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Der israelitische Lehrer · 1868-10-28 · 44 (28.10.1868) · p. Seite 254

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
44 (28.10.1868)
Date
1868-10-28
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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Ist ja leider der Gedanke der Rießerstiftuiig,der doch ein Mann unserer Zeit war, nicht zur erwarteten Ausführung gekommen. Wir wollen nicht untersuchen, warum, aber — es ist eben so und wird noch lange nicht anders werden. Die wohlmeinende Absicht, zu seiner Erinnerungeine Kasse für hilfsbedürftige Lehrer zu bilden, müsftn wft noch mehr als Selbsttäuschung betrachten. Wenn unsere Zeitgenossen ihren Lehrern helfen wollen, so bieten die bereit« bestehenden Vereine, so bieten „Achawa" und der rbeinisch-westphälische Verein die Gelegenheit^ und den Manen Jacobsons, der genug gelban hat, um seift Andenken in dauernder Erinnerung zuerhalten, - würde Genüge gethan sein, wenn die Gaben zu seinem Andenken diesen Vereinen zuflößen. Noch mehr der Zersplitterung?! Die Zeitgenossen fthen das leiblicke Elend ihrer Lehrer!vor Augen. Wenn diese die Wohlthätigkeit nicht anregen, sollte es der Name eines längst verstorbenen, eolen, aber vielen unserer Zeitgenosien ganz ftemden MaftneS rhun? - *; Wohl im Hinblick auf diese Säcularfeier ist stock eine andere, höchst'bedeutungsvolle Schrift erschienen: „Die Jaeobsonschule zu Seesen a. Hairz" von dem Direktor der Anstalt Or. Arnheim. Sie ist geschmückt mit dem Bildniß des edlen Stifters. Es geht uns mit dieser Schrift, deren Besprechung aus manichfachen Gründen in diese Blätter gehört, wie mit vielen andern—gerade den besten und bedeutungsvollsten zumeist. Wollten wir sie ihrer Bedeutung, ihrem Wertbe nach beurtheilen, so müßten wir sie! abschreiben. Wir verweisen/ daher die geehrten Hescr auf die Schrift selbst, die durck Vieweg in Bräunschweig zubezieben ist.*) Sie ist ein würdiges Denkmal für den Stifter eines solcken Anstalt, süriden edlen Kämpen hoher und bedeutungsvoller Bestrebungen. Tein Andenken bleibe bei uns zum Segen. Frankfurt <r 2JL^20. Cct Die franz. Zeit- I sckrift erzählt, daß dcutscke Inden an die! Madrider Negierung die Anfrage gerichtet haben,' ob! ne zur Niederlassung in Spanien die Erlaubniß erhalten könnten. Tie Regierung habe ihnen geantwortet, daß eine besondere Erlaubniß nicht nöthig wäre, da die spanische Constitution die Gleichberechtigung; der Suite proclamirt habe. Wenn wir diese 'Nack-; richt auch für verftübt halten, so verdient dock die in der Geschichte waltende Nemesis unsere Beachtting in vollem Maaße. Vor noch nicht 400 Jahren bat . eine spanische Königin (Isabelle) auf Anrathen ihres Beichtvaters die Juden aus Spanien verjagt und von > jener Zeit an ging Spanien seinem Verfall entgegen.! Jetzt, da dieser Verfall .aufs Höchste gestiegen war, ' *} Ta» neueste Heft der rh. Blätter widmet dieser Schrift eine sehr freundliche und interesiante Besprechung. ermannt sich die spaniscke Nation, verjagt die sittenlose Königin und ihre geistlichen Führer, die Jesuiten, und — es unterliegt keinem Zweifel, Juden können wieder ihre Wohnung aufschlagen in diesem, von ihnen einst so sehr gefeierten Lande, dem die größten jüdischen Geister entsprossen sind. AuA Perjten Der bekannte orientalische Reisende Tschcrni berichtet nach einem ibm zugekommenen authentischen Schreiben von neuen, durch den Schach von Persien veranlaßten, gräßlichen Judenverfolgungen in Hamadan. Der Wortlanr des Schreibens ist mitgetheilt. Sn- Zweck desselben ist, fremde Vermittelung anzurufen. Möchte den Bedrängten baldige und ausreichende Hülfe werden und diese bringen oder vermitteln, wer nur kann. (Hainagid.s Aeuilkelon. ’ Der jüdische Stamm. <Aus der „Presse"). - (Schluß.) Der Jude war, was in Draper's Geschichte der Civilisation nachgewiesen wird, bereits im Mittelalter der Vermittler zwischen arabiscker und europäischer Bildung. Jellinek zeigt uns, welche Ttammeseigenthümlichkeiten cs seien, die den Juden zu einer solchen Verinittlerrolle unter den Völkern namentlick zwischen Orient und Occidenl vorzüglich befähigen. Der Jude ist particularistisch und universalistisch zugleich. Er hat ein starres Eerenwnial-Gesetz, daS er nicht von der Stelle rücken läßt, und trotz de« gemüthlich - humoristischen Metzelnippen - Liercs von U h l a n d: „Wir haben heut nach allem Brauch Ein Schweinchen abgcfchlachtet, Der ist ein jüdisch-ekler Gauch, Der solch ein Fleisch verachtet" — sind die Speisegesetze nock immer nicht abgejchafft. Aber neben dem stai-ren Ceremonial-Gesetz hat der Jude ein lebendig frisches Moralgcsetz in einem und demselben Buche mit jenem — m der Bibel. Der Jude hatte ein beschränktes, sinsteres Priesterlhum, Priester, die sich als Advocatcn der Religion geber deren, aber daneben ein Helles und lichtes Prophetenthum, dessen Reden in flainnientcr Begeisterung auflodern; er hat ferner in seinem Talmud eine dürre, trockene Halacka voll der widerwärtigsten Spitzfindigkeiten, aber daneben auch den blühenden Garten der Hagada, auf welck letzteren Gegensatz bekanntlich Heine in seinem „Romanzero" in einem farbenprächtigen Gedichte bingewiesen bat. Jellinek nennt die Formel, durch welche das geistige Schaffen drs jüdischen Stammes in der Zerstreuung bezeichnet werden kann, mit einem Worte SvnkretismuS.

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