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Der israelitische Lehrer · 1868-11-04 · 45 (4.11.1868) · p. Seite 260

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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1-, 260 demisch-gebildeter Mann auch stets ein tüchtiger Religionslehrer? Thatsachen reden, und darum möchte ich darauf aufmerksam machen, daß wir Israeliten in Hessen sebr tüchtige Rabbinen haben, ob sie Ille aber in der Eigenschaft als Religionslehrer für die VolksschuMasien ebenso tüchtig sind, mochte dahin, gestellt bleiben. Ein Rabbiner kann in seinem Fäche sehr tüchtig, braucht aber darum noch kein tüchtrger Religionslehrer zu sein; nichtsdestoweniger gibt es auch solche, die beide, Fächer sehr gut vertreten. Ich möchte fragen, ob die akademische Bildung, wiewohl sie gewissermaßen eine höhere als die seminaristische ist, zum Schulmeister, zum ganzen und wahren Schulmeister befähigt?. Die Lokal-und Hauptschulinspektionen, sowie die Unterrichtsmethoden mancher christlicher und jüdischer Geistlichen sind uns bekannt. Eschwege würde viel besser thun, weitst sie eine jüdische Realschule gründete. Die Kostet!' konnte die jüdische Gemeijid^, die sehr wohlhabend ist, wohl gut aufbringen. Lippstadt, 11. Oktober. Am 5. d. M. würde unter vielseitiger Betheiligung das 25jährige Dienftjubiläum des verdienten Lehrers R. Wolfsdorf in Erwine gefeiert. Obgleich Erwitte IV2 Stunde Pom Bahnhofe entfernt und der starke Regen die dahinführenden Wege fast ungangbar gemacht, so waren dennoch 10 auswärtige Lehrer zu der Feier eingetrofsenwcrunter auch Goldstein von Grevenbroich, der,, als ehemaliger Schüler des Jubilars, eine Reise von 30 Stunden unternommen, um den Ehrentag seines Lehrers verherrlichen zu helfen. Auch'hatte sich, was besonders hervorgehcben zu werden verdient, der Kaufmann R. F i f ch b e i n von Dortmund, aus Erwitte gebürtig, dort eingesünden und sich den Lehrern angeschlossen. Um 10 Uhr würde der Jubilar von seinen Collegen und Gemrindeinitgliedern'zum Gotteshause geleitet, woselbst ein Festgottesdienst, bestehend aus dem recitativischen Vorträge der Halle!-Psalme, Prfdigt und Gesang stattfand.. Der Nestor aller jüdischen Lehrer Rheinlands und Westphalens, der selbst vor 3 Jahren sein 50jähriges Dienstjubiläum gefeiert,! der immer noch geistig schaffende L. Liepmannsrhn von Horn, hielt die eigentliche Festrede, die fast kein Auge thränenlos gelassen. . Besonders rührend war es, wie der würdige Greis, der trotz seiner eminenten Verdienste um Schule und Synagoge den Kelch der Lehrerleiden bis stir Neige leeren mußte , auf eigener Erfahrung ffußend, iu geflügelten Worten die Umstände und Verhältnisse schilderte, die. dem Streben deH berufstrcuen jüdischen Lehrers entgegenwirken, und! die ihn statt Freuden oft Leiden und statt des Dankes oft Undank ärndten lassen. Schließlich drückte er seine Hoffnung auf die Besserstellung der Lehrer im Worte des heidnischen Sehers: .snp toi nny 'Wix aus, obschon er deren gänzliche Verwirklichung mitzuerleben nicht mehr erwarten dürfe. Hierauf sprach Go Idstein in gemüthlicher, au» dem Herzen kommender Weise über Dankbarkeit der Schüler gegen den Lehrer, schilderte die Verdienste des Jubilars als treuer und aufopfernder Lehrer und überbrachte ihm die Glückwünsche seiner ehemaligen, jetzt in Brüssel und Paris lebenden Schüler. Sodann redete Cr am er, Lehrer in Neuenkirchen, der gegenseitigen Freundschaft der Lehrer, besonders der seinigen zum Jubilar, da» Wort und hob hervor, wie diese Freundschaft im Seminar zu Münster ihren Anfang genommen und wie seitdem dieses Band immer inniger und durch keine Zwischenfälle gelockert wurde, wie der Jubilar ihn auf seiner ersten Stelle in sein Amt und auch vor Kurzem in das zweite Vierteljahrhundert seiner Thätigkeit eingeführt und schloß mit dem Wunsche, daß trotz der in Bart- und Haupthaar zum Vorschein kommenden Kirchshofsblumen der Tag des 50jährigen Jubiläums beide Jubilare, noch in gleicher Vollkraft und Rüstigkeit ihrer Berussthätigkeit. obliegend, antreffeit möge. Hierauf beglückwünschte in poetischer Form unter Zugrundelegung des Priestersegens der Unterzeichnete den Jubilar. Letzterer bis zu Thränen gerührt, zollte in ergreifenden Worten seiner Gemeinde und den anwesenden College«! seinen Dank, undindem er über seine 25jährige Thätigkeit sich verbreitete, gedachte er in kindlich-rührender Weise seiner in Gott ruhenden braven Eltern und betonte mit von Thränen erstickter Stimme, daß er von seinem Vater die Ehrenhaftigkeit des Charakters, von der Mutter aber ein tiefempfindendes Gemüth und den Drang nach ununterbrochener Thätigkeit geerbt habe und hob mit Dank gegen Gott hervor, daß vor dem Antritt seiner gegenwärtigen Stelle sein Lebensschifflein sich auf einem von sich kreuzenden Orkanen durchwühlten Ocean befunden und er einen rettenden Hafen zu finden nicht mehr gehofft habe, daß es dessenungeachtet hier in einen solchen eingelaufen, dessen Gewässer, da das Meer nimmmer ganz ruhig, sich wohl gekräuselt, aber bisher von keinem Sturme durchgepeitscht worden sei und hoffentlich, da die Sonne wahrer Lehrerwürdigung immer größere Kreise erleuchte, wie der heutige Tag zeige, auch in Zukunft diese Ruhe nicht gestört werden wird; und umsomehr sei er zu dieser Hoffnung berechtigt, als ein inniges Band sich um ihn und um die einzelnen Mitglieder der Gemeinde schlinge. Nach beendigtem Gottesdienste versammelten sich die Festtheilnehmer des Jubilars zu einem frugalen Mahle, welches durch launige Reden gewürzt wurde, wobei besonders Lehrer Löwenstein aus Dortmund durch witzfunkensprühende Toaste die Anwesenden ergötzte. Vorher begrüßte die Schuljugend durch Bol«

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