Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1868-10-14 · 42 (14.10.1868) · p. Seite 236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
42 (14.10.1868)
Date
1868-10-14
Page
Seite 236 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4896751-5428714-5431922--2136-4898520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

muß- Zuweilen Neimen sie ihn „den großen Theodore.» eine den ckisiasmcben *) Legenden des abyssiniscken Volkes entlehnte Benennung- A/s sie von den Missionären zurr . ersten Male mir voller Bestimmtheit die Behauptung härter. der Messias sei gekommen, beeilter; sie sich an den vermein! - licken Hohepriester in Jerusalem;u schreiben und anzufrogen, ob diese Nachrichtgegründet sei. Ihre Absicht stanv fest: hätten sie eine bejahende Antwort erhalten, so würden sie das Land ihrer Verbannung in Maffe verlasien Haben. Im Charaerer der Falascka's gibt es einen Zug, d« r sie vor den andern äthiopischen Bklkersckafren vvrtheilhat aus;eichnet. Dem Abyssinier, 'welcher Alles zu wissen be hauptet und seiner Würde zu vergeben glaubt j wenn >r von dem Europäer etwas lernen würde, entgegengesetzt, g - steht diw Falascka .seine Unwissenheit und zeigt eine gro je Wißhegierde. Weniger' lässig und scharfsichtiger als de anderrr VölkersckatteN, Haben die Falascka's die Gabe, sich in kurzer Zeu.ümzugestalten uuv die Litten der gebildeten Nationen anzunebmen. Wenn ihre Stirne nicht vcn Zorn gefurcht ist, strahlt sie eine unbeschreibliche Anmu b und liebevolle Hingebung ahandoh »ympatbique), die sich auck in allen ihren Bewegungen wiederfindet." Die Zahl der Falascka's glaubt der Berichterstatter, noch freilick sehr 'unsicherer Schätzung, auf 30—40,000 Famili'n oder l.')<»—2do,rt0ij Seelen annehmen zu können. „Die Beziehungen derFalascka's zu den Amhara's siid auck ganz eigner Art. Der Abyssinier braucht den Iud. n, der ihm die mr Feld und Haus nötbigsten Geräthe liefe: t; daher haßt er ihn auch nickt, obgleick er ihn als einen Ungläubigen und Gottesmärder bezeichnet. Im Gegentbeil, der Aberglaube schreibt den Falascka's das Borrecht der G rfabrung in der Kttnst der Zauberei und in den geheimen Win'ensckatten zu, und auck dadurck werden sie ein Gegenstand der Fudckl für jeden Amhara. Bis zutR Regierungsansang des Königs Theodore» konnte der Jude jedes obrigkeitliche Amt verwalten. Die er Herrscher, der nach Glaubenseinbeit sttebte, entfernte sie gewaltsam darckus. Dann kainen die Proselytenmacher, steten es gelang, gegen eine barinlose Bevölkerung Berfolgt nlaen hervorzurufen. Bis in ihren friedlichen Wobnum en sahen sick die Falascka's von diesen glaubenswüthigen s uropäern angefallen. Man bestack, verführte die Einen, n an stritt sich mit den Andern herum. und um die Bekehrt ng zu beschleunigen, rief man den.weltlicken Arm zur Hü lfe. Durch Ehrgeiz und Judenhaß verblendet, führten die pri tcstannschen Puritaner ihre neubckehrten Juden sogar »er götzendienerischen abyssinischen Kirche zu, um den Schutz »es Abuua, des Erzbischofs dieser Kirche, nicht zu verlieren! Man bereitete einen entscheidenden Schlag gegen das Gesetz vom Sinai vor, man wollte den Erleuchteten in Eurova den Fall des JudenlhuMs in Aetbiopien verkünden. *) Das tausendjä^ige Reich, bei der Wiederkunft CHasti, mU seinen überschwenglichen Herrlichkeiten betreffend. > Der Uebersetzer. Mehrere Falascha-Priester wurden in den Palast nach Gondar vorgeladen, um in Gegenwart des Königs überreligöse Fragen zu disputtren. Die Fanattker und die Abtrünni zen entwickelten eine große Tdätigkeit, um dem Kreuze den Z ieg zu sichern. Ein panischer Sckreck bemächtigte sich der 6 leister der schwachen Falascka's; sie glaubten sich in den »eiten des Antiochus zu befinden. Da zeigten sich glücklicher Weise die Makkabäer. Die jüdischen Priester kamen;»m Könige nickt allein; sie waren von Hunderten der Gläubigen begleitet. Die Disputation beginnt, die Geister erbiren sich. Der König, durch den Widerstand der jüdischen P fester gereizt, befiehlt seinen Soldaten, auf die Rebellen anzulegen. Da zeigen sich augenblicklich Hunderte von Köpfm; die Männer entblößen die Brust: „Schieße, Herr, samten sie. wir Alle sind bereit, für unsre Religion zu sterbey." Der König Theodore», der im Grunde ein ritterliches (5emütb besaß, bewunderte die Festigkeit der Falascka's, entließ die Versammlung und machte den .jüdischen Priestern vie schönsten (Geschenke. Bon da ab verschlimmerte sich die Sacke der Mission, re von Tag zu Tag. Zwiettacht brach unter ihnen selbst ans. Ein Abtrünniger wurde in Bande gelegt, nachdem er arspeitt'ckt worden war. Der König ließ sich die Correspond, n; der Europäer übersetzen und mußte die Kränkung erfahr, n. sich von Menschen verläumdet (maltraiti) zu sehen, Venen er eine wahrhaft königliche Gastfreundsckaft gewährt hatte. Die Schuldigen wurden gefangen gesetzt, die für sie Füjrspracke einlegen wollten, mußten gleiches Schicksal erleiden. Die Falascha's athmeten wieder' frei, wie durch Zauberei waren ihre Bedriicker verschwunden. War die. Gefabr aber von dieser Seite beschworen, o konnten sick dock die Judengroßen Verlusten nickt entziehe r, welche die finster» Schliche der Missionäre über sie zu ve:- bängen wußten. Ick spreche nickt von der geringen Anza,l derer, die durch die drohende Verfolgung ersckreckt, od r von den Bekehrern Hingerissen, den Glauben ihrer VLt r absckworen; ick sprecke von den zahlreichen Opfern, die u einer ttaurigen Verbannung zu Grunde gingen, zu der sie sich freiwillig verdammten, um den Feinden ihrer religiös« n Ueberzeugung zu entgehen. Europa kennt nock bis zum Heutigen Tage nicht die Ströme von Tbränen und Blut, welck \t die Apostel der Erlösung und des Heils in diesen ferinn Ländern verursackt haben. Die Furcht, welche die Falascha s hegten, auf ein Zeichen des Tyrannen, des kostbarsten Erbes ihrer Väter — ihrer Religion — beraubt zu werden, haste sie in große Aufregung versetzt; sie betrachteten ihre Leid als Vorläufer der inessianischen Zeit. Die Geister warei erregt, die ruhige Vernunft hatte einer zügellosen Einbildun Platz gemacht: eine unermeßliche Menge Männer, Fraueü Kinder verließ den deimatblichen Heerd; ehrwürdige Greil, stellten sich, Fahnen schwenkend und fromme Lieder singenh an die Spitze dieser begeisterten Schaar, und ohne irge welche Vorsicht, ja ohne nur den einzuschlagenden Weg kennen, richteten sie ihren Lauf gegen Sonnen-Ausgang'; sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.