Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 251 — Ja nicht blos dos Volk, auch der Astronom spricht von Aufgang und Untergang der Sonne und behält diese Bezeichnungsweise bei. Selbst aber auch die! gelehrten Ausdrücke der Astronomie, wie Kulmination, Solstitium, Wendekreis deuten auf eine wirkliche Bewegung der Sonne hin, obgleich diese nur eine schein-I bare ist. ' I Wenn aber die Theologie die Waffender Pertheidigung für das ältere Ptolemäische Weltsystem aus der Bibel herholt, so begreifen wir nicht, warum man! sich dabei gerade auf die Stelle an Iosua steift und stützt, oder auch gar sich darauf beschränkt. Die Bibel liefert überall Beweise dafür und deutlicher noch als die Stelle an Iosua, redet die an Psalm Ist, 6 und /. Dort heisst eö: „Der «onnenball *) tritt (Morgens) wie ein Bräutigam aus feinem Brautgemache und freut sich, wie ein Held» zu.durchlaufen seine Bahn. An dem einen Ende des Himmels ist sein Ausgang und sein Kreislauf bis an das andere Ende." Da ist offenbar von der Bewegung der Sonne die Rehe. Auch die - biblischen Ausdrücke an dieser wie an anderen Stellen: Moza „Ausgang" (and dem Brautgemach) für „Aufgang" und Mavo „Eintritt" (in das nächtliche Brautgemach) für „Untergang" der Sonne sprechen hierfür. Ja wir behaupten: die Stelle an Ioiua liefert der Theologie gar nicht den erwünschten oper gesuchten Beweis, weil das autoritätsmäßige D)ort Gottes und der Bibel gar nicht darin enthalten .ist. Den theologischen Pertheidigern ' des Ptolemäischen Systems entschwindet also damit der Boden unter den Füßen, - und sie schweben mit ibren VertheidiguUgs-f gründen in der Lust. Ihre Stütze ist wankend, ^und die sich daran lehnen, fallen um. Denn offenbad ist die bezügliche Stelle an Iosua ein fremdes Einschiebsel von späterer und fremder Hand und gehört gar nicht zum prophetischen Bibelwort. Die Bibel selbst kündigt diese Stelle als eine fremde, interpolirte an und bezeichnet dafür die ursprüngliche Quelle, der sie entnommen, nämlich 8eplier I [ajaschar. «olcher Interpolationen gibt es mehrere in. der Bibel mit und"ohne Angabe der Q.uxlle. Eine aus demselben Buche mit Angabe der Quelle findet sich auch noch an 2 Sam. l, '.8. An unsrer Stelle gibt sich die Interpolation auch daran zu erkeiinen, daß durch dieselbe der Zusammenhang der Erzählung von B. 12 an unterbrochen und erst mit V. 16 wieder ausgenommen wird. Dem aufmerksamen Leser entgeht es nicht, daß V. 16 sich B. 11 unmittelbar anschlicße und auch ehedem unmittelbar gefolgt ist. Ein äußerliches Zeichen der Interpolation liefert auch P. 15: „Iosua und ganz I srael mit ihm kehrten ins Lager nach Gilgal zurück." *i Wir überßtzm „Eonnenball" und nicht „Senne," weil im Hebräischen wie in anderen Sprachen „Sonne" uiaect:l. pm. ist, nur die deuttch« Sprache macht eine Ausnahme, 'Dieser VerS läßt vermuthen, daß die Kriegsoperation zu Ende gewesen sei, Erzählung fortfährt. CapitelS (B. 46) ent» richt völlig abschließt, durch die Endworte vc gleicher Weise an V. denken, daß dieser Zn kennbar gibt sich hier kund. Wir bemerke» während doch D. 16 in deren Oer Verö ist dem Schlüsse des ommen, womit der ganze Be- Der Interpolator ließ sich n V. 14: „denn Gott streuet für Israel," womit a icb V. 42 endigt, verleiten, in 15 fertzufahrcn, wie der ursprüngliche Berichterst itter an V. 43, ebne zu beatz ein-unpassender ist. llnverdse fremde,^ iiiterpolirente Hand ausdrücklich; daß das Buck» 8ei>tisr Ilajaseliar, tie Quelle unsrer Interpolation, eine von der Bibel getrennte, von deren Autorität gar nid>t berührte, fri nrdartige Sammlung nationaler Lieder gewesen zu sei» scheint, welche die gioßarkigen Rational-Ereignisie zu feiern und im Gedächtnisse festzuhalten suchten. T>erartige Saninilungen gab es mehrere, wie denn üb whaupt eine derartige Pccste nnd Sitte im Geiste der ^eil lag Juterpolatiouen aus solchen-Sammlungen finden sich verschiedene in der Bibel. Daß ihnen> ac göttliche Autoritär nicht beigelegt wird, wie man sie den anderen'Worten der Bibel beilegt, ist selbstredend. Die Begründung des Ptolemäischen WAtsysi cms mit seiner Aufstellung einerbeweglichen Sonne ui d stillstehenden l>rde durch göttliche, auf jene interpi lirte - Stelle in Iosua gegründete Autorität zerfällt sorrit irr sich selbst als nichtig. Es bleibt uns noch übrig,'ein Wort der Erklä» rung über das berichtete Ereigniß vou der Verlängerung des Tages hinzuzusüge». Ei» großartiges 2catukercigniß hat jedenfalls.stattgefunden. Dies eirinehinen wir dem Berichte selbst, welcher von gewaltigen tzHagelj Skeinci: redet, womit-Gott die Feinde Israel'» geschlagen habe. Vi Reicht war dies ein ähnliches Unwetter, wie heim Siege. Baraks an Nickst. 4, 15, wovon Josephris Al ertb. 5, 5 erzählt, daß es die Feinde ins Antlitz g'troffen habe, während Israel es voilheilhafk im Rücken gehabt habe. Bein: Siege --Josua's erzählt Joftpbus (das. 5,4, 17» auch nur, daß der Tag sich verlängert habe, nicht aber daß-die Sonne in ihrem Laufe stehen geblieben sei. Jofexhus" führt die heiligen Schriften, des Tempelarchivs für sich als Quelle an. Wie nun bei einem derartigen Unwetter eine Verlcngerung des Tages-, etwa durch Refraclion der Somicnstrahlen, möglich ist. darüber mögen sich ^Physiker, insbesondere Astrvnemen aus sprechen. Ob aber überhaupt eine wirkliche Verlängerung deö Tageslichtsstattgefunden, ob, abgesehen voii der optischen Täuschung, das Ganze nickst blos eine poetische Liceiiz ist, welche Gott und die Gestirne mit an dem großin Tages - Ereignisse und Kampfe Israels Theil nehnen^äßl, ist eine andere Frage. Uns drängt au der vorliegende» Stelle besonders der