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Der israelitische Lehrer · 1868-10-21 · 43 (21.10.1868) · p. Seite 244

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
43 (21.10.1868)
Date
1868-10-21
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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dem Judenthmn mit ihrem Herzen noch treu AnHängenden inüiactiv, daß die immermehr umsichgreiftnde Unkenntnis in religiösen Dingen, sowie der immer üppiger wuchernde JndifferentismuS nur dann dfirch den Religionsunterricht, werde siegreich bekämpft werden können, wenn ervon pädagogisch-gebildeten, mit dem nörbigen Wißen /auögestatteten und von urerschütterlicher Hingebung und l'iefce zu diesem Ur terrichte durchdrungenen Lehrern ertheilt werde. Oft jcrt man darum von gewisseiihaften Vorständen großer wie kleiner (Gemeinden die Klage über den Mangel an derartigen Lehrern, da der gegenwärtige Unterrichi ne durch die falsche Disciplin des Lehrers und den geringen Respekt vor demselben, durch die mange nde _ Lernlun der Schüler, baS;n große oder zu geringe Maaß des übermittelten''Lehrstoffs, das Fehlen von nothwendigem, den Ueberüug an unwesentlichem Wissen gar nicht befriedige. Liegt auch diesen Klagen richt selten der Mangel an richtigem Verständnisse zu Gru lde, und sehen auch die Einsichtsvolleren ein, daß die gerügten Schulgebrecben zum großen Thejle durch die Lauheit und Rachlässigkeit, der Eltern, durch diren Verhalten gegen den Religionsunterricht und den Rekigicnslehrer bervorgerufen und, ich möchte sagen, gepflegt werden, so sind, dennoch jene Klagen i 6er die Persönlichkeit-des Lehrers in vielen Fällen ebcnso berechtigt. Eswird d^irum oft der Wunsch i ach Gründung tüchtiger Lehrerseminarien laut, und rur der Mangel einer initiativvorgchenden .Hauptgemeinde oder muthig und bescheiden her Sache sich annehn ender Rabbinen verschuldet die zögernde Ausführung jenes Wunsches. Denn die Klage über den geringen W>chl- Ihätigkeits'inn unserer Glaubensgenossen d^rfden (gutgesinnten nicht enlmuthigen. Welche, und seien es die edelsten Anstalten sür die Förderung geistigen F ortschrittes und denn nicht in ihrem Entstehen ans die gewaltigsten und mannigfachsten .Hindernisse gesio;en und batten-nicht mit Engherzigst, Unverständnist und Eigennutz zu känipien? Ein mulhiges, entschlossenes und kluges Ringen führte '^ber dennoch zum endlichen Siege und das Anfangs Geschmähte und Unterdrückte wurde, nachdem es bestand und sich bewährte, auch von feinen ehemaligen Gegnern gerühmt. Dcnn ist aber die Liebe zum religiösen Unterrichte unserer Jugend nickt in. dem gefürchteten Maaße unseren Glaubensgenossen entschwunden; endlich auch veranlaßt oft nur ein unüberlegtes Verfahren im Anreden zur Wohltbätigkeit die Üeberladung des Einzelnen und der Mangel an vereinten Kräften die Erkaltung selbst derer, die sonst ein für Förderung «ohlthuenver Institute warmes Interesse zeigen würden. Darum dürften Rabbiner und Gemeinden getrost für Gründung von Lehrerseminarien ihre Stimme erhebendste würde in manchem, Herzen wiederhallen und bei kluger und gerechter Vereinbarung eine kräftige Unter-' stützung für dieselben Hervorrufen. Vor allem aber müssen diejenigen, welche solche Institute mit ihrem geistigen Kapitale fördern wollen, über die zweckmäßigste Einrichtung und Leitung derselben sich klar geworden sein, damit das materielle Kapital der wohlthätigen Gemeindeir. und Privaten in der entsprechenden Weise seine Verwendung erhalte. Da nun besonders jetzt die Befetzungssrage der Direktorstelle auch Münsterschen Lehrerseminar, sowie die Errichtungsfrage anderer solcher Anstalten in Posen, Königsberg, Düsseldorf, Wien und Pesth ventilirt werden,- so dürfte es wohl von bedeutendem Interesse sein, in einem der Lehrerinteresien vorzüglich gewidmetem Blatte.eine offene Besprechung über die zweckmäßigste Leitung eines jüdischen Lehrerseminars zu beginnen, damit eine Einigung in den jedenfalls abweichenden Ansichten Vieler darüber erzielt werde. Um die Besprechung zu eröffnen, *) erlauben wir uns, unsere Ansicht darüber zu äußern. Um aber unsere Gedanken klarer und anschaulicher dar lellen zu können, wollen wir der Reihe nach folgende Fragen zu beantworten »ersticken. 1) Worin besteht und wie beschaffen ist der Beruf des jüdischen Religionslehrkrs, und welcher andere Beruf pflegt gewöhnlich, in kleineren Gemeinden stets, mit ihm verbunden zu sein? 2) Welches Wissen, welches Können, welche Gesinnung muß jeder tüchtige Lehrer' sich erworben haben, oder erwerben? il)Aus welche Weise kann ein jüd. Lehrerseminar tüchtige Lehrer heranbilden? 1. Worin besteht und wie beschaffen ist der Berus des jüdischen Religionslehrers, und welcher andere'Berus pflegt gewöhnlich, in kleineren Gemeinden stets, mit ihm verbunden zu sein? Rach jüdischer, resp. biblischer Anschauung ist es heilige Pflicht jedes israelitischen Vaters, seinem Kinde daS köstlichste Kleinod für sein späteres Leben mitzugebcn, und dies ist der Geist und das Wort der jüdischen Gotteslchre, die Liebe zu jüdischem Empfinden und jüdischem Lebenbjic unverbrüchliche Treue und Anhänglichkeit für das jüdische Gesetz. Die gewaltigen Lebensverhältnisse jedoch, die Sorge sür das tägliche Brod, der Mangel an Leit, an dem n«thwendigen Wissen und Geschicke, oder auch an Liebe und Lust zur heiligen Sache riefen schon frühzeitig das Bedürfniß besonderer Lehrer hervor, die es sich zu ihrem vorzüglichen oder einzigen Berufe machten, die isr. Jugend im GolteSworte zu unterrichten. (Forts, f.) Zur Shyloek-Frage. Ich komme nochmals auf die Shylock-Frage in Rr. 29 ds. Bl. zurück. Veranlassung gibt mir ein Aufsatz von Rudolf Geisenbach im diesjährigen *) Wir haben bekanntlich selbst schon mehrmals weitläufig darüber gesprochen. ' Red.

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