etlichen, und ">0 Bewerbern wählte ein aus -t Mitgliedern bestehender Ausschuß fünf der tüchtigsten aus, die sich der Rsibe nach als Vorsänger hören zu lassen haben. Dsr Erste nach alphabetischer Reihe hat sich dessen jedoch ge weigert, und der andere hat sich nun gestern hören lassen. Sind diese Gastvorstellungen beendigt, jo wählt ein aas 17 Mitgliedern bestehender Ausschuß den Glücklichen, welcher diese allerdings-lukrative Stelle erhält. Unseres BedünkenS hätte die reiche Gemeinde Nürnberg besser gethan, die Stelle zu tbeilcn und einen tüchtigen Lehrer und einen gehörig musikalisch gebildeten Cgntor anzustellcn. Der'Ertrag der Stelle hätte dazu genügt. , Eine andere Entscheidung von allgemeiner principieller Wichtigkeit wurde dieser Tage auch sin dieser Gemeinde getroffen. Das zuständige Rabbinat Fürth hatte die Errichtung einer Mikwah als Gemeinde- Institut beantragt, der Vorstand es verweigert. Nachdem nun die Frage durch alle Instanzen bejahend entschieden war, hat nun auch der StaatSratb, an den sogar dtr Vorstand od^r vielmehr zwei Mitglieder derselben rekursirr hatten, ausgesprochen, eS müsse so wir daran denken. O, daß Und wir könnten he'sen, wenn wir mchr Allen Hellen können! wir Lehrer nur einig waren;; Lehrer verschlösse, und sie vom wenn die Selbstsucht nicht die Kerzen so vieler besserstehenden Beitritt zu einem Vereine sich i zurückhicllen, l er die Thräncn, die Roth, das Elend chz^c'Dru- |. der im hcilgen Amte der Erziehung und des Unterrichts zu - lindern berufen ist; wenn sie Ämth u..d Hingebung besäßen, für i einkn so notwendigen Verein das zu thun, ivaü sie oft für - ,apder« Zwecke thun, die uns j.dpnfalls feeaee liegen. Die Aufgaben der „Achawa" sind nicht mehr fernliegendc bloße Vor- Nchtsmaßregela, sie betreffen Fällder nahen WirkiichkeN, sie tief ins Herz schneiden. Da ist der erblindete, säst noch jugendliche Familienvater, vor dessen Geist ein langes Leben voll Elend vorübcrziehen müßte; seine Hoffnung ist die „Achawa" \ d. i. die Bruderliebe, insbesondere tcincr College». Dort ist ein Vater mit 6, dort nißr 7 Kindern — beide krank, dunstuniähig, hilfsbedürftig in hohem Grade! Hier eine Witlwc mit 8 zumeist unerwgencn Kindern und dann allcsnstehcnde Greise ui:d Wiltwen. Wessen Herz dir nicht spricht, der rede nicht mehr' von Menschenliebe. Darum, Ihr Brüder, auf! helfet! Gedenket Eurer Pflicht. Wir werden und müsien aus unserem Posten aurharren! Wir müssen!' •' Redaction des „JSr. L"

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