Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- Seite 253 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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253 bald an einer mehrklassigen unterrichten, und wirkt entweder allein oder theilt die Arbeit mit'anderen Lehrern. Seine Unterrichtsstunden sind dadurch, daß seine Schüler auch andere Schulen besuchen, schwer zu wählen, schwerer, wenn Kinder gleicher Fähigkeiten' verschiedene Anstalten frequentiren. Da hat er eS, wie häufig in den kleineren Gemeinden, nur mit Elementarschülern, dort in größeren Städten mit Schülern und Schülerinnen höherer Anstalten zu thun; oft ist er nur Religionslehrer, oft auch Elementarlehrer zugleich, oft hat er in Privatschulen zu unterrichten. Verschieden ist auch seine Stellung zur Gemeinde, die oft den Lehrberuf achtet, ost auch gering schätzt. (Fortsetzung folgt.) / Literarisches- -ec.“ r’3 Catalog von hebräischen und jüdischen Bückern, Handschriften rc. Amsterdam, Frederik Müller 1868. Herr Müller ist im Besitze werthvoller Büchersammlungen; l) der des Giuseppe Almanza in Padua/ mit Ausnahme von etwa 100 Rummern, welche in" das Britische Museum gekommen sind; 2) eines TheilS des literarischen Nachlasses des durch die kabbalistische Fehde gegen Jonathan Eibeschütz im vorigen Jahr-, hundert berühmt gewordenen Rabbiners Jakob Emden s'$“2j>’) in Altona; 31 der Bibliothek des im Jahre 1864 verstorbenen Ober-Rabbiners M. I. Lewenstein in Paramaribo t Surinam) und 41 einiger anderen kleinen Sammlungen. Der Catalag ist von Herrn M. Roest fachgemäß geordnet; die bibliograpbischcn Werthstücke sind sachkundig beschrieben. Ein systematisches Register ist nachzuliefcrn versprochen worden. Es liegen hier seltene Druckwerke des 1:1. und 16. Jahrhunderts aus Italien und der Türkei vor, Werke nit' reichen Jncunabrln versehen, unedirte und sonstige Manuscripte berübmter Schriftsteller, einzelne llnica und sonstige Seltenheiten, ebenso Kupferstiche uuv Portraits. DerEatalog zählt •'>'>47 Nummern; das Faksimile eines alten Machsor- Coder ist beigegeben. Der Eatalog bat biblivgra phischen Wertb. Die schöne Sammlung kommt vom X. November d. I. an zur Versteigerung. R. Wochenbericht. Odernheim. ^ura II. Oktober 1868. Am 17. Oktober war der hundertjährige Geburtstag Israel Jacob Jacobson'S, und wurde dieser Tag in einzelnen, dem Fortschritt, der Reforni des Gottesdienstes zugeneigten Gemeinden durch einen festlichen Gottesdienst ausgezeichnet. Die Sitte, edle I Menschen, bahnbrechende Männer im Tode zu ehren, ist eine würdige lind erhebende; sie ist zugleich eine; Mahnung für die nachfolgenden Geschlechter. Die! Bedeutung Jacobsons für die Reform des Svna-! gogen-GotteSdienftes lag hauptsächlich in der hinge ' bungsvollen Ueberzeugung des edlen Mannes, daß die überkommene Form dem gebildeteren Geiste der JSrae'iten unsere : Zeit nickt mehr genügen kann; daß r Predigt, würdiger gottesdienstlicher Gesang zur Weihe, , zur Erhebung dir Gemütber beitragen müssen. So! errrichtete Jacobson den ersten Reformgottesdienst in 1 Berlin, predigte! selbst, und bestrebte für das, was er als Nothwendigkeit erkannte, die zeitgenössischen Glaubensgenossen durch guten Unterricht heranzubilden. Mit bedeutenden!, den edlen Sinn, die Begeisterung des Mannes bekundenden Opfern suchte er das, was , er anstrebte, z» fördern und zu unterstützen. In diesem Sinne zündete er die Jacobsonschule zu Seesen a./Harz. Wir w ollen nicht verkennen, daß Jacobson noch das Ziel nicht ernannte, das die Reform des Judenthums anzustreben bat, daß ihm die wissenschaftliche Erkenntniß nicht eigen sein konnte, welcke dieselbe in unseren Tagen begründe:, klärt und in den Stand setzt das Ewige im Wesen deS JudenthumS zu erkennen; die Form zu läutern und zu vergeistigen, ohne das Band zu lösen, das die Zukunft mit der Vergangenheit verknüpft. WaS I. wollte, war mehr eine äußerliche Umgestalkung, die um so leichter in ihre» Mitteln schigreisen müßte, als ihr zu sehr '»aS unverkennbare Bestreben innewobnte, einen äußerlicher Anschluß an andere Glaubensgenossensckasten zu ge vinnen. Principielle Fordcruizgen . des JudentlnmS, das Auszeichnende der jüdischen gottesdienstlichen Gestaltungen als solcker waren dem wissenschaftlicher Geiste jener Zeit unbekannt, wo°71k". Theologie Wesen und Form, Uraltes und Neues, Göttliches und Menschliches nicht unterschied. In Jacobson wirkte der unbestimmte aber mächtige Gcstalmngsdrang, die unbezwingbare Gewalt einer nach Aufkärung und Einigung im (Leiste strebenden -(eit. Heil ihm, daß er das, was er fühlte und" erkannte,' mit der; ganzen Kraft einer wahrbaften Ueberzeugung auch I auszusühreü strebte; Heil uns, wenn die heilige Bc-! geisterung, die in ibm febte, in den Männern unserer ' Zeit fortwirkt; wenn wir mit gereifter Erkenntniß I den Forderun zen derselben entgegentrcten oder deni selben gerecht zu werden streben.— Die Säcularseier Jacobsons hat eine wohlmeinende! Flugschrift Li:>pmannsohn's aus Horn hervorgrrufen, die wir in >>iesen Blättern schon erwähnten.Wir achten die gwe Gesinnung, die aus jenem Schriftchcn spricht, wenn wir auch dem Plane einer Jacobsonstiftung in d:m Sinne des Verfassers leider unsere Zustimmung jme Mitwirkung versagen müssen. Jacobson ist dem Bewußtsein unserer Zeit zu ferne gerückt. *