Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
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252 Umsland zu dieser Annahme, daß auch der Mond in Milleidenschast gezogen und in seinem Laufe gehemmt wird, während doch der Lauf des Mondes unabhärmig ist von dem der Sonne und ein höheres Heraufstei zen desselben am Himmelsbogen auch dessen Licht für die -Erde vermehrt haben würde. Außerdem begeg ien wir einer selchen poetischen Anschauung von Go teS und der Gestirne - Mitwirkung bei den großarti zen! Rationalereignisien Israels in der Bibel oft. Jo beißt es nach dem Kampfe BaraNs im Siegest ede Deborab's < Nickt. 5, 20). „Dom Himmel heeab stritten sie, die Sterne, aus ihren Bahnen tretend, stritten mit Sissera." „Gott ist mein Kriegsheld" (Er. 15, 8i, „Gott wird für euch streiten und ihr köimt ruhig bleiben" (ibid. 14,14) hat wohl ei irn gleichen Sinn.- Die rückläufige Bewegung des Schatt ms an dem Sonnenzeiger Chiskijah's (2 Könige 20) läßt . daraus schließen, daß man die Theilnahme deS .Lümmels .und der Gestirne an dem Geschicke des Volks 1 und seiner Großen stillschweigend voraussetzt. In 1 dieser Voraussetzung deutet auch der Talmud (Sr nb.! 05, bl die Stellen an Gen. 28, 11 und 32, 32. ' Nach dieser Deutung habe Gott um des Erzva ers Jakob -willen die Sonne vorzeitig unter- und aufgehen lassen. Bei-anderen Völkern des Alterrhums finden! wir kieielben Anschauungen. So betet Agamemnon lIlias 2, -Ul): | „Zeus , ruhmwürdig und hehr, Schwarzwolkiger, Herrscher! des Aethers! „Nicht?cvor latz sinken He Sonn', und das Dunkel Heraufziehen, „Eh' ick hinab von der Höhe gestürzt des Priamos Wohnüig, „Dunkel rr^: Rauch und die Dhore mit feindlicher Flanme verwüstet. Ebenso das. 18, *2159 heißt es nach dem Falle des Patrotlos: „Helios, rastlos im Lauf, entsandt von der Herrscherin Heere, „Kchrte jetzt'unwillig hinab zu Oceans Fluten, „Nieder tauchte die Sonn' und das Heer der edlen Achaier! „Ruhte vom schrecklichen Kamps und allverderbenden Krieget" Schließlich sei noch bemerkt, daß Ludwig oon- Avfla eomment. de bello germanico fol. 126 (edit. Antwcrp. 1550) in reiner Beschreibung der Schlacht bei Müblberg im Jahre 1547 von einem ähnlichen wunderbaren Ereignisse erzählt, wie die Bibel in der Beschreibung der Schlacht bei Gibeon. Bekanntlich schlug der kaiboliscke Earl V. damals das Heer ^der Protestanten: der Cbarakter der Schlacht war also j ebensalls ein religiöser. Ludwig von Avila erzählt: „Die Sonne schien blutig rotb und was noch wunderbarer: fie schien, in ihrem Laufe stillzusteben, tnd der Tag schien sich zu verlängern; als wir genau fiinsahen, schien fie sogar höher zu stehen denn vorher' Alle behaupteten so und ick. wagees nicht zu vrneinen." Auck italienische und spanische Schristst,ller desrärigen das Ereigniß. Herzog Alba aber,!der Feldherr jener Schlacht, gibt, von Heinrich II., König von Frankreich darüber befragt, eine ausweichende Antwort. So hat uns diese Untersuchung über die in Rede stehende Stelle an Josua 10, 12 wieder gezeigt, daß die Bibel aus Gottes Geist hervorgegangen, aber von! Menschen Hand gearbeitet ist. Nicht der Menschen Wort ist uns dabei von Bedeutung sondern Gottes Geist. Ueber Leitung eines jüdischen Lehrerseminars und insbesondere die Ausbildung von Religionslehrern, von T. K. (Fortsetzung.» Tie Stellung der Eltern hat sich in dieser Beziehung bis zum heutigen Tage im Allgemeinen nicht gebessert, sondern im Gegentheil nimmt der Eltern Antheil an der religiösen Belehrung ihrer Kinder täg- ] ljch ab, so daß der Berus des Lehrers immer wichtiger, und heiliger erscheint. Vorzüglich seine Aufgabe «st-ies geworden, die Lehren des JudentbumS dem kommenden Geschlecht? zu überliefern, die Flamme reiner und wahrer Gottesverehrung in dem Herzen der Jugend zu pflegen und zu nähren, tief in ihre Seele die Bedeutung dessen einzupflanzen, was der materielle Sinn im späteren Leben so oft für bedeutungslos zu halten, pflegt, sie den Werth frommen und gottessürchtigen Lebens zu lehren, Liebe zum Gotteshause, zum würdigen, andachtsvollen Gottesdienste, zum religiösen Wissen ihr einzuflößen, lebendig in ihr das Bild unserer Vergangenheit und der in ihr sich wiederspiegelnden göttlichen Waltung zu erhalten und lie Sehnsucht nach jener Zukunst in ihr wachzurufen, weld»e die ttostreiche 'Ahnung der Propheten, die erhabene Hoffnung der leidenden Väter war und uns eine zum entschlossenen, edlen Handeln drängende Ueberzeugung werden soll. Die Lebrer sollen demnach Wächter der Religion sein und dafür sorgen, daß unsere Jugend die Gebete verstehe und den wesentlichsten Inhalt der.heiligen Schrift in ihrer uralten Gestalt kenne, damit sie nicht Fremde im Gotteshause oder Fremde in der Sprach- und Denkheimatb unseres Volkes seien, daß fie die Geschicke unseres Volkes wisse und Belehrung ans denselben schöpfe, daß sie mit den Geboten unserer Lehre vertraut sei und ihre Hebung bellig halte, daß sie den Geist des Jndenthums erfasse und die veredelnde Kraft desselben auf die Bildung des Verstandes und GemütheS, besonders deS Charakters Einfluß habe. Das tiefere Eindringen in Gesetz und Lehre möge denen Vorbehalten bleiben, die fich einst dem Berufe eines Lehrers oder Rabbiners widmen. L Die Verhältnisse aber, unter welchen der Religionslebrer seinen Beruf erfüllen soll, sind nicht überall dieselben. Bald muß er eine einklassige Schule leiten,